Oliver Pötzsch - Der Spielmann

  • Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …


    Autor (Quelle: amazon)

    Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der "Henkerstochter"-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 21. September 2018 als HC mit 784 Seiten bei List, erster Band um Johann Georg Faustus
    Gliederung: Prolog - Fünf Akte mit insgesamt 30 Kapiteln – Epilog – Autorennachwort – Reiseführer auf Fausts Spuren – Faust für Klugschwätzer (Zitate)

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive des Protagonisten

    Handlungsort und -zeit: Verschiedene Orte in Mitteleuropa, 1486 bis 1513


    Inhalt

    Johann Georg „Faustus“ ist bereits als Achtjähriger von den Gauklertruppen fasziniert, die in seiner Heimatstadt Knittlingen auftreten. Jahre später, nach dem Tod seiner geliebten Mutter, kehrt Johann seiner Familie, in der er immer ein ungeliebter Außenseiter war, den Rücken und reist mit dem Gaukler und Magier Tonio del Moravia durch das Land. Von seinem Lehrmeister lernt Johann viele Gauklerkunststücke und Zaubertricks, jedoch hat er schon bald das Gefühl, dass dieser eine dunkle Seite verbirgt und mit ihm unheimliche Pläne hat. Nach einem traumatisierenden Erlebnis gelingt es Johann zunächst, den unheimlichen Mann abzuschütteln, bei einer Gauklertruppe unterzukommen und sich nach einiger Zeit als umherziehender „Zauberkünstler“ selbstständig zu machen. Sein Weg führt ihn kreuz und quer durch das Heilige Römische Reich; an der Universität Heidelberg bekommt er die Gelegenheit, sein Wissen zu vertiefen und einen Magister- und Doktortitel zu erwerben. Doch wohin es Johann auch verschlägt, sein einstiger Lehrmeister Tonio ist ihm auf den Fersen, denn er hat mit seinem ehemaligen Schüler finstere Pläne…


    Beurteilung

    In seinem Roman „Der Spielmann“ greift Oliver Pötzsch die Geschichte des Johann Georg Faust(us) auf, die ihn nach eigener Aussage im Nachwort schon seit seiner Kindheit beschäftigt. Über den historischen Faust, bzw. dessen Lebenslauf gibt es keine lückenlosen Quellen, aber der Autor gestaltet die Lebensgeschichte seiner Protagonisten sehr ideenreich, fesselnd und anschaulich fiktiv aus.

    Dabei charakterisiert er seine Hauptfigur ausgesprochen detailliert und glaubwürdig mit guten und weniger guten Eigenschaften und macht ihn zu einem Menschen aus Fleisch und Blut. Auch den anderen Figuren in Johanns Umfeld verleiht er ausgeprägte Persönlichkeiten, lediglich der Magier Tonio del Moravia wirkt gelegentlich ein wenig zu sehr als das personifizierte Böse. Durch dessen finstere Persönlichkeit und Machenschaften wird eine durchgehend hohe Spannung erzeugt, wobei sich der Autor gelegentlich einiger „übernatürlicher“ oder nicht rational erklärbarer Elemente bedient.

    Im Rahmen der Handlung werden einige geschichtliche Ereignisse der Epoche angesprochen, aber nicht weiter vertieft. Interessant ist die (historisch nicht belegte) Begegnung des Protagonisten Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, die anschaulich verdeutlicht, wie die gebildeten Menschen Anfang des 16. Jahrhunderts zunehmend forschend nach Wissen streben und nicht mehr ausschließlich den Lehren der Kirche unterworfen sein wollen.

    Die Geschichte um Johann Georg Faust ist sehr flüssig und anschaulich erzählt, die Lektüre erzeugt „Kopfkino“ und Vorfreude auf den zweiten Band.

    Das Nachwort des Autors und vor allem der Reiseführer auf Fausts Spuren runden den Roman gelungen ab.


    Fazit

    Ein fesselnder historischer Roman um Johann Georg Faust, der beste Unterhaltung für dunkle Herbstabende auf dem heimischen Sofa verspricht, sehr lesenswert!


    9 Punkte

  • Interessante Reise auf Faustus Spuren

    Von Oliver Pötzsch habe ich schon einige Bücher gelesen.

    Da war der Roman „Der Spielmann“ ein begeistertes Muss.


    Dieses ist die Geschichte des Johann Georg Faust. Faustus bedeutet Der Glückliche. Oliver Pötzsch hat dieser bekannten und sagenhafte Figur zu einer Kindheit und nachvollziehbaren Leben verholfen. Eine Figur, die schon Goethe faszinierte.


