'Runa' - Seiten 001 - 081

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    Original von Paradise Lost
    ...Es wirkt so, als ob man alles was irgendwie ungewöhnliche Zuckungen ausgelöst hat, egal ob Epilepsie oder Tourette (der ja sogar einen kurzen Auftritt in diesem Abschnitt hat) erst mal auf sexuelle Hysterie der Frau geschoben hat. -_- Da wird einem wirklich ganz anders. Es wurde ja auch im Text erwähnt, dass es gar nicht mal so sehr darum ging, die kranken Frauen zu heilen, zur Heilung ging niemand da hin. Es ging darum, das zu Erforschen und komplett auseinanderzunehmen (dazu muss natürlich der Anfall immer und immer wieder ausgelöst werden), Besserungen jedweder Art waren irgendwie nur Nebensache wie es schien, es ging ums ausprobieren und rumspielen?
    ...


    Als Hysterie wurden u.a. auch Zustände der Reizbarkeit, Nervosität, Onanieren bezeichnet. Man ging davon aus, dass die Sexualorgane dafür verantwortlich sind und entweder die Stimulation derselben (siehe Eierstöcke zusammenquetschen) oder das Entfernen (hier der Klitoris) die Frauen wieder auf die richtige Spur bringen würde. Bevorzugt als ausgeglichene, empfindungsarme, demütige Heimchen am Herd. :-( So jedenfalls kommt es mir vor. Und in dem Film "in guten Händen" (super Film aber mit leicht humoristischem Ansatz zu diesem schwierigen Thema) wird z.B. der Vibrator erfunden, der durch Stimulation "Anfälle" :lache auslöst, nach denen sich die Frauen ruhiger, entspannter und gelöster empfinden. Also durchaus eine kurzzeitige "Heilung" erfahren. So die damalige Idee.


    Ich hoffe, sehr, dass hier im Buch noch eine Wende eintritt. Zumindest scheint Jori bereits erkannt zu haben, dass nicht jede rigide Behandlung gut ist.

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    Original von Booklooker
    Wenn ich das alles lese, bin ich froh, dass wir in der heutigen Zeit lebt. Wer ist denn nie gereizt oder nicht mal nervös? Sowas gibts doch gar nicht. Wahrscheinlich wurden sogar Frauen, die viel reden oder so eingesperrt. :yikes


    Genau. Alle, die sich nicht so verhielten, wie man es von braven Frauen erwartet hat. :-(

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    Original von hollyhollunder


    :write Vom Typ her würde Walz sicherlich passen. Dass er nicht klein und dick ist, finde ich unwichtig. Bei mir ist immer wichtiger, dass der Schauspieler das Wesen der Buchfigur rüberbringt und das könnte Walz sicherlich. (Figurmäßig UND charaktermäßig hätte Philip Seymour Hoffmann auch gut gepasst, finde ich).


    Es wundert mich ja, dass noch niemand Jean Reno vorgeschlagen hat. Bei der Körperfülle müssten man nachhelfen, der Charakter passt aber sehr gut finde ich.

  • Ohje, Frauen die viel reden... da wär ich auch weggesperrt worden! :wow


    Ich muss da immer an die Beschneidung von kleinen Mädchen in Afrika denken. Ich glaube, dort wird das sogar heute noch gemacht, oder nicht? Ganz schrecklich...


    Das Bild, was Vera Buck von Christoph Waltz gepostet hat, sieht gut aus - mit dem Bart passt es doch ganz gut.


    Philip Seymour Hoffman wär auch ne coole Besetzung gewesen- schade, dass er nicht mehr lebt.


    (Zu welchen Gedanken einen das Buch so führt...)


    Ich komme nicht so schnell vorwärts, aber ich lasse mir einfach Zeit, denn man muss das auch verdauen. Und es ist bei mir grad noch viel anderes los, Urlaubspläne usw.


    Grinse - mir bist du herzlich willkommen! Wie kommt es, dass du dir das Buch vorlesen lässt? Hast du selber Probleme mit dem Lesen? Finde das sehr toll von deiner Freundin! Und so habt ihr gleich beide was davon!! :kiss

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    Original von Grinse
    Nun wollte ich mal anfragen, ob ich denn noch in diese LR "quereinsteigen" darf, auch, wenn ich quasi eher höre als lese und vermutlich (wieder mal) das Tempo nicht halten kann :rolleyes??


    Herzlich willkommen in der Runde, liebe Grinse! :knuddel1


    Obwohl ich eigentlich von Anfang an dabei war, habe ich den Bummelzug erwischt und hinke furchtbar hinterher. Das hat aber überhaupt nichts mit dem Buch zu tun!


    Meine aktuelle Arbeitssituation hindert mich immer noch sehr am Lesen - die Arbeitstage sind sehr lang und wenn ich dann Mal Daheim bin, könnte ich im Stehen einschlafen. Und ich finde, dass gerade dieses Buch nicht einfach so zwischen Tür und Angel gelesen werden kann. Daher hoffe ich, dass es okay ist, wenn diese LR zu einem längeren Projekt für mich wird und ich nicht so regelmässig posten kann.


