Der Zopf - Laetitia Colombani

  • Zunächst noch einmal vielen Dank an Buchdoktor , dass ich diesen Roman als Wanderbuch lesen durfte.


    Auch mir hat der Roman sehr gefallen, und ja, ich werde ihn mir auch selber kaufen... :lache


    Drei Frauen erleben dramatische Wendepunkte in ihrem Leben, müssen schwere Entscheidungen treffen, deren Ausgang nicht absehbar ist. "Verknüpft" sind ihre Schicksale durch das Haar, das die eine opfert, die nächste verarbeitet und die dritte als Perücke trägt. Die Frauen lernen sich nicht kennen, weisen aber verblüffende Gemeinsamkeiten in ihrem Kampfeswillen für das Wohl ihrer Kinder / Familien auf. Die Opferbereitschaft von Smita hat mich sehr bewegt, den Mut von Giulia und die Kraft von Sarah fand ich höchst beeindruckend. Und: Ich trete zwar nicht für eine Happy-End-Pflicht in Romanen ein, aber ich finde es dennoch schön, wenn Bücher mit einem kräftigen Hoffnungsschimmer schließen. In diesem Roman begleitet man die Protagonistinnen durch tiefste Täler, aber man bleibt am Ende nicht darin stecken. Ich habe das Buch mit Tränen in den Augen, aber einem breiten Lächeln im Gesicht und im Herzen zugeklappt.


    Von mir gibt es 10 Punkte.

  • Smita, die junge Mutter einer kleinen Tochter, lebt im Norden Indiens. Sie ist eine Dalit-Frau, eine Unberührbare, die die Exkremente anderer Leute einsammeln muss. Die 20-jährige Giulia Lanfredi dagegen arbeitet in einer Manufaktur in Italien. Der Familienbetrieb, der eigentlich von ihrem Vater Pietro geleitet wird, ist die letzte Perückenfabrik Palermos. Sarah Cohen, eine 40-jährige Mutter von drei Kindern, ist in Montreal als Anwältin sehr erfolgreich. Das Leben der drei Frauen könnte kaum unterschiedlicher sein. Und doch gibt es etwas, das sie verbindet.


    „Der Zopf“ ist der beeindruckende Debütroman von Laetitia Colombani.


    Meine Meinung:

    Geschildert wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Smita, Giulia und Sarah. Ein Prolog und ein Epilog umschließen die Handlung. Diesen Aufbau finde ich äußerst gelungen.


    Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Sprache ist klar, aber schafft es, viele Bilder hervorzurufen. Der Erzählton ist liebevoll und warmherzig.


    Die Grundidee, drei ungewöhnliche Geschichten in einem Roman wie zu einem Zopf zu verflechten, hat mir äußerst gut gefallen. Sie ist auf überzeugende Weise umgesetzt. Ich bin – auch aufgrund der Verkaufserfolge im Ausland – mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen und wurde nicht enttäuscht. Ab der ersten Seite konnte mich der Roman fesseln und berühren.


    Die drei Hauptprotagonistinnen waren mir schnell sympathisch, vor allem Smita und Giulia. Die Frauen und ihre Entwicklung wirken authentisch. Ihre Schicksale konnten mich sehr bewegen und regen zum Nachdenken an. Sie lassen den Roman zu einer emotionalen, ergreifenden Lektüre werden.


    Die Handlung ist schlüssig und glaubwürdig. Die Krisen, die die drei Charaktere zu bewältigen haben, machen das Buch kurzweilig und spannend. Thematisch bietet die Geschichte viele Facetten. Obwohl bald deutlich wird, auf was das Ganze hinausläuft, habe ich mich beim Lesen zu keiner Zeit gelangweilt. Ein Pluspunkt ist auch, dass der Roman nicht nur traurig und berührend ist, sondern auch humorvolle Elemente beinhaltet.


    Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ist das Buch ein echtes Highlight. Die gebundene Ausgabe mit einem Lesebändchen ist hochwertig gestaltet. Das Cover finde ich nicht nur thematisch passend, sondern auch wunderhübsch anzuschauen. Der Titel ist treffend formuliert.