    Es fängt 1486 in Knittlingen, einem Ort im Kraichgau, an. In Knittlingen hat der Autor das Geburtshaus Fausts entdeckt und es gibt auch ein Museim. Johann wird von seiner Mutter mein kleiner Faustus genannt. Er ist fasziniert, wenn die Gaukler in die Stadt kommen und beobachtet sie und lernt einiges von ihnen.

    Mit 16 Jahren ist er auf sich gestellt, er fährt mit Gaucklern und Alchimisten durchs Land. Er ist wissbegierig und lernt viel. Es passierten viel erschreckende Dinge.

    Oliver Pötzsch lässt die Zeit lebendig werden, als alles fremdartige gefährlich war. Eine aufregende Geschichte.


    Im Anhang erklärt Oliver Pötzscg, wie er diese Figur entdeckte. Dann gibt es noch ein Register auf Fausts Spuren. Das sollte man unbedingt mitlesen.


    Der Spielmann ist wieder ein guter historischer Roman mit tollen Schauplätzen. Sehr zu empfehlen.

  • Faust man anders, aber definitiv lesenswert!


    Format: Gebundene Ausgabe

    Eins vorweg, das Cover von "Der Spielmann" gewinnt sicher keinen Preis für besonders große Innovation oder besondere Schönheit, vielmehr wäre ich in der Buchhandlung höchstwahrscheinlich daran vorbei gegangen, hätte ich nicht schon Online den Klappentext gelesen, der sofort mein Interesse geweckt hat...tja und was hätte ich da alles verpasst.


    Die Geschichte handelt von Johann Georg Faustus, der schon das historische Vorbild für Goethes legendären Faust war, umso spannender ist es, nun eine mehr oder weniger Neuinterpretation in den Händen zu halten.

    Der Schreibstil ist durchweg sehr eingängig und garantiert einen ungehinderten Leseflow, er wirkt nie gekünstelt, gestelzt oder altbacken, was ich bei historischen Romanen immer sehr begrüße.

    So begleitet der Leser nun eben jenen Johann Georg, erst als wissbegieriges Kind, später als eifrigen Jugendlichen und schließlich als den berühmt berüchtigten Mann, den die meisten Leute kennen und erfährt, wie die Begegnung mit dem geheimnisvollen reisenden "Gelehrten" Tonio del Moravia sein Leben für immer veränderte.


    Zur Geschichte an sich möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren, nur soviel, sie ist sowohl spannend und fantastisch, als auch ein wenig gruselig und dramatisch. Dem geneigten Leser wird also viel geboten für sein Geld und die Grundstimmung des Buches passt perfekt zum herannahenden Herbst.

    Mich jedenfalls hat die Geschichte sehr begeistert, sodass ich die fast 800 Seiten relativ zügig durch hatte. Umso besser, das direkt noch ein zweiter Teil geplant ist, der 2019 erscheint.

    Wer sich schon immer für Faust interessiert hat oder einfach nur mehr über ihn wissen wollte ist bei diesem Roman genauso gut aufgehoben wie diejenigen, die nach einer guten und spannenden Story in einem mittelalterlichen Setting suchen. Spontan kam mir Daniel Kehlmanns "Tyll" beim Lesen wieder in den Sinn, wem der Schreibstil streckenweise zu anstrengend oder die Story nicht zusammenhängend genug war, der sollte sich vielleicht am Spielmann versuchen, bereuen wird man es nicht.

  • Der Autor hat nach den Geschichten um die Henkerstochter und die Scharfrichter Familie Kuisl nun ein neues Kapitel aufgeschlagen. Er stellt Faust und den Teufel Mephisto in den Mittelpunkt seiner neuen Romanreihe, so daß historische Fakten auf Fiktion treffen.


    Am 27. April 1478 wird Johann Georg, von seiner Mutter liebevoll Faustus (Glück) genannt, unter dem Jupiter geboren. Mittlerweile befinden wir uns im Jahr 1486 im Kraichgau, Faustus ist 8 Jahre, ein sehr guter Schüler, klein gewachsen und wie seine Mutter sagt – von edlem Blut. Sein leiblicher Vater bleibt Faustus unbekannt. Im Dorf verschwinden immer wieder Kinder, und zwar genau zu der Zeit, als Gaukler gastieren. Faustus ist fasziniert von den Kunststücken des Tonio del Moravia. Tonio ist ein fahrender Astrologe, Zauberer und Quaksalber und schenkt Faustus ein Messer mit der Gravur GdR. Diese Gravur möchte er unbedingt enträtseln. Nach dem Tod der Mutter, wirft der Stiefvater Faustus aus dem Haus und er muß sich alleine durchschlagen. Er schließt sich der Truppe um Tonio an und lernt Zaubertricks, Handlesen, viel über Sternenkunde und Horoskope stellen. Er lebt mit ihnen bzw. Tonio und später reist er mit einer Gauklergruppe bis nach Venedig. Anschließend folgt er seiner großen Liebe nach Heidelberg, wird sehr bekannt und es ranken sich viele Gerüchte um ihn. Schlußendlich kommt Faustus über Köln nach Nürnberg und es gibt wieder ein ungewolltes Aufeinandertreffen mit Tonio, der mittlerweile zu seinem Feind geworden ist. Im Jahr 1513 endet dieser erste Band und Faustus ist sich sicher, daß er Tonio auch zukünftig wieder treffen wird.