    Wie bereits erwähnt, ist das Buch keine leichte Kost und doch fliegen die Augen über die Zeilen... Es ist so eine Mischung aus Entsetzen und Faszination - eine tolle, fesselnde Mischung, die der Autorin da gelungen ist! :anbet


    Es gab in diesem ersten Abschnitt immer wieder Momente, in denen ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Aber schon die nachfolgenden Sätze haben mich jeweils wieder am Wickel gepackt. Es ist schwer zu beschreiben - aber es sind sowohl das Thema als auch der Schreibstil, der einen nicht mehr einfach so los lassen.


    So mancher Begriff hätte ich gerne nachgeschlagen - aber der Lesesog war dann doch meistens stärker. ;-)


    Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht - und auch wenn es ein bisschen dauern kann, bis ich mich wieder melde: ich bleibe definitiv dran. :-)

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    Original von xexos


    Es wundert mich ja, dass noch niemand Jean Reno vorgeschlagen hat. Bei der Körperfülle müssten man nachhelfen, der Charakter passt aber sehr gut finde ich.


    Oh, ja! Jean Reno könnte ich mir als Lecoq sehr gut vorstellen. :fingerhoch:-) Ich finde es auch sehr interessant, dass die meisten Lecoq als fülligeren Menschen sehen. Mir geht es da ganz anders. Habe ich möglicherweise etwas überlesen? :gruebel

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    Original von Ayasha
    [quote]Original von Grinse
    Wie bereits erwähnt, ist das Buch keine leichte Kost und doch fliegen die Augen über die Zeilen... Es ist so eine Mischung aus Entsetzen und Faszination - eine tolle, fesselnde Mischung, die der Autorin da gelungen ist! :anbet


    Jau, das beschreibt so ziemlich genau auch mein Gefühl beim zuhören... Man ist einerseits zutiefst geschockt darüber, WAS und vor allem WIE und mit welch einem Voyeurismus diese -man mag das gar nicht als solche bezeichnen- Studien betrieben wurden und kann doch gleichzeitig nicht aufhören zu lesen.
    Gerade deswegen finde ich es mehr als gelungen, dass immer wieder durch etwas humoristische Geschichten - oder besser Sequenzen - Ablenkung stattfindet.


    Ayasha - ich werde auch eher unter den letzten sein, hier. Aber ich finde es gerade bei diesem Thema interessant in der LR dabei sein zu können....


    Edit möchte sich noch für die freundliche Aufnahme in der Runde bedanken! :wave

  • Oh ihr Lieben, ich bin schon beim vierten Abschnitt, komme aber einfach nicht zum Posten, sorry ;-(


    Also ich bin sehr begeistert von "Runa", aber auch genauso schockiert, was zu dieser Zeit mit den vermeintlichen Hysterikerinnen so angestellt wurde. Meine Phantasie geht bei diesen Beschreibungen ja mit mir durch. Mir wurde gesagt, dass ich beim Lesen wohl seltsame Laute von mir gebe... :rolleyes Aber wundert das jemanden?


    Jori ist wohl eine der Hauptpersonen, aber ich empfinde ihn momentan ein bisschen als "Waschlappen" und hoffe auf eine Entwicklung bei ihm.


    Lecoq scheint unsympathisch zu sein, aber mir gefällt er. Ich könnte mir da auch gut Christoph Waltz in dieser Rolle vorstellen :-]


    Auch wenn ich nicht viel Zeit habe, fesselt mich Vera Bucks Schreibstil und die Geschichte. Vor allem die historischen Parallelen gefallen mir sehr gut. Ich versuche morgen mal, eure Posts zu lesen. Das Buch hat es definitiv verdient, sich intensiv mit zu beschäftigen :anbet

    “Lesen ist das Trinken von Buchstaben mit den Augen.” H. Lahm


    :lesend Erik Axl Sund - Scherbenseele


    SuB 01.09.: 159
    SuB-Abbau-Wette: 5. Runde 3/5

  • Das ist ein Buch für das man sich Zeit nehmen muss. Der Schreibstil ist anspruchsvoll, dennoch gefällt er mir sehr gut. Die gewählte Sprache und z.B. manche Vergleiche mag ich sehr.
    Zudem bekommt man in dem Buch so viele Informationen zugeworfen, die man alle erstmal einordnen und verarbeiten muss. Ich finde die Thematik aber unglaublich interessant und mag es immer gerne, wenn ich einem Buch viel lernen kann. Dass reale historische Personen in die Geschichte involviert sind, finde ich super.
    Auch emotional nimmt das Buch einen mit, denn die Zustände und medizinischen Methoden sind nur schwer verdaubar.


    Zitat

    Original von Manuela2205
    Extrem fand ich neben der Beschreibung der "Vorlesung" oder wie auch immer man das nennen mag, die Aussage, dass Jori und noch ein Professor Versuche an Menschen machen, da Versuche an Tieren zu teuer wären :wow


    Das fand ich auch schockierend.