    Mein Fazit:

    „Der Zopf“ von Laetitia Colombani ist eine gleichsam kreative wie berührende Lektüre. Den Roman kann ich schon jetzt zu den Lieblingsbüchern in diesem Jahr zählen. Ich kann ihn wärmstens empfehlen. Die geplante Verfilmung werde ich mir auf jeden Fall ansehen.


    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  • Auch ich möchte mich zuerst bei Buchdoktor bedanken, dass ich dieses Buch als Wanderbuch lesen durfte.


    Von mir gibt es eine Leseempfehlung – aber bitte den Klappentext nicht vorher lesen!


    In „Der Zopf“ werden die Geschichten von drei Frauen aus Italien, Indien und Kanada erzählt. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein: Giulia ist Tochter des Besitzers der letzten sizilianischen Perückenmanufaktur, Smita wühlt als Mitglied der untersten Gesellschaftsschicht mit ihrer Familie im wahrsten Sinne des Wortes tagtäglich im Dreck und Sarah ist erfolgreiche Powerfrau und Topanwältin. Ihre Charaktereigenschaften verbinden die Frauen jedoch, sie sind alle auf positive Weise starrsinnig, stark und selbstbewusst und versuchen, mit den ihnen auferlegten Regeln zu brechen und die Schicksalsschläge, die sie erleiden, zu überstehen.


    Doch nicht nur das verbindet die Frauen, sondern noch etwas anderes, was dem Leser zwar nach circa zwei Dritteln des Buches vermutlich schon klar ist, aber dennoch eine geniale Idee der Autorin ist und das Buch zusätzlich lesenswert macht. Neben „normalen“, alltäglichen Problemen werden in dem Buch auch gesellschaftskritisch die Zustände in Indien beschrieben, bei denen man sich gar nicht vorstellen möchte, dass es die bittere Realität ist. Doch auch andere wichtige Themen finden ihren Platz, so dass das Buch einen nachdrücklichen Eindruck hinterlässt und man sich nur schwer von der Geschichte distanzieren kann und möchte. Dies mag alles klingen, als wäre das Buch sehr tragisch. Natürlich gibt es diese Elemente, aber es hat auch viel Kraft, Hoffnung und Freude. Kurzum: alles, was man sich wünscht in einem Buch.


    Während man das Buch liest, fühlt man sich sofort mit jeder der drei Frauen verbunden. Die Autorin schafft es, dass die gesamte Gefühlswelt dem Leser offenbart wird. Jeder Schicksalsschlag trifft den Leser ebenso ins Herz, wie jeder Triumph der Charaktere Freude auslöst. Auch wenn das Buch nicht sonderlich dick ist, so hat es doch alles, was ich mir von einem Roman erhoffe und kann deswegen eine Leseempfehlung aussprechen.


    Doch was mich enorm gestört hat, ist, dass hier wieder einmal ein Klappentext vorliegt, der eigentlich alles vorweg nimmt, was man an dem Buch faszinierend finden kann. Ich persönlich habe ihn gar nicht aufmerksam gelesen, sondern habe mich von einer Leseprobe faszinieren lassen. Darüber bin ich jetzt sehr froh, denn so hatte das Buch eine gewisse Restspannung, auch wenn man selbst ohne Klappentext erahnen konnte, in welche Richtung das Ganze gehen würde. Ich finde es unglaublich frustrierend, wenn gerade bei einem so kurzen 288seitigen Buch, für das man 20 Euro als Hardcover zahlen soll, doch schon so viel verraten wird – da hat sich der Verlag einfach meiner Meinung nach nicht genug Mühe gegeben, denn es wäre sicher möglich, diese Verwicklungen einfach anzudeuten und nicht schon fast explizit zu erklären. Diesen Kritikpunkt möchte ich (auch wenn er mich nicht betroffen hat und ich es quasi erst nach dem Lesen bemerkt habe), nicht unter den Tisch kehren und muss deswegen Punkte abziehen.


    Ich vergebe deswegen 8 von 10 Eulenpunkten!