    Dieser erste Band war von der ersten bis zur letzten Seite spannend, packend und unterhaltsam. Für mich gab es keinerlei Längen, durchgängig wurden fesselnde Episoden erzählt und ich wollte einfach nur wissen wie es weitergeht. So liebe ich Bücher, wenn ein echter Lesesog entsteht! Die Figuren wurden lebendig und die düstere Atmosphäre so bildhaft beschrieben, hier konnte echtes Kopfkino ablaufen. Durch Tonio bekam diese Geschichte für mich auch ein mystisches Element. Die Entwicklung von Faustus habe ich begeistert verfolgt und ich bin gespannt, was der Autor im Band 2 „Der Lehrmeister“ für uns Leser bereit hält – Erscheinungstermin September 2019. Denn einige Fragen blieben natürlich offen und hier darf der Leser auf eine Antwort hoffen.


    Für Band 1 gibt es von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

  • Oliver Pötzsch erzählt in seinem neuesten historischen Roman die Lebensgeschichte des Dr. Johann Faust, der Zeit seines Lebens von den Mächten des Bösen bedroht wird und dagegen ankämpft.

    Der Autor nimmt den Leser mit ins 15. Jahrhundert und erzählt sehr bildhaft wie der begabte und wissenshungrige Junge Johann aufwächst. Nach dem Tod der Mutter, der er den Kosenamen "Faustus" (der Glückliche) verdankt, verlässt er seine Heimat und schließt sich dem Magier Tonio del Maravia an, dessen dunkle Seite sich jedoch schon bald zeigt.

    Nach einem traumatischen Ereignis gelingt es Johann seinem unheimlichen Meister zu entkommen. Doch dieser setzt sich sofort auf die Fährte des jungen Mannes und eine jahrelange Jagd durch Europa beginnt...

    Mir hat der Roman gut gefallen, die Entwicklung vom naiven Kind zum mutigen Mann, oft zwischen Gut und Böse hin- und hergerissen, fand ich beeindruckend. Die fast 800 Seiten lassen sich gut lesen und es kommt keine Langeweile auf.

  • „Der Spielmann“ von Oliver Pötzsch umfasst 784 Seiten, die in 5 Akte und 30 Kapitel aufgeteilt sind.

    Am Ende gibt es noch ein Nachwort und den Reiseführer auf Faust’s Spuren.

    Es ist ein sehr schön gestaltetes Buch, nicht nur der Einband ist wunderschön, auch die Bilder zu den einzelnen Akten sind teuflisch schön.

    Auf der ersten und letzten Umschlagseite ist eine Karte des Deutschen Reises um 1500 zu sehen.

    Die Handlung beginnt im Jahr 1486, als Johann acht Jahre alt war und endet 1513.


    1486 kommen Gaukler in die Stadt und Johann Georg Faustus, ist total fasziniert von ihnen. Aber die meisten Leute finden, dass es Teufelswerk ist. Da Johann eher ein zartes Kind ist, ist er dem Gespött des Vaters und der Brüder ausgesetzt. Nur seine Mutter glaubt an ihn und meint, dass er etwas ganz Besonderes ist, weil er am Tag des Propheten geboren ist. Als sie stirbt, bezahlt der Vater die Lateinschule nicht mehr, obwohl Johann sehr wissbegierig und schlau ist.

    Auch wenn sein Name der Glückliche bedeutet, ist Johann nicht vom Glück verfolgt. Acht Jahre später passiert etwas Schlimmes und Johann verlässt die Stadt. Er trifft den Gaukler Tonio wieder und schließt sich ihm an. Er lernt von ihm und ist fasziniert von dessen Wissen. Allerdings geschehen immer dort, wo sie gerade sind, sonderbare Dinge und Johann grübelt, ob Tonio etwas damit zu tun hat. Aber er kommt aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus.

    Nach einer mystischen oder auch teuflischen Zeremonie flieht Johann und schließt sich einer Gauklertruppe an, die nach Venedig zieht. Er merkt, dass er sich verändert hat und fragt sich, ob Tonio ihm eine dunkle Macht eingepflanzt hat.

    In Venedig begegnet ihm Signore Barbarese, der ihm seine Bibliothek mit vielen verbotenen Büchern zeigt. Das verändert Johann aber er merkt nicht, welch ein perfides Spiel mit ihm gespielt wird.


