Titus Müller - Das zweite Geheimnis

  • Zum Buch (lt. Amazon:)


    Zwölf Jahre nach dem Mauerbau führt Ria Nachtmann ein weitgehend angepasstes Leben in Ostberlin. Niemand würde vermuten, dass sie einst als Spionin für den Bundesnachrichtendienst aktiv war. Nur eines hat die Jahre überdauert: ihre Liebe zu Jens, einem westdeutschen Journalisten. Doch Verbindungen mit dem Klassenfeind sind streng verboten. Als Ria ein geheimes Treffen arrangiert, wird sie bereits beobachtet. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt ...



    Zum Autor:


    Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, schreibt Romane und Sachbücher. Er ist Mitglied des PEN-Clubs und wurde u. a. mit dem C.-S.-Lewis-Preis, dem Sir-Walter-Scott-Preis und dem Homer-Preis ausgezeichnet. Seine große Spionin-Trilogie erzählt die Geschichte einer mutigen Frau – und drei Jahrzehnte deutsch-deutscher Geschichte.

    Meine Meinung:


    Im Mittelband von Titus Müllers DDR-Spionage-Trilogie sind wir im Jahr 1973 gelandet. 12 Jahre sind vergangen. Ria hat den Journalisten Jens seitdem nicht wiedergesehen. Zu ihrer Tochter Annie ist das Verhältnis angespannt. Noch immer arbeitet sie für Schalck Golodkowski als Sekretärin. Niemand ist ihr auf die Schliche gekommen, dass sie damals für den BND spioniert hat. Als ihr Schwager Hennig jedoch mit seiner Republikflucht scheitert und verletzt im Gefängnis landet, wird auch der Staatsschutz auf sie aufmerksam und Marga, eine besonders hartnäckige Mitarbeiterin, setzt sich auf ihre Fährte und scheut auch nicht davor zurück, Annie für ihre Zwecke zu requirieren. Ria beschließt, das Land endgültig zu verlassen. Aber dann geschieht unvorhergesehenes und die Lage spitzt sich dramatisch zu.


    Ich möchte nicht zu viel verraten in meiner Rezension aber gleichzeitig auch den Mund wässrig machen, damit möglichst viele das Buch lesen. Nach einem tollen ersten Band legt Titus Müller mit einem ebenso hervorragenden Nachfolger noch einen Zahn zu, was Spannung und Information betrifft. Gekonnt verstrickt er historische Fakten, wie beispielsweise die hochbrisante Entlarvung des DDR-Agenten Guillaume, mit der fiktiven Geschichte von Ria und ihrer Familie. Deren Schicksal steht dabei stellvertretend für viele Familien und viele Schicksale von DDR-Bürgern zur damaligen Zeit.

    Authentische Charaktere, ein temporeicher Plot, eine gehörige Dosis Spionageluft und viele geschichtliche Details machen das Buch zu einem wirklichen Lesehighlight.


    Eine dicke Leseempfehlung zu beiden Büchern und große Vorfreude auf den Abschlussband im nächsten Jahr.

    Volle Punktzahl:anbet


    ASIN/ISBN: ‎ 3453441265

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Das Reich der Vampire - Jay Kristoff



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

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  • 12 Jahre sind vergangen seit Ria sich entschieden hat in der DDR zu bei ihrer Familie zu bleiben. Seitdem versucht sie Kontakt zu Annie zu haben und ein zufriedenes Leben zu führen. Doch ganz kann sie Jens nicht vergessen und auf Dauer kann sie nicht ohne ihn leben. Und als ihr Schwager Henning noch die Republikflucht wagt und dabei scheitert, gerät sie erneut ins Visier der Stasi. So beschließt sie zu tun was ihr möglich ist und dann auch das Land zu verlassen.


    Titus Müller entführt uns diesmal in die siebziger Jahre. In Berlin finden die Weltjugendspiele statt, die das Bild eines offenen, modernen Landes vermitteln sollen. Auch Annie, Rias Tochter genießt dort die Atmosphäre, bietet das Programm ihr dort doch genau das Gegenteilt zu ihrem sonst so harten Sportalltag. Dieser Teil der Geschichte macht sehr deutlich, wie wenig die Sportler damals als Individuen gezählt haben. Annie ist zwar Sportlerin mit Leib und Seele, hat aber auch ihre Probleme mit dem System. Hier zeigt sich auch wieder, wie perfide in der DDR mit den Bürgern umgegangen wurde und sogar Familienmitglieder gegeneinander ausgespielt wurden.


    Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich spannend. Wie schon im ersten Band schafft Titus Müller es Fiktion und reale Geschichte geschickt miteinander zu verweben. So treffen wir auch diesmal wieder auf die Genossen Honecker und Schalck und im Westen erhalten wir einen Einblick in die Guillaume Affäre und ihre Aufklärung. Dabei fand ich es sehr interessant ein wenig in Willy Brandts Gedankenwelt einzutauchen.


    Ich kann auch dieses Buch wieder nur empfehlen, es gibt einen Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte und vermittelt nebenbei Geschichtswissen, das es einem leichter macht, die Zeit damals zu verstehen. Jetzt freue ich mich auf den dritten Band der Reihe, der dann nächstes Jahr erscheinen wird. Hier wird es dann um die Zeit der Wende gehen, an die ich mich selbst noch gut erinnern kann.


    9 von 10 Punkte

  • 1973. Ria war früher Spionin für den BND und macht mit Freundinnen Urlaub in Bulgarien. Szenen dieser vermeintlichen Idylle wechseln sich ab mit dem Fluchtversuch von Rias Schwager Henning an der innerdeutschen Grenze. Mit diesem Start hatte mich "Das zweite Geheimnis" direkt in seinen Bann gezogen und die Seiten flogen nur so dahin...