  • Die Schlagworte des Klappentextes erweckten sofort meine Neugierde:

    Drei Frauen, drei Leben auf drei Kontinenten. Da ich sehr gerne über Frauen in anderen Kulturen lese, habe ich das Angebot von Buchdoktor sehr gerne angenommen und das Buch als WB gelesen.



    In ihrem Debütroman nimmt die Autorin ihre Leser mit nach Indien zu Smita, die dort in ärmlichsten Verhältnissen lebt, aber unbedingt will, daß ihre kleine Tochter schreiben und lesen lernt. Dafür will sie mit allen Mitteln kämpfen.


    Dann folgen wir Giulia auf Sizilien. Ihr Vater wurde ins Krankenhaus eingeliefert und niemand weiß, ob er jemals wieder gesund wird. Deshalb muß Giulia von einem Tag auf den anderen die schwierige Aufgabe übernehmen und die Perückenfabrik leiten und durch innovative Ideen vor dem Ruin bewahren.


    Zum anderen lernt der Leser Sarah in Kanada kennen. Die toughe Anwältin ist bereits Partnerin in einer großen Kanzlei, hat drei Kinder, die von Magic Ron betreut werden und deren Leben durch die Krebsdiagnose plötzlich in Frage gestellt wird.


    Abwechselnd wird die Geschichte in sehr kurzen Kapiteln dieser drei mutigen Frauen erzählt. Zuerst werden sie dem Leser mit ihrer jeweiligen Lebenssituation vorgestellt, dann kommen das pure Leben und ihr persönlicher Kampf hinzu, am Ende wird die Story – auch aus der Sicht ihrer Haare - wie in einem Zopf zusammen verflochten. Deshalb ist der Titel des Buches absolut treffend und könnte nicht besser gewählt sein.


    Die Autorin hat für mich einen berührenden Roman um drei starke Frauen geschrieben. Ein Highlight, das ich gerne weiter empfehlen werde!

  • Meine Meinung zum Buch:



    Titel: Die Stärke der Frauen...



    Auf diesen Roman bin ich durch seinen ungewöhnlichen Titel und seine hübsche Aufmachung gestoßen. Nie konnte ich erahnen, was mich erwartet.



    In der Geschichte geht es um drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In Indien lebt Smita, die für andere Exkremente wegschafft und ein besseres Leben für ihre Tochter wünscht. In Italien lebt Giulia, die das Familienunternehmen retten muss: eine Perückenfabrik. Und in Kanda lebt die erfolgreiche Anwältin Sarah, deren Leben sich drastisch verändert als sie schwer erkrankt. Werden die Frauen ihr Schicksal trotz schwerer Prüfungen meistern können?



    Die Geschehnisse um alle drei Frauen werden dem Leser über einen beobachtenden Erzähler nahe gebracht. Anfänglich hat mich die Handlung um Giulia am meisten begeistern können, aber mit der Zeit wird immer deutlicher, dass alle drei Frauen so willens- und charakterstark sind, dass man einfach alle drei lieben muss und ihr doch sehr unterschiedliches Leben gern verfolgt.



    Obwohl alle Drei finanziell sehr unterschiedlich situiert sind, hat jede von ihnen ihr Päckchen zu tragen und jedes Schicksal ist für sich berührend, denn weder möchte man wegen einer Krankheit noch wegen seines Standes ausgegrenzt werden. Der Roman macht sehr deutlich, dass Frauen auch in der heutigen Zeit noch mehr kämpfen müssen als Männer es je mussten.



    Die Autorin schreibt sehr fesselnd, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Die eingestreuten Verse zum Entstehen einer Perücke ließen einen beim Lesen kurz innehalten und nachdenklich werden.



    Haare sind gerade in der westlichen Welt für Frauen ein großes Thema, denn nur wer jung und verführerisch aussieht, geht seinen Weg einfacher als andere Frauen. Dies wird im Buch sehr gut aufgegriffen, denn es zeigt wie sehr sich die Wahrnehmung zum eigenen Ich und durch andere verändert, ob man nun langes Haar trägt oder nicht, denn langes, gesundes Haar steht nach wie vor für Weiblichkeit.