    Johann wächst zu einem wissbegierigen, aber auch jähzornigen jungen Mann heran, den eine dunkle Aura umweht. Die Liebe zu seiner Kinderfreundin Margarethe zieht sich durch das ganze Buch und der Gedanke an sie kann Johann oftmals beruhigen, aber auch antreiben. Er ist sein ganzes Leben lang auf der Suche nach sich selbst. Er will herausfinden, was es bedeutet, am Tag des Propheten geboren zu sein. Auch fühlt er sich stetig beobachtet und gerät immer wieder an falsche Leute und damit in Gefahr. Allerdings macht er sich mit seinem Wesen auch nicht nur Freunde. Als er hofft, eines seiner Ziele erreicht zu haben, verliert er seinen besten und einzigen Freund und gerät wieder in falsche Hände, was er beinah mit dem Leben bezahlt.


    Es ist ein eine sehr umfangreiche, spannende und tragische Geschichte, die sehr gut geschrieben ist und sich wunderbar lesen lässt. Man erfährt viel über die damalige Zeit, über Magie, Zauberei, Astrologie und einiges andere.

  • Wer kennt ihn nicht, Goethes Faust? Oliver Pötzsch hat sich dem historischen Faust angenommen und erzählt seine Geschichte von Kindheit an. 1486 treffen wir Johann Georg zum ersten Mal, er ist noch ein kleiner Junge, der sich an Gauklern, die seine Heimatstadt Knittlingen besuchen, erfreut. An diesem Tag trifft er, und der Leser, auch zum ersten Mal auf Tonio del Moravia, der den Jungen für etwas Besonderes hält und ihn zeitweise unter seine Fittiche nimmt. Seine Absichten scheinen allerdings eher ungut zu sein.


    Johann, den seine Mutter Faustus, der Glückliche, nennt, hat es nicht leicht, sein Vater hält wenig von ihm, die Mutter ist schwer krank, im Dorf ist er nicht gut gelitten. Der Name Faustus scheint fast Hohn zu sein – und wird es auch weiterhin bleiben. Leicht ist nämlich auch sein weiteres Leben nicht, er selbst macht es sich dabei oft selbst schwer, lügt und betrügt, und tut den Menschen, die er mag, oft nicht gut. Er wird getrieben von Wissensdurst, und erhält auch immer wieder die Chance, sein Wissen zu mehren. Doch es scheint auch etwas Dunkles um ihn zu sein, etwas, das vielleicht mit seiner Geburtsstunde zu tun hat?


    Der Autor hat seinen Roman in einen Prolog und fünf Akte aufgeteilt, die jeweils über einen Lebensabschnitt Fausts berichten. Sehr gut hat mir bereits der erste Satz gefallen „Im Herbst, als die Kinder verschwanden, kamen die Gaukler in die Stadt“ - na, wenn das nicht direkt neugierig auf den Roman macht! Oliver Pötzsch erzählt sehr bildhaft und atmosphärisch und zieht den Leser schnell in den Roman hinein. Manche Szene ist recht gruselig, aber das gehört bei Faust halt auch mit dazu. Sehr interessant ist auch der historische Background, es gibt viel Zeitkolorit und der Leser lernt manches dazu.


    Die Geschichte ist spannend, Faust und mit ihm der Leser erlebt sehr viel, und dennoch habe ich manchmal das Gefühl, es zieht sich, manche Abschnitte sind deutlich besser, spannender und interessanter als andere. Leichte Probleme hatte ich mit dem großen Zeitsprung, der den 5. Akt einläutete, hatte man Johann zuvor noch praktisch ständig begleitet, sind nun auf einmal 13 Jahre vergangen, und der Protagonist zunächst kaum wieder zu erkennen. Es brauchte seine Zeit, bis ich mich daran gewöhnt hatte, und sicher wäre die Zeit dazwischen auch nicht uninteressant gewesen. Dennoch erscheint es mir im Nachhinein ganz gut, dass der Autor hier gestrafft hat und somit dichter an der Geschichte bleibt, die er eigentlich erzählen will.


    Man lernt Johann sehr gut kennen, gerade zu Anfang leidet man oft mit ihm mit, später wird das schwieriger, Johanns Entwicklung geht teilweise in eine eher ungute Richtung, sein Handeln zu verstehen fällt manchmal schwer. Das macht ihn dafür aber interessanter. Selten bleibt er an einem Ort, er ist viel unterwegs, in Begleitung, aber auch allein, sein Leben ist abwechslungsreich, mal ist er Gaukler, mal Student ... Er trifft auf viele unterschiedliche Menschen, auch historische Persönlichkeiten (es lohnt sich, die einzelnen Personen zu googeln). Gut gefällt mir, dass die Charaktere, auf die man hier trifft, einschließlich Faust, fast alle sehr vielschichtig gestaltet sind, reines Schwarz oder Weiß ist selten. Mehr als ein Charakter ist auch für die eine oder andere Überraschung gut – einschließlich Faust selbst.