    Den 1. Teil "Die fremde Spionin" hatte ich letztes Jahr sehr gern gelesen und die Geschichte hatte ich als spannend und informativ in Erinnerung, aber wirklich präsent waren mir Handlung und Personen nicht mehr. Doch in "Das zweite Geheimnis" werden die relevanten Details so geschickt eingestreut, dass mir die Vorgeschichte ziemlich schnell wieder eingefallen ist und gleichzeitig auch Leser, die "Die fremde Spionin" nicht kennen, alle Informationen haben, um "Das zweite Geheimins" zu genießen.


    Mir hat diese Mischung aus spannendem Spionage-Roman und vielen Fakten zur deutsch-deutschen Geschichte sehr gut gefallen. Ich habe Ria und ihre Familie sehr gern begleitet und habe in manchen Szenen beinahe das Atmen vergessen vor lauter Mitfiebern. Das Geschichtswissen wird ganz nebenbei aufgefrischt und das kurzweilig und interessant.


    Absolute Leseempfehlung von mir!

  • Titus Müller: Das zweite Geheimnis


    Covertext


    Zwischen Ost und West


    Zwölf Jahre nach dem Mauerbau führt Ria Nachtmann ein weitgehend angepasstes Leben in Ostberlin. Niemand würde vermuten, dass sie einst als Spionin für den Bundes­nach­richten­dienst aktiv war. Nur eines hat die Jahre überdauert: ihre Liebe zu Jens, einem westdeutschen Journalisten. Doch Verbindungen mit dem Klassenfeind sind streng verboten. Als Ria ein geheimes Treffen arrangiert, wird sie bereits beobachtet. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt ...


    „Ein spannendes Stück Nachkriegsgeschichte, brillant aufgeschrieben von einem der großen zeitgenössischen Erzähler“

    RUHR NACHRICHTEN über DIE FREMDE SPIONIN



    Autor

    Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichts­wissenschaften und Publizistik. 2002 veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten historischen Roman: »Der Kalligraph des Bischofs«. Es folgten weitere historische Romane wie »Die Todgeweihte« (2005). Titus Müller wurde mit dem C.S. Lewis-Preis und dem Sir Walter Scott-Preis ausgezeichnet und ist Mitglied im PEN. Für den Spionagethriller über einen Schlüsselmoment deutscher Geschichte, »Nachtauge«, wurde er als Histo-König des Jahres 2013 gekürt, »Berlin Feuerland« wurde mit dem Goldenen Homer als »bester historischer Gesellschaftsroman 2016« ausgezeichnet. Sein Roman »Die fremde Spionin« brachte ihn auf die SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde auch von Geheimdienstinsidern gelobt.

    Titus Müller ist verheiratet und hat zwei kleine Söhne. Er lebt mit seiner Familie in Landshut.

    Weitere Informationen unter http://www.titusmueller.de.


    Inhalt

    1973 ist das Jahr in dem nicht nur das Leben der fiktiven Ria und der mit ihr verbundenen Familienangehörigen spielt, sondern die Verhältnisse der damaligen DDR und die gegenseitige Spionage in Ost- und Westdeutschland näher beleuchtet wird. Die Guillaume-Affäre, die damals den Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt verursachte, kommt als Nebenhandlung vor. Erich Honecker und seine Frau haben zwischendurch auch Gastauftritte, die ihr Selbstverständnis erkennen lassen.

    Aber hauptsächlich geht es um Ria und ihren Schwager Henning, der als Grenzsoldat versucht in den Westen zu fliehen. Die Folgen für seine Familie hat er dabei nicht bedacht. Nicht nur seine Frau sondern auch deren Schwester kommen deswegen ins Gefängnis und werden unter menschenunwürdigen Methoden verhört. Ria macht sich hier durch ihr kluges Verhalten bei der StaSi verdächtig und ihre Verhörerin fühlt sich motiviert, sie auch in Freiheit zu verfolgen und sogar ihre jugendliche Tochter Annie auf Ria anzusetzen.

    Mit Annie und ihrem Freund Michael erhält der Leser auch Einblick in die Machenschaften im Leistungssport und den Gegensatz, den die in diesem Jahr in Ostberlin stattfindenden Weltjugendspiele der eigenen Bevölkerung und der freien Presse präsentiert.



    Meine Meinung

    Titus Müller versteht es vorzüglich Romanhandlung und reale Geschichtsereignisse glaubhaft zu verknüpfen. Spannung, Familiendrama und Informationen über die damaligen Denk- und Lebensweisen wechseln sich unterhaltsam ab. Die Figuren – fiktive wie reale – erhalten vom Autor ausgewogen persönliche Züge.

    Dieser Roman motiviert, sich noch näher mit der Politik und den Umständen im Kalten Krieg zu befassen. Als Westdeutsche ohne DDR-Kontakte habe ich in meiner Jugendzeit nur wenig davon mitbekommen. Umso mehr wundere ich mich jetzt, wie lange sich dieses Volk hat gängeln, belügen, einsperren und bespitzeln lassen. Wie groß dieser ganze Überwachungsapparat war und wie gut die Propaganda bis in die persönlichsten Angelegenheiten hinein funktionierte, wurde wohl den meisten erst nach dem Mauerfall bewusst. Zusammen mit anderen, ähnlich guten Büchern kann dieser Roman eine angenehm lesbare Mahnung sein, unsere deutsche Geschichte in der ganzen Breite zu betrachten und den Wert der Freiheit und Demokratie weiterhin schätzen zu wissen.
    Wärmste Empfehlung!

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr

    Erzählungen

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  • Auch ich bin, wie meine Vorschreiberinnen, wieder total begeistert von diesem zweiten, aber in sich abgeschlossenen Band: "Das zweite Geheimnis."