    Interessant, dass die titelgebende Runa noch gar nicht aufgetaucht ist. Den Zettel mit der verwischten Handschrift könnte aber durchaus schon von ihr stammen.


    Zitat

    Original von Paradise Lost
    Jori ist ein nicht spontan liebenswerter Charakter. Er ist so fixiert auf das was Charcot kann und wie er sich in seinem Fach auskennt, dass er gar nicht begreift, wie menschenverachtend das ist, was er da tut. Wenn es dann aber um die von ihm so tief geliebte Pauline geht, ist das natürlich alles was völlig anderes, die soll keiner so respektlos behandeln. Für ihn scheint das gar kein Widerspruch zu sein.


    Ist mir auch aufgefallen.


    Ich bin total gespannt, wie es weitergeht und bis jetzt ziemlich begeistert.

  • Boah! Ich habe soeben den ersten Abschnitt beendet. Es ist gut erzählt, ohne Frage. Aber so oder so ähnlich dürfte sich das alles damals ja auch tatsächlich abgespielt haben. DAS finde ich schlimm. Einzelne Arztnamen waren auch mir ein Begriff. Die von Euch genannten Serien/Schauspieler kenne ich alle nicht - bis auf Christoph Waltz. Den hab ich vor Jaaahren mal in einer Roy-Black-Biografie-Verfilmung und ich meine, auch in "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter während der Paarungszeit" gesehen, vor allem aber als gestörten Puppenverkäufer in einer Kommissar-Rex-Folge. Seitdem ist er für mich die Idealbesetzung für Bösewichte. Auch wegen seiner überaus prägnanten Stimme.
    Jetzt muss ich noch irgendwie "umschalten", sonst träume ich hiervon! :yikes

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von Lumos
    Ich lese ja immer im Bett vor dem einschlafen - aber niemals nicht in Runa ;-).


    Kluge Entscheidung! Bei mir ist es ganz genauso.
    Aber netterweise hat Rumpelstilzchen ihrer Leihgabe 2 Leseprobenwerbebroschüren beigefügt.
    Die zum "Eismann" hätte ich nicht unbedingt gebraucht, selbigen habe ich nämlich heute bereits hochzufrieden beendet.
    Aber die andere, die hatte es in sich: Anke Greifeneder "Das bisschen Sünde".
    Die verschaffte mir einerseits den beruhigenden Ohrwurm mit Johanna von Koczian "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann" und andereseits folgenden Spruch:
    "Der erste Hodenschützer wurde 1874 im Hockey benutzt, der erste Helm erst 1974. Dies bedeutet, dass es nur 100 Jahre dauerte, bis die Männer merkten, dass sie auch Hirn brauchen."


    :fiesesgrinsen :heiigenschein :gutenacht :schnarch :sleep

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich bin Nachzügler und schaue mal, dass ich vielleicht den Anschluss noch bekomme. Dieser erste Abschnitt war sehr interessant und eigentlich ist hier vieles schon geschrieben worden, was mir auch beim Lesen durch den Kopf ging. Witzig finde ich die teilweise ungewöhnlichen Bezeichnungen, wie z.B. gallensteingelber Mond... :grin


    Die Umstände in der Psychiatrie damals waren schlimm und der Umgang mit den Menschen, die als Geisteskrank galten, war übel. Ich musste neulich bei uns in der Klinik mehrere psychiatrische Stationen aufsuchen und habe Kontakte zu Patienten gehabt, bei denen es mir kalt den Rücken herunter gelaufen ist. Hauptsächlich finde ich den Gedanken schlimm, dass es jeden treffen kann...

  • Zitat

    Original von Eskalina
    Witzig finde ich die teilweise ungewöhnlichen Bezeichnungen, wie z.B. gallensteingelber Mond... :grin


    Solche sprachlichen Eigenheiten sind in dem Roman ganz viele und ich finde es wunderbar passend, sowohl zur Geschichte als ganzes wie auch zur jeweiligen Situation.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

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    Original von Belle Affaire
    Grinse - mir bist du herzlich willkommen! Wie kommt es, dass du dir das Buch vorlesen lässt? Hast du selber Probleme mit dem Lesen? Finde das sehr toll von deiner Freundin! Und so habt ihr gleich beide was davon!! :kiss


    Belle , sorry, für die völlig verspätete Antwort - ich hab es erst gerade gesehen :rolleyes


    Neee, das mit dem Vorlesen ist so eine schöne Sache zwischen uns, lächel. Jede von uns liest noch dazu das "eigene", und eines nehmen wir uns immer mal zusammen vor, diesmal Runa.
    Meine Freundin kann wunderbar vorlesen, hat eine tolle Betonung, darum fällt die Wahl wer von uns beiden liest und wer hört nicht schwer :zwinker
    Zwar hänge ich dadurch in den LR's oft etwas hinterher, aber der Preis ist bezahlbar, grins...