    Als Bonusmaterial gibt es Karten, ein interessantes Nachwort, einen Reiseführer auf Fausts Spuren und „Faust für Klugschwätzer“, bei letzterem kann man vergleichen, wie viele Faust-Zitate man im Roman entdeckt hat. Leider fehlt ein Personenverzeichnis, man bringt zwar die Personen des Romans nicht durcheinander, ich hätte es aber schön gefunden, noch einmal nachschlagen zu können.


    „Der Spielmann“ erzählt nicht Fausts ganze Geschichte, es wird noch mindestens einen Nachfolgeroman geben. „Der Lehrmeister“ ist für September 2019 angekündigt. Natürlich werde ich auch diesen Roman lesen, ich muss doch wissen, wie es mit Faust weitergeht.


    Einen Roman über Faustus zu schreiben ist eine großartige Idee, ist dieser Mann doch sehr interessant und bietet alleine durch die vielen Legenden reichhaltigen Stoff. Oliver Pötzsch ist ein guter Roman gelungen, der mich über weite Strecken gefesselt hat, der einen interessanten Protagonisten hat und gutes Kopfkino bietet. Trotzdem bin ich nicht durchweg begeistert, stellenweise zieht sich der Roman in meinen Augen zu sehr. Ich vergebe 8 Punkte und eine Leseempfehlung für Faust-Fans und Freunde guter historischer Romane



  • Wieder einmal ein ausgezeichnetes Buch voller Mysterien aus der Feder von Oliver Pötzsch. Die Aufmachung des Buches, mit dem mittelalterlichen Wagen, den Bürgern und Spielleuten passt wunderbar zum Inhalt. Wobei ich mich durch Cover nicht beeinflussen lasse, zumindest von den guten.

    Die Hauptfigur der gut 760 Seiten starken Erzählung ist Johann Faustus, der seiner Mutter nach unter einem besonderen Stern geboren ist, was ihn ab seinem jugendlichen Alter zum Spielball böser Mächte werden lässt.

    Zuerst aber ist er ein wissbegieriger Knabe, der gut und gerne lernt und dazu im Kloster Maulbronn auch Unterricht von den Patern bekommt. Leider meint es da Schicksal nicht gut mit ihm, die Mutter stirbt und von nun an ist lernen am Hof seines Stiefvaters verboten und harte, entbehrungsreiche Arbeit angesagt. Es bleibt seine verbotene Liebe zur Jugendfreundin Margarethe, die einem anderen, reichen Hoferben versprochen ist.
    Über allem schwebt eine dunkle Wolke, denn Kinder verschwinden immer wieder auf unerklärliche Weise, unauffindbar und immer sind da in der Nähe fahrende Gaukler.
    Von diesen fühlt sich Johann besonders angezogen, lernt auch einige Zaubertricks und übt diese heimlich um die Dorfjugend zu erschrecken oder zu beeindrucken.
    Durch einen herben Schicksalsschlag, zuviel will ich nicht verraten, muss Johann fliehen, kommt bei den Spielleuten unter und wird im Laufe der Jahre berühmt. Ob er aber den dunklen Mächten, die er lange nicht erkennt, entfliehen kann? Sein Wissensdurst ist unermesslich und bringt ihn immer wieder in Gefahr.
    Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen so spannend und kurzweilig ist es geschrieben. Auch die damalige Lebensweise, die fremden Länder, die Abenteuer der Reisen, das alles macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem. Man muss es einfach gelesen haben

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • ASIN: 3471351590


    Der Autor (Amazon)

    Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt. Er fand außerdem heraus, dass das Richtschwert der Familie in den 70ern des letzten Jahrhunderts aus einem Heimatmuseum gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Sein 2008 erschienener Roman „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Der Autor arbeitet für den Bayrischen Rundfunk und lebt in München.