    Ria Nachtmann versucht verzweifelt, ihre Tochter Annie, die sie als Kind weg gegeben hat, zu überzeugen, dass es nur zu ihrem Besten war. Zarte Bande entstehen, die aber durch einen aktuellen Spionagefall und die notwendig gewordene Flucht Rias in den Westen, wieder abgebrochen werden. Auch Henning, ihr Schwager, ehemals überzeugter DDR-Bürger und Grenzsoldat, versucht die Flucht, wird aber gestellt, angeschossen und im Krankenhaus unter schwere Bewachung gestellt.


    Ein interessantes Stück Zeitgeschichte mit oft unbekannten Anekdoten über die damaligen Politiker, z.B. ihre Probleme ein Geschenk für den Staatsbesuch zu finden, ihr Vertrauen in die falschen Personen, will heißen Spione, ihre Entlarvung, was oft nur per Zufall passiert und vor allem über die Menschen, die in den jeweiligen Systemen leben, leiden, sich auflehnen oder anpassen.

    Das alles ist in einem Stil geschrieben, der mitreißt, nie langweilig wird und jede Menge überprüfbare Informationen über die damalige Zeit und die Vorgänge der beiden Staaten BRD und DDR liefert.

    Und doch menschelt es sehr, man fühlt mit, hofft und bangt oder möchte manches Mal eingreifen.

    Danke für dieses wunderbar spannende und informative Buch, die engagierte Begleitung der Leserunde. Es war wirklich ein Gewinn.

  • Durch den Roman "Die fremde Spionin" habe ich zum ersten Mal etwas vom Autoren Titus Müller gelesen. Die Erzählweise und der Spannungsaufbau haben mir vor einem Jahr sehr gut gefallen und die um den Mauerbau in 1961 spielende Story wurde mein Monatshighlight.


    Fast ein Jahr später nimmt Titus Müller in "Das zweite Geheimnis" die Leser mit in das Jahr 1973. Ich bin sehr gut in die fortgeführte Geschichte hinein gekommen. Kurz hatte ich überlegt, ob ich in den Vorgängerband noch einmal reinlese, habe dann entschieden, gleich mit dem neuen Roman los zu schmökern. Während des Lesens kamen dann auch bald Erinnerungen und auch der Autor streut immer wieder hilfreiche Informationen zu der ersten Geschichte ein. Kenntnis von Band eins ist hilfreich, aber nicht erforderlich, trotzdem möchte ich jedem empfehlen, sich das ganze Lesevergnügen zu gönnen und "Die fremde Spionin" nicht zu überspringen.


    Gut ist auch, wenn man Zeit zum Lesen hat, denn ich habe sehr ungern den Roman beiseite gelegt. Und wenn, dann auch häufig, weil ich gleich noch einmal etwas im digitalen Geschichtsbuch nachlesen wollte oder ich unterbrach, weil mir Fetzen einfielen zur Handlung in anderen Büchern oder filmischen Darstellungen.


    Ich habe zu Beginn bedächtig gelesen, auch manche Sätze zweimal. Zum einen, um nichts zu verpassen oder zu überlesen, aber auch, weil die Sätze einfach nur wunderschön formuliert sind. So möchte man sie am liebsten laut lesen und anstreichen. Man kann sie sich richtig von der Zunge fließen lassen. Z.B. der erste Satz vom zweiten Kapitel – das ist bildhafte Sprache, die viel Kopfkino bewirkt und für viel atmosphärische Stimmung sorgt. So wird es schnell zu einem grandiosen Lesegenuss! Im Verlauf des Buches habe ich auch mein Lesetempo wieder angezogen - doch für mich steht fest, ich werde die Bücher erneut lesen und dann kann ich hoffentlich bedächtiger lesen.


    Ich benötige ohnehin Leseruhe, es stören mich keine Straßengeräusche, aber zu Musik/ Stimmen kann ich nicht parallel lesen. Dieses Buch habe ich auch noch mit angehaltenem Atem und flauem Bauch gelesen, weil es ein Tanz auf dem Drahtseil ist. Was habe ich um Ria im ersten Band gebangt, auch wenn ich wusste, dass Titus sie noch für die beiden nächsten Bände benötigt. Jetzt war ich gespannt, wie sie es in diesem Band nun schafft, sich durchzuschlängeln.


    Manch ein Leser "stört“ sich vielleicht an detailreichen Beschreibungen von Honeckers Wagenkolonne oder Gastgeschenk- Aufzählungen, diese sind Ergebnisse von Recherche und daher für mich tolle informative Zeitdokumente und sie sind für mich wertvolle Ergänzungen.


    Titus Müller gelingt es eine schöne Stimmung zu erzeugen, aber im nächsten Moment, so ganz beiläufig, beschreibt er im nächsten Satz Katastrophen. Beispiel: Eben noch segeln Möwen mühelos hin und her… ein Auto hält…zwei Männer greifen nach Armen.


    Wir erfahren auch teilweise, was in den zehn Jahren zwischen den Geschichten geschehen ist. Rias Tochter ist inzwischen ein Teenager, aber da sie eine vielversprechende Turnerinnenkarriere erreichen kann, ist ihr Alltag vom Staat organisiert. Die Stasi, in Person von Marga, wirbt sie an, setzt sie unter Druck. Wir Leser haben diese Marga schon einige Seiten zuvor kennengelernt und hofften, mit ihr nichts mehr zu tun haben. Da setzt uns der Autor doch tatsächlich mit Marga in ihrer Wohnung ab, wir lesen von Selbstgesprächen und erleben, wie sie sich an Annie „ranmacht“. Oh nee! Es schüttelt einen, die Frau ist gefährlich.


    Dem Autoren gelingt auch, einen Protagonisten, den ich im ersten Buch nicht mochte und auch wenig Verständnis für seine Handlungen hatte, zu mögen und mit ihm enorm mit zu fiebern.