    Besonders berührt hat mich wie eine Krankheit wie Krebs dazu führen kann, dass man anders wahrgenommen wird. Kein Mensch sucht sich eine Krankheit selbst aus, um dann weniger leistungsfähig zu sein. Leider habe ich diese Erfahrung im eigenen beruflichen Umfeld bereits machen können und ich spreche mich nicht davon frei ähnliche Gedanken wie Ines gehegt zu haben, wenn man sieht wie Kolleginnen wegen Krankheit oder Schwangerschaft ausscheiden.



    Das positiv anklingende Ende hat mich sehr optimistisch gestimmt, dass für alle, insbesondere für Frauen, nach einem Unglück auch irgendwann wieder das Glück auf einen wartet, man darf eben nur nicht aufgeben.



    Ein Roman, der sehr nachdenklich stimmt. Bisher hatte ich mir noch keinerlei Gedanken darüber gemacht, wo Haare für Perücken und Extensions herkommen. Jetzt sieht das etwas anders aus und wie im Buch beschrieben, sollte die jeweilige Trägerin die geopferten Haare mit Stolz tragen.



    Fazit: Für mich eine echte Entdeckung. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Klasse Lektüre, die lange nachklingt.



    Bewertung: 10/ 10 Eulenpunkten

  • Auch ich durfte dieses Buch als Wanderbuch von Buchdoktor lesen und möchte mich dafür noch mal ganz herzlich Bedanken.:bluemchen


    Das Buch handeln von drei sehr unterschiedlichen Frauen in drei verschiedenen Ländern. Auf den ersten Blick scheinen die drei Frauen nichts gemeinsam zu haben. Was sie allerdings verbindet, ist ihre jeweilige Stärke, ihr Mut und ihre Kraft. Und dann natürlich noch das Thema Haare, dass für jede von ihnen eine ganz eigene Bedeutung hat.

    Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Es lässt sich sehr schnell und flüssig lesen. Da es in drei Handlungsstränge aufgeteilt ist, erfährt der Leser immer abwechselnd die Geschichte der drei Frauen. Die Kapitel sind eher kurz und dadurch bleibt das Buch sehr abwechslungsreich und auch sehr spannend.

    Das Buch hat mich beim Lesen sehr berührt und ich fühlte mich mit jeder der drei Frauen und ihrem Schicksal emotional verbunden.

    Obwohl es sehr traurige Szenen in dem Roman gibt, ist es insgesamt ein Buch, was einem Mut macht und mich mit einem Lächeln im Gesicht zurückgelassen hat.

    Dieses Debüt-Buch der französischen Autorin ist relativ dünn, hat mich aber sehr beeindruckt und auch optimistisch gestimmt.

    Und auch das Cover des Buches, mit den schönen Farben,finde ich mehr als gelungen und perfekt passend zum Inhalt.

    Ich bewerte das Buch mit 9 Eulenpunkten.

  • Ein echtes Highlight.


    Geschickt verknüpft die Autorin die Geschichte dreier Frauen, die unterschiedlicher nicht leben könnten. Indien, Kanada, Sizilien, dort leben Smita, Sarah und Gulia. Gefangen in den Traditionen und Erwartungen der Gesellschaft leben sie ihr Leben, bis ein Ereignis sie wach rüttelt und sie sich davon befreien.


    Gestört haben mich vor allem die Fehler an 3 Stellen, die erste hab ich mir nicht notiert aber die andern sind Seite 156 und 236. Bei einem Leseexemplar ist es vielleicht zu vernachlässigen, ich hoffe jedoch, dass das noch korrigiert wurde.


    Da ich Klappentexte generell nicht vorher lese hatte ich jetzt kein Problem damit. Auch so fand ich die Geschichten schon eindringlich geschildert und flüssig geschrieben.

    Smitas Geschichte hat mich allerdings am meisten erschüttert. Indiens Frauen und Mädchen und die dortige Gesellschaft haben noch viel zu tun. Kein Wunder man liest ständig über die Vergewaltigung von Mädchen und Frauen dort. Das Kastensystem ist ja voller Ungerechtigkeiten und frauenfeindlicher als der Islam.