    Produktinformation 8Amazon)

    Gebundene Ausgabe: 784 Seiten

    Verlag: List Hardcover; Auflage: 1. (21. September 2018)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 9783471351598

    ISBN-13: 978-3471351598

    ASIN: 3471351590


    Faust, anders erzählt

    Johann stand in der Schule und im Dorf immer im Blickpunkt derer, die auf anderen herumtraten und sie schlugen…

    Eines Tages kamen wieder Gaukler in das Dorf. Einer von ihnen wurde auf Johann aufmerksam…

    Acht Jahre später. Johann lag mit seiner Freundin auf einer kleinen Lichtung mitten im Acker… Doch da wurden sie von seinem Vater erwischt…

    Johanns Mutter lag im Sterben. Er machte sich auf den Weg zum Kloster Maulbronn, um eine Arznei zu holen. Doch diese kam nie zu Hause an…. Es wäre auch zu spät gewesen…

    Sein Vater hatte ihm seine Freundschaft, ja Liebe, zu Margarethe verboten, doch die beiden hielten sich nicht daran. So geschah es, dass er von ihm verstoßen wurde, und das aus einem bestimmten Grund…

    Da traf Johann den Gaukler, der ihm einmal gegen einen anderen Jungen geholfen hatte, wieder. Er zog mit ihm, doch ob das gut war…

    Irgendwann verließ er seinen Meister und traf auf andere Spielleute…

    Doch Margarethe konnte er nie vergessen und tat alles, um sie wiederzusehen…

    Und dann gab es noch die verschwundenen Kinder…

    Wer schlug Johann immer wieder und trat auf ihm herum? Wer wurde auf Johann wie aufmerksam? War das Versteck im Acker nicht gut genug, weil sie erwischt wurden? Was hatten sie getan? Warum kam diese Arznei nie zu Hause an? Und wieso wäre es zu spät gewesen? Hatte Johann getrödelt? Oder gab es noch einen anderen Grund? Warum hatte sein Vater Johann verstoßen? Aus dem Haus gejagt? War es Menschenfreundlichkeit, die den Gaukler veranlasste Johann mitzunehmen? Warum blieb er nicht bei ihm? Wer waren die anderen Spielleute, mit denen er dann loszog? Was tat er alles um Margarethe wiederzusehen? Und was hat es mit den verschwundenen Kindern auf sich? Alle diese Fragen – und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.


    Meine Meinung

    Es geht in diesem Buch um Johann Georg Faustus. In der Geschichte war ich relativ schnell drinnen. Ich konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen. Am Anfang war das Buch schon sehr spannend. Etwa bis er den Gaukler verließ. Doch im Laufe der Seiten zog es sich doch etwas, bis es in den letzten zweihundert Seiten wieder richtig spannend wurde. Und ich es fast nicht mehr aus der Hand legen mochte. Johann tat mir zunächst leid, weil der Bruder seiner Freundin so brutal zu ihm war. Der konnte nur auf kleineren Kindern herumhacken, sie ärgern und prügeln. Dem hätte ich am liebsten eine gescheuert. Und sein Vater gefiel mir gar nicht. Dass das mit dem Gaukler mal ein Ende nehmen musste, war mir klar. Doch war es wirklich ein Ende? Johann war ein kluges Kerlchen, intelligent und wissbegierig. Und er lernte viel. Das Ende des Buches gefiel mir sehr gut. Auch wenn es Längen in dem Buch gab, so hat es mich doch noch in seinen Bann gezogen, war spannend und hat mich gut unterhalten. Von mir deshalb eine Lese-/Kaufempfehlung sowie vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.

  • Buchmeinung zu Oliver Pötzsch – Der Spielmann


    „Der Spielmann“ ist ein Roman von Oliver Pötzsch, der 2018 bei List Hardcover erschienen ist. Dies ist der erste Band der Serie um Johann Georg Faustus.


    Zum Autor:

    Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt. Er fand außerdem heraus, dass das Richtschwert der Familie in den 70ern des letzten Jahrhunderts aus einem Heimatmuseum gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Sein 2008 erschienener Roman „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Der Autor arbeitet für den Bayrischen Rundfunk und lebt in München.


    Klappentext:

    1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Der Anfang und das Ende haben mir vorzüglich gefallen und mich regelrecht mitgerissen. Aber die Zeit als Gaukler und als Student in Heidelberg haben mich nicht gepackt. Sie waren mir zu ausführlich und ich hatte stellenweise das Gefühl, in eine Abart von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geraten zu sein. Die Besuche der Privatbibliothek in Venedig oder die wiederkehrenden Treffen mit Margarethe sorgten für wenig Spannung und brachten kaum etwas Neues. Kein Vergleich mit den wirklich gelungenen Erzählungen aus Knittlingen oder Nürnberg. Diese Passagen hatten Atmosphäre, Tempo und Spannung. Dort zeigte der Autor seine Extraklasse.

