'Jahre aus Seide' - Seiten 504 - Ende

  • Was für ein vorläufiges Ende! Nach ewigem Warten kommen die Ausreisegenehmigungen, und dann hätte man 3 Jahre warten müssen. Ein Unding. Aretz nimmt die Mädchen zu sich. Wo sind die Eltern hin? Das ging alles recht plötzlich nach der Reichsprogromnacht.


    Das war für mich das erste Buch von Ulrike Renk und ich hatte einige Kritikpunkte. Aber jetzt im gesamten Überblick finde ich es doch durchaus gelungen. Man merkt, wie viel Arbeit und Recherche sie damit hatte und dass es ihr ein inneres Bedürfnis war, diese wahre Geschichte in Romanform zu erzählen. Gern hätte ich auch die Tagebücher von Ruth durchgestöbert, aber in so gefällige Form hätte ich sie wohl nicht zusammenfassen und ausarbeiten können.


    :gruebel Vielleicht ist es die richtige Art, das Familienleben möglichst harmonisch darzustellen und mehr Gewicht auf das tolerante Umfeld zu legen als auf die hässlichen Seiten und die alltäglichen Anfeindungen, denen auch freundliche Juden in dieser schrecklichen Zeit ausgesetzt waren. So können auch zartbeseitete Leser diese Geschichte bis zum bitteren Ende lesen. Die Greueltaten bleiben weit genug weg bzw. im nebulösen Halbwissen im Hintergrund.

    Ich habe schon mehrere Bücher von Ulrike Renk gelesen. Ich finde ihre Romane wirklich sehr ansprechend. Zwischen den Zeilen konnte man immer wieder merken, wie sich die Familie fühlte, wie die Bedrohung immer größer wurde. Die Familie hat sehr lange in einem glücklichen Umfeld gelebt, sie hatte die entsprechenden finanziellen Mittel. Man muß in diesem Zusammenhang auch sehen, daß es hier um die junge Familie ging. Die Eltern haben sich immer sehr um die Belange der Kinder gekümmert. Eine zehnjährige kann nicht verstehen, daß Leni einen Schwangerschaftsabbruch hat durchführen lassen, der für sie tödlich endete. Aber es wurde in der Geschichte erwähnt, damit wir die Zusammenhänge verstehen.

  • Oh, was für ein Ende. Da will man doch eigentlich direkt weiterlesen, so schlimm und beklemmend das Ganze auch ist.

    Ruth und Ilse haben mir im letzten Abschnitt besonders Leid getan. Vom Charakter her bin ich eher wie Ilse, ich habe mir immer eine ältere Schwester oder einen älteren Bruder gewünscht. Ilse hat echt Glück in dieser Zeit eine solche Schwester an der Seite zu haben.

    Was Aretz machen ist wirklich toll und mehr als nobel. Viele Menschen haben geholfen wo es nur geht, man darf auch dies nie vergessen.


    Ich bedanke mich für die vielen Links und zusätzlichen Informationen, die auch mir nicht so geläufig waren. Vielen Dank Ulrike Renk für dieses Buch, das ausführliche Nachwort und die Begleitung der Leserunde. Wir haben beim Lesen schon Gänsehaut, wie muss es dann erst beim Schreiben sein...???


  • Nun, das Buch endet, es folgen zwei weitere Bände, die uns berichten werden, wie es der Familie weiter ergeht.

    Die Trilogie ist benannt als "Seidenstadt-Saga" - das interpretiere ich mal so, dass in den Folgebänden Seidenstoffe Ruth weiter begleiten werden. Ruth ist bereits jetzt als Kind an Stoffen und Nähen interessiert, also wird sie als Erwachsene dies wohl weiter ausbauen. Bin gespannt...

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Ich habe gerade auch die letzten Seiten gelesen.


    Die Situation spitzt sich zu und das Buch endet mit der Reichspogromnacht. Was für ein Cliffhanger, dass wir nicht erfahren, was mit Martha und Karl passiert ist. Da wir doch recht lange auf den zweiten Teil warten, lässt mich das etwas unzufrieden zurück. Die Geschichte muss bei weitem nicht abgeschlossen sein, aber das macht mich jetzt schon unruhig. Aber gut, man muss die Enden nehmen, wie sie kommen. ;)


    Warum die Familie erst so spät ausreisen darf, ist der Wahnsinn. Was macht es denn für einen Unterschied für die USA? Für die Familie Meyer ab kann das eine Entscheidung von Leben und Tod bedeuten...


    Das Krefelder Dokumentationszentrum kenne ich noch gar nicht, aber ich werde sicherlich im Laufe des Jahres hinfahren, wenn es sich anbietet, denn es klingt sehr spannend.

  • Das Buch endet dramatisch.

    Schön fand ich, dass es immer noch sehr viele Menschen gab, die zu den Meyers gestanden haben.

    Ist in einer schwierigen Zeit sicher nicht selbstverständlich.


    Das Warten auf irgendwelche Entscheidungen der Behörden ist sicher absolut nervenaufreibend.


    Vielen Dank für das Nachwort und die Erklärungen.:blume


    Ich freue mich auf die weiteren Bände.

  • Puh, was für ein Cliffhanger!!


    Ruth und Ilse müssen ihre Schulen verlassen, was für eine Demütigung!!


    Als der Brief vom Konsulat kam, hatte ich so sehr gehofft, das die Meyers endlich ausreisen können, aber nun dauert es noch mindestens 3 Jahre! Wenn man sich überlegt, was alles schon passiert ist und was die jüdischen Menschen schon durchmachen mussten, ist dieser Brief eine schallende Ohrfeige!