    Danke Buchdoktor, dass ich das schöne Buch lesen durfte.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

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  • Auch ich konnte das Buch von Buchdoktor lesen. Vielen lieben Dank nochmals dafür.


    Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden ausgelesen und möchte hier nicht zum gefühlten tausendsten Mal was zum Inhalt wiedergeben.


    Ehrlich gesagt wusste ich, nachdem man die drei Personen kennengelernt hat, was hier mit wem passiert. Ich habe das Buch dennoch mit Freude gelesen und finde auch das "offene" Ende eine sehr gute Wahl. Jedoch muss ich gestehen, dass es mich nicht zu 100% überzeugen konnte. Wahrscheinlich lag es wirklich daran, dass ich sehr zeitig die Zusammenhänge erkannt habe und dann nur wenig Spannung für mich aufkam.


    Für einen Erstling ist dieses Buch dennoch sehr gelungen und der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen. Es wird das Interesse an fremden Kulturen geweckt, an der Kastenpolitik und

    Ich vergebe für das Buch 7 Punkte.

  • Nachdem ich neulich erst einen Bericht sah, in dem Frauen in den USA mit Krebs für ihre Chemo nicht einmal krank geschrieben werden, sie machen das quasi in der Mittagspause, hat das Buch noch mehr an Aktualität gewonnen. Da muss ich sagen, es geht uns hier doch noch ganz gut.

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  • Es ist einfach kein Thema mehr, was mich jetzt dazu veranlasst nachzulesen oder nachzuforschen. Ich habe es einfach ein wenig über. Wie geschrieben, das Buch hat einen super Schreibstil, welchen man flüssig lesen kann. Nur das eine Thema hat mich jetzt eben nicht vom Hocker gerissen und ich habe zu schnell erkannt, wie die drei Frauen miteinander "verbunden" sind.


    Die Realität darf sehr gern in Büchern vorkommen, man soll sich ja nicht verschließen, aber ich habe das Thema einfach über. Ich werde zu oft in meinem Umfeld damit konfrontiert.