    Die Figur des Johann Georg hat mir sehr gut gefallen. Anfänglich ein sympathischer Junge, der ob seines Verstandes und seiner Herkunft als Bastard sehr häufig gemoppt wurde, entwickelte er sich zu einem intelligenten, aber nur auf den eigenen Vorteil ausgerichteten Menschen, der so gut wie keine Freunde hatte und selbst diese betrog. Einzig Margarethe und sein Hund Satan bedeuteten ihm etwas. Faustus ist ein Mensch mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, der unentwegt nach mehr Wissen verlangt. Sein Gegenpart Tonio del Moravia ist aus ähnlichem Holz gestrickt und wirft seine Erfahrung und seine Kontakte in die Waagschale. Dieser Zweikampf zieht sich durch das ganze Buch, auch wenn es längere Passagen gibt, in denen Tonio im Hintergrund bleibt. Man leidet mit Faustus, der alles versucht, um in diesem ungleichen Kampf zu bestehen. Unterstützt wird er von nur wenigen, die zudem von viel geringerem Kaliber sind. So ganz nebenbei erfährt man viel über den Stand der Wissenschaft, das an den Hochschulen gelehrte Wissen und die Gefahr, der sich forschende Geister ausgesetzt sahen. Diese Darstellungen sind faszinierend.


    Fazit:

    Dieser Roman ist in einigen Teilen faszinierend und fesselnd, verliert aber zwischenzeitlich an Spannung und Tempo. Deshalb vergebe ich (nur) vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten), spreche aber eine Leseempfehlung aus, weil besonders der Anfang und das Ende herausragend sind.

    :Hörbuch P. D. James - Drei Fälle für Adam Dalgliesh

    :Hörbuch Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

    :lesend Joe Fischler - Die Toten vom Lärchensee

    :lesend Brigitte Riebe - Tage der Hoffnung

    :lesend Tatjana Kruse - Leichen, die auf Kühe starren

  • Eines Tages kommen die Gaukler in den kleinen Ort Knittlingen. Der achtjährige Johann Faustus ist von ihren Darbietungen begeistert. Ganz besonders aber ist er von dem Magier und Astrologen Tonio del Moravia fasziniert. Während die Gaukler die Leute unterhalten, verschwinden Kinder aus der Stadt. Jahre später ist Johanns geliebte Mutter verstorben und seine Freundin Margarethe muss einen anderen heiraten, da begegnet er Tonio del Moravia wieder und schließt sich ihm an. Einerseits nimmt Johann alles in sich auf, was er erlebt und erfährt, andererseits ist ihm Tonio zunehmend unheimlich. Was für ein Geheimnis umgibt diesen geheimnisvollen Menschen?

    Der Autor hat einen schönen bildhaften Schreibstil, so dass man alles gleich gut vor Augen hat.

    Die Charaktere sind alle sehr gut und lebendig beschrieben. Die Mutter sagte Johann Georg Faustus ein glückliches Leben voraus. Ansonsten hat er es als dritter Sohn der Familie nicht so leicht. Aber er ist von sich überzeugt und hat etwas Arrogantes an sich, das ihn mir nicht sympathisch machte. Doch er hat etwas, das die Menschen für ihn einnimmt.

    Oliver Pötzsch erzählt in diesem Roman die Geschichte des Faust neu. Johann Faust strebt nach Wissen und muss mit dunklen Mächten fertig werden. Am Ende erkennt er, dass man dem Teufel nicht entkommen kann.

    Der Leser begleitet Faust durch die damalige Zeit und durch eine Reihe von Ländern. Die Lebensumstände werden anschaulich dargestellt. Die Macht der Kirche ist groß und in allen Lebensbereichen spürbar.

    Auch wenn die Geschichte von Anfang an spannend ist, so gab es durch die ausführlichen Beschreibungen auch schon mal Längen. Trotzdem hat mir dieser Roman gut gefallen.

    Ein unterhaltsamer und spannender historischer Roman.


    4/5

  • Johann Georg Faust – eine Person um die sich schon zu seinen Lebzeiten (1480 – 1541) Legenden rankten – ist im Roman „Der Spielmann“ von Oliver Pötzsch die Hauptfigur. Im Laufe der Zeit wurden viele Geschichten um seine Person erzählt, viele Schriftsteller und Schauspieler nahmen sich des Themas an und spätestens seit Goethe den Fauststoff aufgearbeitet hat, ist er bis in die heutige Zeit bekannt geblieben. In diesem Roman fügt der Autor die überlieferten Fakten über Dr. Faustus mit seiner fiktiven Figur zusammen und bietet uns als Lesern einerseits einen historischen Abenteuerroman, man könnte sagen, ein Roadmovie durch Europa, andrerseits einen Geschichtsunterricht der besonderen Art.