    Ich staune über die Spionagetechniken und -methoden und es ist toll, darüber zu lesen. Dieses genaue sich gegenseitig Beobachten und Belauern, die kleinen Tricks, wie z. B. nach der Rückkehr nachhause, auf dem Boden liegend zu prüfen, ob die dünne Mehlschicht auf dem Fußboden unberührt ist. Ich bin wieder einmal froh, dass meine Familie auf der Westseite gelandet ist und daher weder jemanden bespitzeln mussten, noch ausgespäht wurden. Das war schon eine große Belastung auf der anderen Seite der Grenze und schwelende Gefahr.


    Titus Müller vermittelt deutsche Geschichte eines damals geteilten Landes fesselnd. Dieser Roman ist wieder superspannend und für mich weniger brutal als der erste, mit Sorotkins Taten. Er hat mir hervorragend gefallen, noch besser als "Die fremde Spionin" und natürlich ist es "Mein Lesehighlight". Klar hätte ich gern noch weitere 200 Seiten gelesen, aber ich quängel jetzt nicht, dass ich Abschied bis Sommer 2023 nehmen muss. Was gut werden soll, braucht Zeit.


    Ich freu mich sehr aufs Weiterlesen, wenn in einem Jahr "Der letzte Auftrag" uns in das Jahr 1989 mitnimmt!


    Leseempfehlung! Volle Punktzahl!

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Titus Müller gehört seit Jahren zu meinen Lieblingsautoren, seine Bücher sind mehr als nur Geschichten. Man taucht ein in eine andere Welt und erfährt nebenbei viel Wissenswertes über diese Zeit. Auch der zweite Band der Spionin-Reihe hat mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

    Das Cover passt sehr gut in die Reihe, der Wiedererkennungseffekt ist sehr hoch. Wieder ist das Brandenburger Tor der Mittelpunkt und erneut ist das Cover größtenteils in schwarz und weiß sowie Graustufen gehalten. Einzig der Trabbi und der Titel sind in Neon-Grün gestaltet. Der Klappentext ist recht kurzgehalten, er weiß Spannung zu erzeugen, ohne bereits zu viel zu verraten.

    Der Roman setzt 1973 ein, Ria Nachtmann ist wie auch in Teil 1 die Hauptfigur des Romans. Sie hat sich weiterentwickelt und sieht heute viele Dinge anders als noch vor einigen Jahren. Ihre Schwester Jolante und ihr Schwager Henning leben ebenfalls mit den Kindern in der DDR. Doch dann versucht ihr Schwager in den Westen zu fliehen und so gerät auch Ria wieder in das Visier der Geheimdienste, ohne zu ahnen, dass sie einst für den BND spioniert hat. Eine sehr spannende Geschichte nimmt ihren Lauf.

    Neben Ria sind der Journalist Jens Fichtner zu nennen, dem ihre Liebe gehört, aber auch Marga Dierks, die sich an Ria festgebissen hat und versucht im Auftrag der DDR diese ans Messer zu liefern.

    Am besten gefallen hat mir Stefan Hähner, der ehemalige Chef von Ria beim BND. Er hat eine großartige Entwicklung durchgemacht. Am Ende des Romans war ich ihm sehr dankbar und habe ihm alles Glück dieser Welt gewünscht.

    In dem Roman geht es um das gegenseitige Ausspionieren von BND, KGB und Stasi. Es geht um die Guillaume Affäre, um Kanzler Brandt, um Honecker und viele andere wichtige politische Persönlichkeiten. Den Roman greifbar macht eine mathematische Textaufgabe aus einem Schulbuch der DDR oder auch ein Liedtext von Wolf Biermann. Man bekommt in diesem Roman eine Ahnung, wie die Menschen damals in der DDR gelebt haben, wie im Sport der Druck ausgeübt wurde, wer wann wohin reisen durfte. Auch die Weltjugendfestspiele in der DDR spielen eine Rolle, ein spannendes zeitgeschichtliches Zeugnis.

    Der Erzählstil des Autors ist sehr plastisch und mitreißend. Erzählende Passagen und Dialoge halten sich gut die Waage, das Tempo in dem Roman ist sehr hoch. Gleichzeitig ist der Roman sehr dicht, so dass es sich empfiehlt, langsam und genau zu lesen, da einem sonst womöglich wichtige Details entgehen. Ich mag solche intensiven Romane.

    Gleichzeitig schafft es der Autor auch den Leser zu überraschen, denn die eine oder andere unvorhersehbare Wendung ist eingebaut und sorgt damit für zusätzliche Spannung.

    Dieses Buch ist der zweite Teil einer Trilogie, sicherlich kann man diesen Teil auch eigenständig lesen. Ich empfehle aber mit dem ersten Teil „Die fremde Spionin“ zu beginnen, nicht nur weil ich ein großer Fan des Autors bin und jedes Buch von ihm sehr lesenswert ist (Nachtauge, Berlin Feuerland, Der Tag X und Tanz unter Sternen, um nur einige zu nennen), sondern auch weil man so die Entwicklung der Figuren besser nachvollziehen kann. Gerade Ria Nachtmann und Stefan Hähner machen eine solch wichtige Entwicklung durch.

    Den Roman kann ich nur allen Leseratten empfehlen, die gerne in ein Stück Zeitgeschichte eintauchen, die gerne spannende Geschichten lesen und sich auch ein wenig mehr mit der deutsch-deutschen Geschichte auseinandersetzen möchten.

    Ein neues Highlight aus der Feder von Titus Müller, jetzt heißt es warten bis nächstes Jahr, wo dann der dritte und abschließende Teil „Der letzte Auftrag“ (Sommer 2023) erscheint.