  • Mutige Frauen


    Der Zopf, Roman von Laetitia Colombani, 288 Seiten, erschienen bei S. Fischer.
    Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – ein Zopf.
    Dies hier ist die Geschichte von drei Frauen die unterschiedlicher kaum sein können. Smita in Indien als Abschaum der Menschheit geboren, versucht mit allen Mitteln ihrer Tochter Lalita ein besseres Leben zu ermöglichen. Giulia die Italienerin versucht nach dem Tod ihres Vaters das Familienunternehmen zu retten, schließlich Sarah aus Kanada, eine erfolgreiche Anwältin erfährt von ihrer schweren Erkrankung. Drei Schicksale, die auf den ersten Blick völlig unterschiedlich sind und sich am Ende doch zu einem kunstvoll geflochtenen Zopf verbinden.
    Die Handlung des Buches wird durch Prolog und Epilog zusammengefügt. Der Plot gliedert sich in drei Erzählstränge, jeder Strang - die Geschichte einer starken Frau. Die einzelnen Kapitel sind mit dem fettgedruckten Namen der jeweiligen Protagonistin und dem Ort der Handlung überschrieben, das erleichtert dem Leser die Orientierung. Zwischen den Kapiteln sind Gedichte, passend zur Erzählung, in kursiver Schrift eingefügt. Auch fremdländische Wörter und Ausdrücke sind kursiv hervorgehoben. Für den interessierten Leser sind die Quellenangaben am Ende abgedruckt. Laetitia Colombiani hat als Erzählstil die auktoriale Weise gewählt. Trotz spärlicher Dialoge handelt es sich hier um ein äußerst lebendiges Werk, die Autorin besticht durch ihren lebhaften und bildmalerischen Erzählstil, ich konnte mir das Setting sowie die beteiligten Personen hervorragend vorstellen, zu jeder Zeit konnte ich der Handlung folgen und die Charaktere handelten stets plausibel und nachvollziehbar.
    Das vorliegende Werk hat mich in seiner spannungsgeladenen emotionalen Dramatik unglaublich beeindruckt. Eine hervorragende Idee und mit genialem, bildhaftem Schreibstil perfekt ausgeführt. Ich habe zu Lesen begonnen und das Buch erst aus der Hand gelegt, als es fertig gelesen war. Die Schicksale der Hauptpersonen haben mich bis ins tiefste Herz berührt. Smita, die Inderin war mein Lieblingscharakter, als „Dalit“, also Unberührbare geboren und somit außerhalb jeder Kaste. Jenseits von allem, unwürdiger Abschaum der Menschheit, sie muss die Fäkalien der kastenzugehörigen Inder mit bloßen Händen beseitigen, da es in Indien keine Toiletten gibt. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt sie in einer Hütte, die Familie ernährt sich von Ratten die ihr Mann auf den Feldern der Jats fängt. Dieses würdelose Leben will sie ihrer Tochter Lalita ersparen deshalb, soll diese Lesen und Schreiben lernen. Eines Tages nimmt sie ihre Tochter und macht sich auf den Weg in ein besseres Leben. Giulia aus Palermo ist die Tochter des Perückenmanufakturbesitzers Lanfredi. Als ihr Vater einen schweren Unfall erleidet, muss sie feststellen, dass die Firma vor dem Ruin steht. Um die Frauen, die in der Manufaktur arbeiten und ihre Mutter und Schwestern zu retten, muss sie handeln. Die dritte im Bunde ist die kanadische Anwältin Sarah, Mutter von drei Kindern, zweimal geschieden, Partnerin in einer renommieren Anwaltskanzlei in Montreal. Eine Kriegerin, eine Powerfrau für die immer ihre berufliche Kariere vor Ehe und Kindern kam. Dann erfährt sie plötzlich, dass sie sehr schwer krank ist und sie beginnt zu kämpfen. Oberflächlich betrachtet, haben diese drei Frauenschicksale nichts miteinander zu tun, doch wie bei einem Zopf fügt sich das ganze am Schluss gekonnt zu einem kunstvollen Ganzen. Wie passend dieser Titel! Dazu ein wunderschönes Cover! Meine uneingeschränkte Leseempfehlung und volle Punktzahl.

  • Wir begleiten in diesem Buch drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so vieles gemein haben.


    Smita gehört zu den Unberührbaren, die Indien für die niedrigsten Arbeiten zuständig sind. Ihre Aufgabe, die Exkremente anderer zu entsorgen will sie nicht an ihre Tochter Lalita weitergeben. Daher tut sie alles um Lalita dieses Schicksal zu ersparen.


    Giulia arbeitet bei ihrem Vater in seiner Perückenfabrik. Als er einen schweren Unfall hat, muss sie auf sich alleine gestellt Entscheidungen treffen, die das Fortbestehen der Firma sichern.


    Sarah arbeitet als Anwältin und Teilhaberin einer Anwaltskanzlei. Als sie erkrankt wird ihr schnell klar, dass sie als Mensch in dieser Kanzlei nur etwas wert ist, wenn sie hundertprozentig zur Verfügung steht.


    Mir haben die drei Teile gleichermassen gefallen, auch wenn ich Sarah auf Grund ihrer Einstellung zur Arbeit manchmal hätte treten mögen.

    Alle drei Frauen haben schwer mit den Erwartungen ihrer Umwelt zu kämpfen. Giulia vielleicht noch am wenigsten, aber Smita und Sarah trifft es deutlich härter.


    Das Buch lies sich unglaublich flüssig lesen, ich hatte kaum angefangen, da hatte ich auch schon die Hälfte inhaliert. Durch die kurzen Kapitel, die abwechselnd immer eine der Frauen begleitet und gerne auch mal mit einem Mini-Cliffhanger endeten, wollte ich immer wissen, wie es denn nun weitergeht.


    Am Ende zeichnet sich dann auch ab, warum dieses Buch der Zopf heisst und wie die drei Schicksale zusammenhängen.


    Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, es liess sich toll lesen und die Beschreibungen der einzelnen Situationen waren zu Herzen gehend. Ich habe mit allen dreien mitgefiebert, ob sie es schaffen das Beste aus ihrer Situation zu machen.