    Der Leser lernt Johann Georg Faust bereits in seiner Kindheit kennen. Johann Georg ist ein wissbegieriger Junge, der sein Umfeld oft mit seinen Fragen überfordert. Einzig bei Margarethe, einem Mädchen aus der Nachbarschaft fühlt er sich verstanden, doch als sein kleiner Bruder auf einem gemeinsamen Ausflug mit Margarethe spurlos verschwindet, muss er aus seinem Heimatort fliehen und schließt er sich dem fahrenden Magier Tonio del Moravia an, einem undurchsichtigen und unheimlichen Menschen, der ihm eine große Zukunft als Gelehrter prophezeit und mit dem er nun das Land bereist. Doch Tonio hat dunkle Pläne mit seinem Lehrling, wie er entsetzt feststellen muss und wieder ist der einzige Ausweg nur die Flucht, eine Flucht, bei der er zusammen mit einer Gauklertruppe bis nach Venedig gelangt. Eine gewisse Faszination der dunklen Künste führt dazu, dass er auch diesen Ort fluchtartig verlassen muss. Egal, wo er ist und was er macht, die Gedanken an seinen dunklen Lehrmeister verfolgen ihn und es scheint so, als sei er immer noch an ihn gebunden.


    Ich habe mich von diesem Roman sehr gut unterhalten gefühlt und die Reise durch das Europa der damaligen Zeit genossen. Es gab viele spannende Momente und es hat mir sehr gut gefallen, dass der Autor seinen Protagonisten nicht nur schwarz/weiß zeichnet. Faustus nicht nur der Gute, der Held, dem alles gelingt und dessen Erfolge im Vordergrund stehen; er hat auch eine dunkle Seite und wir erleben oft auch sein Scheitern und sehen die Zwiespältigkeit seiner Gedanken. Das macht ihn sehr authentisch. Zusammen mit den gut recherchierten Stationen seiner Reise ergibt das einen gut gelungenen Mix und viele spannende und unterhaltsame Lesemomente. Von mir die volle Punktzahl.

  • Worum es geht

    Knittlingen im Kraichgau, 1486:
    Nach dem Tod der Mutter muss Johann Georg Gerlach den Hof seines Stiefvaters verlassen. Da er sich von Kindheit an für Gaukler und ihre Kunststücke interessierte, beherrscht er zum Glück einige Zaubertricks mit deren Vorführung er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Doch schon bald macht Johann, der wegen der besonderen Sternenkonstellation zu seiner Geburt Faustus, der Glückliche, genannt wird, die Erfahrung, dass das Reisen ohne Begleitung rasch gefährlich werden kann. Als er vom Spielmann und Wahrsager Tonio del Moravia aus einer brenzligen Situation gerettet wird, bleibt er als dessen Lehrling bei ihm. Johann lernt zwar viel von seinem Meister, doch beschleicht ihn zunehmend das Gefühl, dass Tonio mit dunklen Mächten im Bunde steht. Schließlich sucht der Jüngling sein Heil in der Flucht, doch Johanns Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, hat gerade erst begonnen.


    Meine Meinung

    Im Nachwort berichtet der Autor von der Faszination, die die Figur des Dr. Faust seit seiner Jugend auf ihn ausübte, und welche Ereignisse und Zufälle ihn zum vorliegenden Roman inspirierten. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch ist Oliver Pötzsch dieser Aufgabe meiner Meinung nach großartig gerecht geworden.
    Die Protagonisten passen in ihrer charakterlichen Ausarbeitung ganz hervorragend in die Zeit um 1500. Sie wirken realistisch, aber dennoch geheimnisvoll, und symbolisieren treffend den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Aberglaube und Vernunft, zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Sehr interessant fand ich es, Johanns Persönlichkeitsentwicklung vom naiven Bauernsohn zum Magister und Magier mitzuverfolgen, sein Streben nach Wissen, seinen Kampf um Liebe und Freundschaft, sein Scheitern und seine Siege.
    Oliver Pötzsch versteht wunderbar flüssig zu erzählen, Spannung zu erzeugen und Neugier auf den Fortgang der Geschichte zu erwecken.
    Die Beschreibung der Landschaft durch die Faust reist, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Man kann sich das Leben der einfachen Menschen bildhaft vorstellen, ihre Begeisterung, wenn fahrendes Volk auftaucht, das ihren eintönigen, oft sorgenvollen Alltag unterbricht, sie unterhält oder ihnen sogar einen Blick in die Zukunft gewährt. Die Einsamkeit der waldreichen Landstriche wird für den Leser genauso spürbar wie der Lärm, der Schmutz und der Gestank in den Städten.
    Von den ersten Seiten an hat mich die Geschichte gefesselt, und ich bin Johann in neugieriger Erwartung nur zu gerne auf seinem Weg gefolgt. Meiner Meinung nach hat der Autor aus dem uralten Fauststoff einen wunderbar unterhaltsamen Roman gemacht, und seine ganz eigene Geschichte zu den ewig gleichen Fragen geschrieben, die uns seit Menschengedenken bewegen.
    Auf den zweiten Teil, der einen fulminanten Abschluss erwarten lässt, darf man durchaus gespannt sein.


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    ASIN/ISBN: 3471351590