    Vielen herzlichen Dank, lieber Titus für die großartigen Lesestunden und viel Erfolg mit deinem neusten Buch.

    Ich danke herzlich der Verlagsgruppe Randomhouse für die Bereitstellung des Rezensions- und Leseexemplars, sowie den Büchereulen für die Organisation der Leserunde und den großartigen Austausch. Es macht immer wieder Spaß!


    10/10 P.

  • Der zweite Teil der Spionin-Reihen von Titus Müller spielt im Jahre 1973, also zwölf Jahre nach den Erlebnissen von Ria im ersten Band und nach dem Mauerbau.

    Ria Nachtmann führt inzwischen ein weitestgehend angepasstes Leben in Ostberlin. Sie arbeitet immer noch für Alexander Schalck-Golodkowski, hat aber komplett mit ihrer Spionagetätigkeit für den BND abgeschlossen. Ria hat nun regelmäßig Kontakt zu ihrer Tochter Anni. Und auch ihre Schwester Jolante lebt mit dem Schwager Henning in ihrer Nähe. Ihre große Liebe Jens, der als Journalist in Westberlin arbeitet kann Ria einfach nicht vergessen. Deswegen arrangiert sie ein heimliches Treffen mit ihm in Bulgarien. Doch die Verbindungen mit dem Klassenfeind sind streng verboten. Und mit dem heimlichen Treffen beginnt ein sehr gefährliches Spiel für RIa, das Auswirkungen auf ihre ganze Familie haben wird.


    Nachdem mir der erste Band um Ria schon so gut gefallen hat, bin ich mit großen Erwartungen an diesen neuen Roman von Titus Müller herangegangen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieser zweite Band hat mir sogar noch besser gefallen als Band 1. Das Buch war von den ersten Seiten an super spannend zu lesen. Ich konnte es wirklich kaum aus den Händen legen, da es mich so gefesselt hat und ich unbedingt wissen musste, was mit Ria und ihrer Familie passiert.

    Besonders gut gefallen haben mir die ganzen Details zu den vielen Spionagemethoden wischen Ost-und Westdeutschland. Das fand ich wahnsinnig interessant zu lesen. Titus Müller schafft es mit dem Roman, viele historische Fakten, wie zum Beispiel die Guillaume-Affäre mit einer fiktiven Handlung zu verknüpfen. Deswegen war das Buch für mich nicht nur spannend zu lesen, sondern auch sehr lehrreich. Ich habe wieder einige neue Sachen über die deutsche Geschichte erfahren, die mir vorher nicht so bekannt waren.


    Das Buch ist in sich abgeschlossen, trotzdem denke ich es wäre sinnvoll, vorher den ersten Band zu lesen. Ich freue mich auf jeden Fall schon riesig auf das nächste Buch mit Ria Nachtmann. Ich bin sehr gespannt, wie es mir ihr und ihrer Familie weitergehen wird.


    Ganz toll fand ich auch den Anhang von dem Roman, in dem der Leser ganz viel über den historischen Kern der Geschichte erfährt. Das rundet das Buch noch mal so richtig ab.


    Viele Dank lieber Titus Müller für die super Begleitung der Leserunde und die vielen zusätzlichen Informationen.

    Von mir bekommt das Buch eine dicke Leseempfehlung, für mich war es ein absolutes Lesehighlight, 10 von 10 Eulenpunkten.

  • Titus Müller ist einer der besten Autoren deutscher Sprache auf dem Gebiet des historischen Romans. Mit der Trilogie um Ria Nachtmann begibt er sich auf dünnes Eis - eine Zeit vor seiner eigenen Geburt, aber Lebensgeschichte vieler seiner Leser*innen. Er bleibt aber gewohnt trittsicher, kein Ausrutscher oder gar Einbruch. Erzählt wird eine spannende Lebensgeschichte im Jahr 1973. Das Jahr war meiner Ansicht nach der Höhepunkt der DDR Geschichte, bevor der erste Ölpreisschock den extrem vom russischen Öl abhängigen Staat tödlich traf. Aufnahme in die UNO, Aufgabe des Alleinvertretungsanspruchs der Bundesrepublik- wobei bis zum Ende jeder DDR Bürger sofort einen westdeutschen Pass erhielt. ( Das brauchte man wenn man Oma zum 70sten besuchen durfte und mal nach Frankreich oder Holland rüber wollte). Das Setting der Weltfestspiele der Jugend spielt in dem Roman deshalb auch eine zentrale Nebenrolle. Berlin ist zentraler Handlungspunkt, auch wenn uns Titus Müller mit in die Lausitz führt, zum gelben Elend in Bautzen. Der Leser wird in das Grenzregime eingeführt und erfährt wie damals die Grenze gesichert war. Auch über den Stand der Spionagetechnik hat der Autor akribisch recherchiert. So nebenbei wird dem jüngeren Leser auch die Affäre um Willy Brandts Spion und dessen Rücktritt nähergebracht. Auch Sportpolitik und die kleinen blauen Pillen spielen eine Rolle und es wird Einblick gegeben in eine Welt, in der der Einzelne nichts, der Sieg des Klassenkampfes alles war.


    Ich merke gerade, ich schwärme mich an den Fakten tot. Dabei gehört das Lob der wunderbar erzählten Geschichte, die alles enthält was ein guter Roman so braucht, Libe natürlich, ein Mutter- Tochter Konflikt, ganz viel Spannung, kein klassischer Who- dune- it, aber schon sehr wie ein Krimi und definitiv nicht kitschig. Titus Müller ist einfach ein großartiger Erzähler und egal ob er von München oder Basel im 14.Jahrhundert oder vom Angriff auf die Möhnetalsperre im zweiten Weltkrieg oder eben von Zeitgeschichte des Jahres 1973- jedes Buch von diesem Autor bereitet großes Lesevergnügen. Bleibt mir nur die Hoffnung dass Band 3 dieser ersten Reihe des Autors nicht im Spätsommer 2023 sondern rechtzeitig zur Buchmesse in Leipzig erscheint, dass man ihn dort dann live erleben kann.