    Von mir eine volle Leseempfehlung für dieses berührende Buch.


    9 von 10 Punkte

  • Bisher hatte ich noch keinen Favoriten in diesem Lesejahr 2018, aber dieser Roman hat mich tief beeindruckt. Es war eines der Bücher, das mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat!

    In „der Zopf" von Laetitia Colombani geht es um drei bittere Frauenschicksale die einen erschüttern. Aber auch zugleich Hoffnung geben, dass jeder ein Recht hat Teil der Gesellschaft zu sein und wenn man die Kraft aufbringt, sich ein hoher Einsatz lohnen kann für die eigene Würde.

    Konkret geht es um eine Dahlit, eine Unberührbare, in Indien, die ihrer Tochter ein besseres Leben ermöglichen will, eine Italienerin, die sich familiären Zwängen unterordnen soll und eine alleinerziehende kanadische Staranwältin, die einen herben Lebensdämpfer erfährt.

    Alle drei Stränge werden parallel erzählt und münden nur ganz zum Schluss in einer lockeren Verbindung.

    Es wirkt so aufgezählt etwas abgedroschen, aber durch die poetische, fast märchenhaft erzählte Sprache, ist der Text sehr gelungen. Der Roman hat keine Längen, auch sehr kurzweilig durch den häufigen Wechsel der Person an so unterschiedlichen Orten. Man erfährt sofort die innersten Tiefen der Protagonistinnen ohne Schnörkel. Auch das schätze, kein Lamentieren und keine Schicksalstränen. Poetisch und zugleich fast sachlich.


    Diese französische Autorin behalte ich definitiv im Auge. Allen Liebhabern des Französischen, ihr solltet es sicherlich im Original lesen!


    Fazit: Wer gerne seinen Blickwinkel verändert und seine Probleme relativieren will, sollte dieses Buch lesen. Genauso aber alle die gerne gute Literatur zur Hand nehmen!

  • Inhalt:

    Dieses Buch handelt von 3 unterschiedlichen Frauen, die auf dem ersten Blick nichts miteinander gemein haben. 1. Die 20-jährige Guiilla aus Sizilien, die Tochter eines Perückenmanufakturanten. 2. Die 40-jährige Sarah, eine erfolgreiche Anwältin und Partnerin einer Kanzlei in Toronto. Sie hat 3 Kinder und versucht das Familienleben mit ihrem Beruf in Einklang zu bringen, bis eine Krebserkrankung ihr Leben durcheinander bringt 3. Die Inderin Smith, angehörige der untersten Kaste, die dafür kämpft, dass ihre Tochter ein besseres Leben als sie und ihr Mann führen kann.

    Meine Meinung:

    Ich habe mich beim Lesen gefragt, was diese 3 Frauen wohl miteinander verbindet, leben sie doch in unterschiedlichen Teilen der Welt und ihre Lebensumstände könnten sich unterschiedlicher sein.

    Mich hat die Sprache beeindruckt, die die Geschichte dieser Frauen erzählt und mich total gefangen genommen hat. 3 starke Frauen, jede auf ihre Art, die eine spannende Lebensgeschichte haben. Die Frauen werden sehr gut beschrieben und konnte mir von allen ein gutes Bild machen. Jede Geschichte ist auf ihre Art mitreissend, aber ich konnte die Frage nicht ganz vergessen, was verbindet diese Frauen…?

    Sie verbindet etwas und zeigt dieses Buch, wie eng die Schicksale so unterschiedlicher Frauen miteinander verbunden sein können.

    Ein absolut lesenswertes, ungewöhnlich schönes Buch.

  • Das Buch "Der Zopf von Laetitia Colombani" besticht gleich durch die Schönheit des Covers, der Zopf, die Farben und dann noch das Lesebändchen. Erzählt werden abwechselnd 3 Frauenschicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch haben sie ein gemeinsames Thema - Haare.


