'Jahre aus Seide' - Seiten 369 - 436

  • Noch geht es den Meyers halbwegs gut, auch wenn Martha nervlich am Ende ist und auch schon auf Kur deswegen war. Das Thema auswandern wird immer präsenter auch wenn es für die meisten eigentlich unvorstellbar ist.

    Ruth findet mit Kurt ihren ersten Freund und ist trotz der Repressalien glücklich.


    Das Wochenende auf der Kull wirkte auf mich wie aus der Zeit gefallen, einfach nur paradiesisch friedlich, genau das was Teenager erleben möchten. Ich finde es toll, dass Karl mit dem Grundstück einen Ort geschaffen hat, an dem nicht die Angst herrscht.


    Irgendwie geht das Leben weiter, auch wenn die Einschläge immer näher kommen....

  • Fragt sich, wie lange sie so weiter leben können. Ich hoffe wirklich, sie schaffen es nach Palästina. Ruths Mutter war ja in einer Nervenheilanstalt und ich hoffe, die Ereignisse bringen sie nicht wieder dorthin. Denn das würde sie dann wohl nicht überleben. Das Euthanasieprogramm war schonungslos.

    Ruths Tagebucheintrag ist auch sehr traurig.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Drollig, wie Ruth die Glühlampe in Brüssel vertasuscht mit der der Vermieterin :-). Schön, die Schilderungen vom Besuch der Weltausstellung und natürlich besonders vom Paradies - auf der Kull. Ein schöner Ort für Unbeschwertheit, Austausch und Weiterleben.


    Wie wird es mit Ruth und Kurt weitergehen?


    Meyers Angestellte halten weiterhin zur jüdischen Familie. Auch wenn die Geschäfte mit dem Schuhvertrieb schlechter laufen, ist ausreichend Geld vorhanden, so weiterzuleben wie vorher.


    Karl und Martha treffen sich mit der nach Holland verzogenen Familie Hirsch und übergeben ihnen einen nicht ausgepackten Koffer. Was befindet sich darin? Geld der Familie Hirsch? Geld/ Wertgegenstäbde/ Wertpapiere/ Schmuck der Meyers? Ob wir es noch erfahren? Dieser Satz hat bestimmt noch eine Bedeutung!

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Das Wochenende auf der Kull wirkte auf mich wie aus der Zeit gefallen, einfach nur paradiesisch friedlich, genau das was Teenager erleben möchten. Ich finde es toll, dass Karl mit dem Grundstück einen Ort geschaffen hat, an dem nicht die Angst herrscht.

    Das hat mir in diesem Abschnitt auch besonders gut gefallen. Das Leben wird ja immer unterträglicher für die Juden in Deutschland. Nach und nach werden ihnen alle Möglichkeiten genommen. Umso schöner ist es, dass Ruth und Ilse mit diesem Grundstück am Wasser eine kleine Rückzugsmöglichkeit bekommen. So können sie zumindest ein paar fröhliche Stunden ohne Angst verbringen. Ich freue mich auch so für Ruth, dass sie nun ihren ersten Freund hat. Die beiden scheinen sehr gut zusammen zu passen. Hoffentlich hält diese Liebe lange an und sie können sie noch etwas genießen.


    Die ständigen Gespräche über ein Auswandern müssen gerade für die Kinder unterträglich gewesen sein. Sie konnten sich bestimmt nicht viel unter dem Land Palästina vorstellen. Es muss so schlimm gewesen sein, wenn man nicht weiß, wie die Zukunft ausschaut und ob man ein Visum für eine Ausreise bekommen wird oder nicht.

  • Als die Hütte auftauchte, dachte ich schon mal voraus. Könnte später mal als Rückzugsort dienen, wenn ihnen das Haus weggenommen wird. Falls nichts Schlimmeres passiert. Aber vielleicht sehe ich zu schwarz.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Mir schnürt es gerade alles zu. Wie schrecklich das alles ist. Aber zumindest haben sie den Rückzugort um sich etwas sicher zu fühlen. Ich bin echt gespannt, wie es sich jetzt weiter entwickelt.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Drollig, wie Ruth die Glühlampe in Brüssel vertasuscht mit der der Vermieterin :-). Schön, die Schilderungen vom Besuch der Weltausstellung

    Ja, besonders witzig dabei ist, dass diese Weltausstellung 1935 unter dem besonderen Schwerpunkt der Nutzung von künstlichem Licht stand. :chen

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

  • Das Wochenendhaus ist ein wahrer Rückzugsort. Dort können sie schwimmen, gesellig sein, fast unbeschwert. Gut, daß sie dieses Haus hatten, denn sonst hätten sie nur noch wenig unternehmen können.


    Auch wenn Ruth noch jung ist, hat sie mit Kurt jemanden gefunden, mit dem sie außerhalb der Familie Zeit verbringen kann. Sie entwickelt sich weiter.

  • Nun geht es langsam los. Die Nazis sind an der Macht und die Einschränkungen beginnen. Mittlerweile möchten eigentlich alle ausreisen, aber so einfach ist das nicht. Ich kann mir das ja kaum vorstellen, wie es schwer es gewesen sein muss, die entsprechenden Papiere zu beantragen. Wenn man mal überlegt, für wie wenige Länder wir überhaupt ein Visum brauche und wenn kann man sie teilweise einfach im Internet bestellen.

    Dass Martha darüber so krank wird, hat mich getroffen. Ich habe sie bisher als so starke und resolute Frau erlebt. Aber die Situation ist furchtbar und schwierig. Sie macht sich natürlich große Sorgen um ihre Kinder, aber Karl war lange nicht bereit. Doch jetzt hat er auch Anträge für Palästina gestellt. Interessant, ich hätte gedacht, er würde eher Amerika wählen. Da hätte ich die Familie fast eher gesehen.