    Als die Synagogen brennen, geben Martha und Karl die Kinder Aretz mit, in der Hoffnung, das sie bei ihm in Sicherheit sind..Ich hoffe, sie sehen sich wieder..

  • Rosenstolz Danke für die Links,


    diese machen greifbarer, dass es sich um eine reale Familie handelt und Ulrike deren Geschichte nacherzählt (natürlich in Rücksichtnahme auf das Format "Veröff. als Roman").

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Auch ich habe diesen letzten Abschnitt fertig.


    Mich lässt dieses Buch nachdenklich zurück. Was geschah mit Karl und Martha. Zum Glück kommen Ruth und Ilse bei Familie Aretz unter. Sie stehen nach wie vor zu den Meyer's. Wenn es damals solche Leute nicht gegeben hätte, wäre es noch schlimmer gewesen als es sowieso war.


    Ich bin nun sehr gespannt auf den nächsten Band und möchte mich hiermit bei meinen Mitlesern bedanken für die vielen Links und die tollen Kommentare und natürlich bei Wolke, dem Verlag und bei Ulrike Renk für die tolle Begleitung durch die Leserunde.


    Alle Bücher von Ulrike Renk die ich bis jetzt gelesen habe (die Australiensaga, die Ostpreußensaga) waren einfach super. Habe sie auch schon mehrfach verschenkt oder empfohlen.


    Meine Rezi folgt noch.

  • Ich habe mit Schrecken gesehen, dass ich hier gar nicht mehr geantwortet habe! =O


    Der Cliffhänger am Ende hat mir zu denken gegeben - ich hoffe, dass Martha und Karl im nächsten Band wieder mit dabei sind. Und wie schwierig für die Beiden ihre Mädels zu Arentz zu geben.


    Vielen lieben Dank für das Nachwort und das Begleiten der Leserunde. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band.


    Rezi folgt die nächsten Tage.

  • Puh, jetzt will ich wissen, wie es weiter geht und dann.... muss ich warten.


    Das die Familie in die USA einreisen darf, ist ja sehr schön, warum das aber erst einige Jahre später ist, kriege ich noch nicht so ganz in meinen Kopf.


    Das Emilie und Ruth nach England dürften, ist ja sehr schön, aber wieso muss die Familie so geteilt werden? Wieso Ruth und Emilie? Irgendwie war das doch die Großmutter, die immer etwas "anders" war. Klasse ist, das die Mädels dann mit Aretz .... "gehen" dürfen. Ob und wann sie die Eltern wieder sehen, steht aktuell in den Sternen. ---- Sagte ich schon, das ich diese Cliffhanger nicht mag?


    Ich habe, eben aus der Ahnenforscher-Seite heraus, noch mal die Geschichten rund um die Kristallnacht gelesen..... da wird mir, eben auch vor dem Hintergrund der Familie Meyer als "enge Betroffene" doch ganz anders. Wie mögen sich die Menschen damals gefühlt haben, was haben sie gedacht, wie haben sie das alles erfahren?

  • Wie mögen sich die Menschen damals gefühlt haben, was haben sie gedacht, wie haben sie das alles erfahren?

    Ja, da hätte ich mir auch eine noch detailreichere Darstellung der Gemütslage gewünscht. Dieses Cliffhanger-Ende macht einen doch sehr überhasteten Eindruck. X/

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Andreas Eschbach: Exponentialdrift

  • Puh, jetzt will ich wissen, wie es weiter geht und dann.... muss ich warten.


    Das die Familie in die USA einreisen darf, ist ja sehr schön, warum das aber erst einige Jahre später ist, kriege ich noch nicht so ganz in meinen Kopf.

    Kein Land auf der Welt wollte unzählige Immigranten haben. Das Kontingent war pro Jahr limitiert. Zu dem zeit Punkt wusste auch noch keiner, was auf sie zukam. Und als sie es wussten konnten sie es nicht glauben. Wären die Einwanderungsbestimmungen andere gewesen, wären viel mehr gerettet worden.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Tja, dieses wir können ja nicht so viele aufnehmen haben wir heute ja immer noch. Da werden ja nicht die Einzelschicksale gesehen, nur, dass da Fremde ins Land kommen wollen..

    Ganz besonderes krass fand ich die Geschichte der St. Louis, ein Schiff voller Juden die wohl aus Image Gründen das Land 1939 verlassen durften. Sie sollten nach Kuba, aber dort hat sich einer aus der Regierung an den Visa bereichert und dann wurde ihnen die Einreise verweigert. Nur 29 von ca 950 Passagieren durften bleiben. Der Kapitän hat dann versucht die Leute in die USA zu bringen, aber die weigerten sich diese 900 Menschen aufzunehmen. Das Schiff fuhr dann zurück nach Europa und die Flüchtlingle wurden dann nach langen Geschachere von England, Belgien und der Niederlande aufgenommen. 250 von ihnen wurden dann doch noch von den Nazis umgebracht.....

    Die Gechsichte wird in Das Erbe der Rosenthals - Armando Lucas Correa erzählt, in Peter Pranges Eine Familie in Deutschland ist das auch einer der Erzählstränge.

  • Die Parallelen zu heute wollte ich nicht extra anführen. Sie sind da.

    Aber ja, die Geschichte der St. Louis aber auch von anderen ist bezeichnend dafür, dass kein Land Interesse hatte Juden aufzunehmen. Ich habe "Transit" von Anna Seghers gelesen, darin geht es um Visa in verschiedene Länder, Menschen die in Marseille gestrandet sind und hoffen in irgend ein Land auf irgendeinem Schiff unterzukommen um dem Terror und dem Tod zu entrinnen. Manche haben auch einfach aufgegeben.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]