  • 12 Jahre nach dem Bau der Mauer - 1973 Ost berlin.

    Ria ist damals in der DDR geblieben, arbeitet noch für Schalck , hat aber ihre Agentinnentätigkeit vor einigen Jahren beendet. Sie führt ein relativ angepaßtes Leben, hat Kontakt zu ihrer, mittlerweile jugendlichen, Tochter, der allerdings nicht so besonders gut ist.


    Dann versucht ihr Schwager die DDR zu verlassen und prompt ist wie wieder im Fokus der Stasi.


    Auf der westlichen Seite - Die Guillaume Affaire, die sich um Kanzler Brandt abspielt, in die Hähner involviert wird.




    Mir hat das Buch sehr gefallen, ich gestehe, sogar noch ein wenig besser, als der erste Band, den ich schon so gut fand.

    Hier ist dem Autoren noch mal eine Steigerung gelungen.


    Sehr gut die Charaktere, die sehr facettenreich sind, eben aus nicht nur aus einer Seite - wie gut und böse - bestehen.


    Gerade bei dem Schwager wird das sehr deutlich, der noch im ersten Band als stolzer DDR Bürger wirkte und nun in eine Verzweiflung geraten ist und sich in seiner alten Heimat so gar nicht mehr zu Hause fühlt.

    Die Tochter Annie - die eine Leistungssportlerin werden möchte und anfangs nichts hinterfragt, sich aber im Laufe des Buches wandelt.


    Ria natürlich, gerade bei ihr wird die Zerrissenheit deutlich, zwischen dem Leben in der DDR, der Sehnsucht nach der alten Liebe im Westen, die Verbundenheit zu ihrer Familie und Stefan Hähner, der ehemalige Mitarbeiter des BND, damals Rias Verbindungsmann.


    Das Kolorit der Zeit, besonders in Ostberlin wird wunderbar eingefangen, die Stasi - besonders deren perfide Methoden , der Sport, das Gefühl der Gefangenseins...

    All das wird so lebensecht beschrieben, daß man das Gefühl hat, dabei zu sein.


    Ebenso der Skandal um den Spion in Kanzlernähe, den ich als Kind ja indirekt erlebt habe, damals aber natürlich nicht verstanden habe, wird hier wunderbar eingebettet und hochinteressant erzählt.


    Die Gefühlswelt der Protagonisten kommt sehr gut zur Geltung. Sei es die des verzweifelten Schwagers, der fast schon fanatischen Stasi Mitarbeiterin oder der sich verantwortlich fühlende Ex-BNDler.


    Und so richtig spannend empfand ich die Spionagemethoden, die beschrieben wurden. Das war für mich schon fast krimimäßig und hat mir dadurch besonders gut gefallen.


    Nun heißt es warten, bis zum dritten Teil, auf den ich schon hochgespannt bin.



    Fazit

    Ein wunderbarer zweiter Teil der Spionagereihe, die in Ost und Westberlin spielt. Das Leben in der damaligen DDR, die Spionagemethoden der Stasi, des westdeutschen Geheimdienstes.

    Sehr gut dargestellte und vielschichtige Charaktere.

    Zusammengewoben zu einem hochspannenden und interessanten Roman, den ich nur wärmstens empfehlen kann

  • ASIN/ISBN: 3453441265


    Nachdem sich Ria Nachtmann entschieden hatte wegen ihrer Familie in der DDR zu bleiben, führt sie ein angepasstes Leben und versucht eine bessere Beziehung zu ihrer Tochter Annie zu bekommen, die sie seinerzeit in Pflege gegeben hat. Doch sie hat ihre große Liebe, den westdeutschen Journalisten Jens, nicht vergessen. Als Rias Schwager versucht Republikflucht zu begehen, wird Ria aus dem Urlaub zurückgeholt uns ins Stasigefängnis gebracht. Die Verhöre übersteht sie dank ihrer Schulung. Auch wenn sie nach einer Weile wieder freikommt, bleibt sie nicht unbeobachtet und sogar Annie wird auf Ria angesetzt. Derweil werden in Ost-Berlin Weltfestspiele der Jugend ausgetragen. Wird Ria Jens jemals wiedersehen oder wird die Stasi das zu verhindern wissen?


    Dies ist der zweite Band aus der Reihe „Die Spionin“ von Titus Müller. Wir können tief eintauchen in das Leben der DDR mit all den Einschränkungen, Überwachungen und des Misstrauens. Auch wenn es bekannt ist, mit welcher Willkür die Menschen behandelt wurden, so ist es doch immer wieder erschreckend darüber zu lesen.


    Ria musste als Kind miterleben, wie ihre Eltern von der Stasi abgeholt wurden. Ihre Zwillingsschwester Jolanthe und sie wurden getrennt und zu fremden Menschen gegeben. Doch Ria wollte ihre Schwester wiederfinden und nutzt die Möglichkeiten, die ihr Job bei Schalck ihr eröffnen und spioniert für den Bundesnachrichtendienst. Doch dann hat sie eine Entscheidung getroffen, die ihr nicht leichtgefallen ist. Doch nun hat man es auf sie abgesehen und wieder muss sie ihre Fähigkeiten abrufen. Aber nicht nur mit Ria habe ich gefühlt und gelitten, auch die perfide Art, wie Annie manipuliert wurde, fand ich furchtbar. Henning hadert so sehr mit dem System, dass auch Jolanthe und die Kinder ihn nicht aufhalten können. Er stirbt lieber, als weiter dem System zu dienen. Erschreckend war aber auch die Verbissenheit der Stasi-Mitarbeiterin, die sich auf Ria eingeschossen hat.