    Taff sind sie alle drei. Die Inderin Smita, die mit ihrer Tochter fernab ihrer Heimat ein neues Leben beginnen will, die italienische Unternehmertochter Giulia, die im Betrieb ihres Vaters arbeitet und die Karriere-Anwältin Sarah aus Kanada. Alle drei Lebenswege laufen nicht geradlinig, alle kämpfen sich irgendwie durch. Wenn auch teilweise vorhersehbar und mit Klischees behaftet, so hat es mich trotzdem hin und wieder berührt. Als literarisches Highlight geht es bei mir nicht durch, aber ich habe es doch sehr gerne gelesen.


    Ein Buch für die Seele und wie ich finde eher für Frauen. Für dieses angenehme Lesevergnügen vergebe ich 8 Punkte.

  • Dieses Buch ist für mich mal wieder ein Beispiel, wie wenig eigentlich ein Klappentext über ein Buch aussagen kann. Nachdem ich gelesen hatte, worum es in "Der Zopf“ von Laetitia Colombani geht, dachte ich, das sei wieder so ein üblicher, belangloser Frauenroman (wenigstens mit einem sehr gelungenem Cover). Erst nachdem sich die Buchempfehlungen häuften, habe ich dann doch zugegriffen und bemerkt, dass mir beinahe ein wunderbarer Roman entgangen wäre.


    Sollte ich jetzt Klappentext oder Kurzbeschreibung verfassen müssen, so könnte ich es auch nicht anders schreiben, als derjenige, der das für den Verlag getan hat, denn hier würde jedes Wort mehr zu viel verraten.


    Es geht um drei Frauen, deren Leben sich komplett voneinander unterscheidet. Smita lebt in Indien, ist eine Unantastbare, steht also ganz unten im Kastensystem und muss mit bloßen Händen die Klärgruben der höher gestellten Dorfbewohner leeren. Sie möchte, dass es ihre Tochter einmal besser im Leben hat und beschließt, etwas zu unternehmen, für das sie mit dem Tod bestraft werden könnte.


    Giulia lebt in Italien und arbeitet in der Perückenfabrik ihres Vaters. Ihre heile Welt bekommt Risse, als ihr Vater verunglückt und ins Koma fällt. Nun ist es an ihr, die Verantwortung für die Familie und die Arbeiterinnen in der Fabrik zu übernehmen und auch sie muss eine Entscheidung treffen, die existenziell ist.


    Sarah aus Montreal ist eine erfolgreiche Anwältin und alleinerziehende Mutter, die es geschafft hat. Sie hat sich in einer Kanzlei bis fast nach ganz oben gearbeitet und steht kurz vor dem letzten Schritt, der Krönung ihrer Karriere, da droht eine Erkrankung alles zunichte zumachen. Und auch in diesem Fall geht es um eine wichtige Entscheidung, die getroffen werden muss.


    Zuerst versteht man nicht, was diese drei Frauenleben miteinander zu tun haben, doch das ist anfangs auch unwichtig, denn man erfährt so viel Interessantes über das Leben der Frauen, dass man sich die Frage nicht stellt. Besonders das Leben in Indien, die Beschreibung, was es bedeutet, im Kastensystem ganz unten zu sein, ist erschreckend. Aber auch die Lebensumfelder von Giulia und Sarah werden so lebendig geschildert, dass es niemals langweilig wird. Man bemerkt, wie sie alle drei, trotz ihrer Unterschiedlichkeiten, Gefangene sind. Gefangen in Traditionen, Ansprüchen von anderen oder den eigenen Erwartungen und dass sie alle nur ausbrechen können, wenn sie anders handeln, als es von ihnen erwartet wird.


    Ich wäre gern noch viel länger bei den Frauen geblieben, hätte zu gern erfahren, wie es für sie weitergeht, doch – und das muss man sagen, ohne zu viel zu verraten: am Ende passt alles perfekt zusammen. Genau zum richtigen Zeitpunkt verlässt Laetitia Colombani ihre Figuren, nicht ohne ihre Geschichten, wie schon in der Buchbeschreibung zu finden, kunstvoll zusammenzuflechten.

    Ein wunderbarer und sehr lesenswerter kleiner Roman, der niemals belanglos daher kommt und den ich schon jetzt zu meinen Lesehighlights 2018 zähle.