    Einige sind bereits in die Niederlange geflohen. Da werden sie ein paar Jahre sicherer sein, aber wir wissen ja alle, dass auch das kein sicheres Land für die jüdische Bevölkerung war.


    Die Episode mit der Weltausstellung hat mir sehr gut gefallen! Es war nochmal ein Durchatmen und zudem sehr spannend. Die deutschen Juden haben das Judentum verraten. Hmpf. Das ist fast das Schlimmste. Die vorher integrierte jüdische Bevölkerung fängt an, sich zurückzuziehen, sich quasi wieder zurück zu entwickeln. So traurig das mitzuverfolgen.

  • Ich finde es toll, dass Karl mit dem Grundstück einen Ort geschaffen hat, an dem nicht die Angst herrscht.

    Zuerst habe ich nicht verstanden, was Karl damit bezweckt, dieses Grundstück zu kaufen und dachte: Das kann doch keine Lösung sein. Aber nun sehe ich, was er geschaffen hat. Eine Ruhezone, einen Rückziehungsort, der dringend benötigt wird. Ruth schafft dort für ihre jüdischen Freunde eine Art kleines Versteck. Hier können sie sein, wie sie wollen und über alles reden. Das ist wirklich wichtig! Auch passend, dass sie sich genau da verliebt und in Kurt war ich spätestens nach dem Witz auch verliebt - wie großartig! :lache


    Apropos Ruth, auch ein interessanter Tagebucheintrag. Ich nehme an, der ist genauso original überliefert? Ulrike Renk Da sieht man mal, dass man sich zwar vorstellen konnte, dass die jüdische Bevölkerung keinen Platz mehr in Deutschland bekommt, aber zumindest noch die Massenvernichtung sehr fern (in Gedanken) liegt.

  • Die Idee mit dem Rückzugsort finde ich auch sehr gut. Ruth und Kurt sind ein tolles Paar, ich hoffe sehr sie schaffen es und es gibt eine gemeinsame Zukunft für sie.

    Martha muss in die Kur, ich kann dies gut nachvollziehen, dass einem so etwas mürbe macht, erst recht als Mutter, wenn man sich Sorgen um die Kinder macht.

    Jetzt kommt es wohl zum großen Showdown, ich bin sehr gespannt...

  • Als Rückzugsort und zur Kompensation des Schwimmbadverbotes fand ich diesen Grundstückskauf auch gut - allerdings ist es finanztechnisch in dieser Situation nicht besonders klug noch mehr Geld in Immobilien anzulegen - besonders wenn man vorhat, das Land in nächster Zeit verlassen zu wollen (müssen).

    Auch die Tischtennisplatte zu Ruths Geburtstag ist da nur für ein kurzes Vergnügen gedacht - wäre vielleicht klüger von Karl gewesen seine Tochter mit Schmuck zu behängen, den sie auf einer Flucht oder im fremden Land leichter wieder zu Geld hätte machen können.

    Anscheinend konnte sich Karl nicht vorstellen, dass er einfacht enteignet werden könnte, und seine Immobilien keine echten Wertanlagen mehr sein könnten.

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    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

  • Anscheinend konnte sich Karl nicht vorstellen, dass er einfacht enteignet werden könnte, und seine Immobilien keine echten Wertanlagen mehr sein könnten.

    Ich befürchte er konnte sich nichtmal ansatzweise vorstellen, wie mit den Juden noch umgegangen werden würde. Das war ja alles gegen jedes Rechtsempfinden....

  • Auch die Tischtennisplatte zu Ruths Geburtstag ist da nur für ein kurzes Vergnügen gedacht - wäre vielleicht klüger von Karl gewesen seine Tochter mit Schmuck zu behängen, den sie auf einer Flucht oder im fremden Land leichter wieder zu Geld hätte machen können.

    Anscheinend konnte sich Karl nicht vorstellen, dass er einfacht enteignet werden könnte, und seine Immobilien keine echten Wertanlagen mehr sein könnten.

    Wie hätte sich das irgendjemand auch nur im Entferntesten vorstellen können. Wir haben leicht reden. Vielleicht hatten ja ein paar Intellektuelle oder politisch Interessierte eine Ahnung worauf Hitler und seine Gesellen hin arbeiten. Aber Karl, als einfacher aber gut verdienender Arbeiter, den Politik nur ansatzweise interessiert hat, der konnte das einfach nicht wissen. Daraus kann man ihm ja keinen Vorwurf machen.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Auch wenn Karl nur die Handelsschule gemacht hat, hätte er aus der jüdischen Geschichte wissen können, dass es immer wieder Pogrome und Ungerechtigkeiten gegen Juden gegeben hat - auch in Staaten, die sich für zivilisiert hielten und ihren jüdischen Mitbürgern einige Zeit lang wohlgesonnen waren und Gesetze zu ihrem speziellen Schutz erlassen hatten.

    Und in der Krefelder Synagogen-Gemeinde gab es sicher vertrauenswürdige Personen, die sich mit Politik und Gesellschaftsentwicklungen auskannten und ihren Glaubensgenossen sicher die Zeichen der Zeit gedeutet haben.

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    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

  • Deshalb gab es ja hin und wieder Diskussionen und vorsichtige Andeutungen, dass Gefahr drohen könnte. Aber jeder wollte eben glauben, dass es nur halb so schlimm würde, was immer sie da hinein deuteten.

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  • Ich denke auch, dass man sich nicht vorstellen kann oder will, dass man selbst Opfer solcher Pogrome wird. Auch wenn man es vielleicht erahnen könnte. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Karl sich sehr an das Leben in Krefeld klammert und sich deswegen solche Vorkehrungen auch nicht erlaubt.