    Die Weltfestspiele der Jugend sollten die DDR gut aussehen lassen, doch unter den Teilnehmern waren überall als FDJ-ler verkleidete Stasi-Mitarbeiter, die aufpassten, dass alles in ihrem Sinne ablief. In Westdeutschland kommt bei den Sicherheitsdiensten der Verdacht auf, dass Günter Guillaume ein feindlicher Agent im Bundeskanzleramt sein könnte. Doch wie soll man das nachweisen?


    Es ist eine spannende, komplexe und sehr interessante Geschichte, die mir gut gefallen hat.


    Ich bin nun auf den nächsten Band gespannt. Leider dauert es bis dahin noch etwas.


    10/10

  • Ich kann mich den begeisterten Stimmen hier nur anschließen, auch mir hat dieser zweite Band um Ria Nachtmann sehr gut gefallen.

    Auch wenn zum ersten Band einiges an Zeit (und Büchern) vergangen ist und ich die Handlung nicht mehr wirklich präsent hatte, bin ich sehr gut und in die Geschichte reingekommen und die Erinnerung kam nach und nach zurück, von daher denke ich, dass sich das Buch auch gut lesen lässt, ohne den ersten Band zu kennen.


    Titus Müller gelingt es sehr gut, das Leben in der DDR lebendig werden zu lassen, die ständige Bespitzelung und das Misstrauen genauso wie die besondere Athmosphäre der Weltjugendspiele.


    Von mir gibt es ebenfalls volle Punktzahl


    10/10

  • Auch diesen 2. Band der Reihe rund um Ria Nachtmann habe ich sehr gerne gelesen. Dieses Mal spielt die Geschichte im Jahr 1973 und führt uns in das Ost-Berlin der damaligen Zeit.

    Besonders gefallen hat mir, wie Titus Müller es schafft, die Zeit mitten im Kalten Krieg aufleben zu lassen. Sehr plastisch und sehr gut recherchiert reichert er die Handlung mit entsprechenden Ereignissen der Zeitgeschichte an, z.B. die Weltjugendspiele, die 1973 in der DDR stattfanden, oder die Guillaume-Affäre.

    Der Leser erlebt, wie Ria sich weiterentwickelt hat, welche Wunden noch offen sind und ihr Handeln beeinflussen. Henning, Rias Schwager, erhält Raum in diesem Teil. Mit ihm konnte ich sehr mitfühlen.


    Titus Müller ist es wieder einmal gelungen, ein atmosphärisch dichtes Buch zu schreiben. Ich konnte mit den Figuren regelrecht mitleben, mit ihnen fühlen und denken. Dabei gelingt dem Autor, die Protagonisten mit Leben zu füllen und ihren Facettenreichtum zu zeigen, manchmal auch ihre Widersprüchlichkeit zu zeigen. Das finde ich sehr realistisch dargestellt und hat meine Lektüre bereichert. Der Schreibstil ist so lebendig und zugleich informativ, dass die Lektüre äußerst kurzweilig und spannend war.

    Lieber Titus Müller , vielen Dank, dass du die Leserunde so offen und lebendig begleitet hast. Ich freue mich schon auf den 3. Band.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Mehr als nur ein Spionageroman


    Buchmeinung zu Titus Müller – Das zweite Geheimnis


    „Das zweite Geheimnis“ ist ein Kriminalroman von Titus Müller, der 2022 im Heyne Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Band der Spionin-Trilogie.


    Zum Autor:

    Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, schreibt Romane und Sachbücher. Er ist Mitglied des PEN-Clubs und wurde u. a. mit dem C.-S.-Lewis-Preis, dem Sir-Walter-Scott-Preis und dem Homer-Preis ausgezeichnet. Seine große Spionin-Trilogie erzählt die Geschichte einer mutigen Frau – und drei Jahrzehnte deutsch-deutscher Geschichte.

    Klappentext:

    Zwölf Jahre nach dem Mauerbau führt Ria Nachtmann ein weitgehend angepasstes Leben in Ostberlin. Niemand würde vermuten, dass sie einst als Spionin für den Bundesnachrichtendienst aktiv war. Nur eines hat die Jahre überdauert: ihre Liebe zu Jens, einem westdeutschen Journalisten. Doch Verbindungen mit dem Klassenfeind sind streng verboten. Als Ria ein geheimes Treffen arrangiert, wird sie bereits beobachtet. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt ...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich sehr berührt, weil es deutsche Geschichte lebendig werden lässt. Die Hauptfigur Ria Nachtmann arbeitet für Dr. Schalck , den Devisenbeschaffer der DDR. Ihre Tochter Annie hat sie gleich nach der Geburt zu Pflegeeltern abgegeben und hat nur sehr wenig Kontakt zu ihr. Als ihr Schwager Henning Nowak bei einem Fluchtversuch als Grenzsoldat schwer verletzt wird, gerät sie in den Fokus der Staatssicherheit. Oberleutnant Marga Dierks setzt sich auf Rias Fährte und ist entschlossen, Ria zu überführen.

    Die Figuren Ria Nachtmann, Henning Nowak und Marga Dierks handeln jeweils in der Überzeugung, das Richtige zu tun. Meist wird die Geschichte aus einer dieser drei Perspektiven erzählt und durch die Gedankengänge dieser Figuren gewinnt die Geschichte an Authentizität. Historische Begebenheiten wie die Weltfestspiele der Jugend oder die Enttarnung des Spions Günter Guillaume im direkten Umfeld des Kanzlers Willy Brandt werden in die Handlung integriert. Ganz besonders gefallen hat mir die Figur Ria Nachtmann, deren Handeln mich immer wieder überraschen konnte. Gerade in Momenten der Gefahr läuft sie zur Höchstform auf. Mit aller Ruhe trifft sie unkonventionelle Entscheidungen und rettet Leben. Bei Henning Nowak hat mich sein unglaublicher Wille und sein Durchhaltevermögen beeindruckt. Marga Dierks, Rias Verfolgerin, ist zu allem entschlossen und einige psychopathische Züge lassen sie noch gefährlicher werden.

    Der Roman hat mich von Anfang bis Ende mitgenommen. Der Wechsel zwischen ruhigen Erzählsituationen mit Szenen aus dem normalen Leben und Szenen, in denen die Gefahr spürbar ist.


    Fazit:

    Diese Mischung aus Spionageroman, historischen Elementen und Beschreibung ganz alltäglicher Begebenheiten hat mich ungemein gefesselt. Deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3453441265

    :lesend James Lee Burke - Eine Zelle für Clete

    :lesend Titus Müller - Das zweite Geheimnis

    :lesend Dieter Heymann - Das Sterben auf Neuwerk

    :lesend Thomas Ziebula - Engel des Todes

  • 1973: Weltfestspiele der Jugend in Ost-Berlin, Willy Brandt fährt mit seinem Vertrauten Guillaume nach Norwegen, der Grenzsoldat Henning fühlt sich zudem unwohl in seinem Staat und Ria Nachtmann, Ex-Spionin und Sekretärin im Ministerium für Außenhandel der DDR fährt in den Urlaub nach Bulgarien, um ihren westdeutschen Geliebten zu treffen. Titus Müller nimmt uns auch diesmal wieder mit auf eine spannende Zeitreise und die Welt von Stasi und Spionage. Wie die kurze Zusammenfassung schon verrät gibt es eine Vielzahl von Themen, die im Buch eine Rolle spielen und so die Welt von 1973 auferstehen lassen.


    Es ist der 2. Band um Ria Nachtmann und neben den realen Gegebenheiten erfahren wir viel Neues von der fiktiven Ria und ihrer Familie. Etwas schade fand ich nur, dass Ria in diesem Band zugunsten ihres Schwagers Henning für mich zu sehr in den Hintergrund rutscht – ich hätte gern mehr über sie erfahren. Sehr schön herauslesen kann man aber, was das Leben in einem totalitären Überwachungsstaat mit Menschen wie Ria oder Henning macht und wie sie ihre Persönlichkeiten verschließen und verstecken mussten.


    Es fehlt nicht an nervenaufreibenden Szenen und Wendungen und so ist es ein sehr spannendes Buch. Dazu kommen die historischen Hintergrundinformationen, die die Bücher von Titus Müller auszeichnen und die auch hier sehr geschickt eingeflochten sind, wie z. B. die Guillaume-Affäre. Besonders gern mag ich die vielen kleinen stimmigen Details wie das passende Gastgeschenk für den russischen Ehrengast.


    Fazit: Ich hab das Buch gerne und mit großer Spannung gelesen, hätte aber gerne mehr über Ria und weniger über Henning erfahren. Deshalb von mir gute acht Eulenpunkte von zehn.

    "Alles vergeht. Wer klug ist, weiß das von Anfang an, und er bereut nichts." Olga Tokarczuk (übersetzt von Doreen Daume), Gesang der Fledermäuse, Kampa 2021

  • „Das zweite Geheimnis“ ist der zweite Band um Ria Nachtmann, die als DDR-Bürgerin für den Westen spioniert. Die Geschichte spielt diesmal im Jahr 1973, zur Zeit der 10. Weltjugendspiele, die in Ost-Berlin ausgetragen werden.


    Wie bereits im ersten Band, spielt die Spionagetätigkeit Rias eine große Rolle. Aber auch andere Themen wie zum Beispiel die vereitelte Republikflucht von Rias Schwager Henning nehmen viel Raum ein. Der Fokus liegt nicht primär auf der Informationsweitergabe durch Ria, sondern vielmehr auf dem damaligen Leben in der DDR, den Einschränkungen, mit denen sich nicht staatskonforme Bürger konfrontiert sahen. Aber auch das Zeitgeschehen in der BRD ist stark präsent, die Guillaume-Affäre wird ebenso beleuchtet wie die damit zusammenhängenden Vorgänge beim BND. Insgesamt dürfen wir Leser wieder einmal an einem sehr interessanten Stück Zeitgeschichte teilhaben.


    Titus Müller versteht es wie kein zweiter, Geschichte lebendig werden zu lassen. Der Roman ist faktenreich, aber zu keiner Zeit langweilig. Dazu kommt, dass das alltägliche Leben der handelnden Figuren absolut lebensnah geschildert wird. Man nimmt jedem und jeder die persönlichen Ängste, Sehnsüchte, kleinen Glücksmomente ab. Und zwar nicht nur den fiktiven Figuren, auch den historisch verbürgten; auch hochrangige Staatsmänner wie Brandt oder Honecker werden nahbar, weil ihnen Gedanken und Gefühle gegeben werden, die über pure sachbezogene Nachrichten hinausgehen.


    Gerade diese inneren Einsichten in die Gefühls- und Gedankenwelt eines jeden machen diesen Roman zu einem echten Leseerlebnis. Es sind nicht bloß die harten Fakten, es sind die Menschen, die im Vordergrund stehen, mit denen man mitleiden oder über die man schimpfen kann. Dabei ist keiner schwarz-weiß gezeichnet, sondern so facettenreich wie das wahre Leben.


    Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen und vielleicht sogar das ein oder andere dazu gelernt. Auf Band 3 dieser Trilogie freue ich mich schon jetzt. Sehr.

    Für dieses wunderbare Lesevergnügen gebe ich gerne 9 Eulenpunkte.