Sind Leserunden noch zeitgemäß?

  • Es würde mich mal interessieren, wie viel Zeit Ihr Euch selber für ein Leserundenbuch einräumt. :zuhoer

    Ich lese im Schnitt etwa 50 Seiten am Tag, deshalb bevorzuge ich auch kürzere Abschnitte. Über den Daumen gepeilt lese ich an einem LR-Buch etwa eine Woche. Für die Runde nehme ich mir aber auch danach noch Zeit, wenn andere Teilnehmer länger brauchen oder später anfangen.

    Ich habe neben einem Leserundenbuch immer ein Notizbuch liegen, mittlerweile ist es das fünfte. Darin mach ich mir immer gleich beim Lesen Notizen, sonst vergesse ich einfach zu viel wieder.

    Sehr gerne poste ich im entsprchenden Thread erst alle meine Gedanken und lese erst dann die Beiträge der anderen Teilnehmer. Erst danach beginne ich mit dem nächsten Abschnitt.

    Wenn die Abschnitte lang sind, dann erübrigen sich manche Gedanken und Spekulationen zum Teil schon innerhalb des Abschnittes, weil sie im Buch beantwortet werden. Das mag ich persönlich nicht so gerne.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das einzige, was ich bei Leserunden plane, ist pünktlich zu starten und ich markiere vorab im Buch die Leserundenabschnitte. Der einzige Zwang, dem ich mich freiwillig "unterwerfe", sind die Vorgaben der offiziellen Leserunden, falls es sich um eine solche handelt.


    Wie lange ich für eine Leserunde brauche, hängt vom Inhalt des Buches (und auch der Runde selbst) und der Zeit, die ich im Alltag zum Lesen nutzen kann, ab und ist bei mir völlig unabhängig von der Seitenzahl. Ich plane auch nicht eine bestimmte Anzahl pro Tag zu lesen.

    Das Lesen und auch Leserunden sind für mich Freizeit, meine Art abzuschalten und keine Arbeit. Ich lese, weil es mir Freude macht und so soll es (und wird es bei mir) auch bleiben. Dasselbe gilt auch für Leserunden und den gemeinsamen Austausch hier über das Gelesene.

    Ich mache mir keine Notizen, sondern poste am Ende eines Abschnitts völlig aus dem Bauch heraus meine Gedanken. Manchmal lese ich vorher die anderen Beiträge, manchmal formuliere ich meine Gedanken erst selbst und beantworte andere Beiträge erst danach. Das hängt allein vom Buch und meinen ganz persönlichen Leseeindrücken ab.

    Auch ich bevorzuge daher kurze Leserundenabschnitte.


    Lesen macht mir Freude, es ist ein schöner Teil meines Lebens, das gilt für mich auch für Leserunden. Ich nehme hier daran teil, weil ich es möchte, nicht weil ich es muss oder weil alle es tun (oder eben nicht). Deshalb erübrigt sich für mich auch die Ausgangsfrage. Ob sie noch zeitgemäß sind, interessiert mich persönlich überhaupt nicht.

  • Die Frage, ob Leserunden noch zeitgemäß seien, beantworte ich, naturgemäß aus der Sicht eines "Eulenautors", mit einem klaren JA.


    Ein paar Gedanken dazu:

    Wenn ein neues Buch von mir in einer Leserunde gelesen wird, ist das für mich so etwas wie eine virtuelle Buchlesung. Ich halte ziemlich viele Lesungen mit meinen Büchern, nicht nur in Buchhandlungen und Bibliotheken, sondern am liebsten an außergewöhnlichen Orten wie z. B. auf historischen Schiffen, in alten Gemäuern oder in Museen.

    Die gemeinsame Lesung in einer virtuellen Runde ist für mich nichts anderes als ein Austausch mit den LeserInnen, wobei hier noch der große Vorteil hinzukommt, dass diese auch untereinander viel intensiver diskutieren können, als dies auf einer Lesung möglich wäre. Das Zuhören bei diesem Austausch ist für mich als Autor meistens ungemein erhellend und hat Einfluss auf meine Arbeit am nächsten Buch.

    Den möglichst intensiven Kontakt mit seinen LeserInnen kann nämlich NICHTS ersetzen, wenn man als Autor hautnahes, aufrichtiges Feedback erleben will. Leserunden ermöglichen diesen - und deshalb mag ich sie.


    Allerdings halte ich nichts davon, kostenlose Leseexemplare auszuloben, damit man Leute für eine solche Runde gewinnt. Wer meine Bücher lesen will, soll sie kaufen. Wer nicht, soll´s lassen. Für mich wäre das vergleichbar mit der seuchenartig um sich greifenden Unsitte gewisser Selfpublisher, ihre Werke zum Preis einer Aldi-Gurke anzubieten. Das finde ich auch abstoßend.


    Des Weiteren glaube ich nicht an allzu viele Vorschriften, z. B. was den Umfang und die Art der Meinungsäußerungen angeht. Oder dass jeder, der an einer Leserunde teilnimmt, eine Rezension zu verfassen habe. Auch hier der Vergleich zu "normalen" Lesungen: Es gibt immer wieder Leute im Publikum, die Fragen stellen, Anmerkungen machen und sich intensiv an der Diskussion mit dem Autor beteiligen, aber eben auch solche, die sich ungern in coram publico äußern. So what?


    Und ein letztes Wort zu Kritiken: Natürlich hat jedes literarische Genre seine LeserInnen. Ich würde mich z. B. nie an einer Leserunde für eines dieser ...äh, na, nennen wir mal einfach einen Titel, um zu verdeutlichen, was ich meine: "Die kleine Bäckerei am Ende des Strandwegs" - oder so ... beteiligen.

    Wer aber ein Buch aus einem ihm genehmen Genre gekauft und es im Rahmen einer Leserunde gelesen hat, hat alles Recht der Welt, seinen Unmut kund zu tun, wenn es ihm nicht gefallen hat. Der Autor, der das nicht verträgt (egal, ob Eule oder "Fremder"), sollte Vogelhäuschen für den eigenen Garten basteln, aber die Öffentlichkeit nicht mit Büchern belästigen. :)


    In diesem Sinne: Es leben die Eulen-Leserunden! :dafuer

  • Mittlerweile sehe ich das mit den gewonnenen Leserundenexemplaren ähnlich. Bei den privaten Leserunden kaufen wir die Bücher ja immer selber und da merkt man ziemlich schnell, dass die Teilnehmer die Bücher tatsächlich lesen wollen.

    Ich habe zwar schon sehr oft von den verlosten Exemplaren profitiert, aber auch schon öfter ohne Verlosung teilgenommen. Da ich ja zukünftig vorerst nicht an offiziellen LR teilnehmen möchte, erübrigt sich für mich die Frage ob Buchgewinn oder nicht sowieso.

    Wie ich irgendwo anders schon sagte: Ich habe das Gefühl, dass manche die LR mit gewonnenen Exepmlaren bloss "abarbeiten". Das ist meiner Meinung nach keine richtige Grundlage. Ich habe immer versucht was ordentliches beizutragen, aber wenn da zehn Inhaltsangaben ohne Beantwortung von Fragen, die ich im Thread gestellt habe (Wie seht ihr xy oder so) gepostet werden, habe ich auch keine Lust mehr mit eingehender mit der LR zu beschäftigen. Ich fand es früher (jajaja, früher war alles besser :S) immer schön, wenn man viele verschiedene Themen hatte und eine Leserunde auch mal ausartete in was weiss ich für Themen oder einfach in Albernheit. Das ist jetzt meiner Meinung nach sehr selten bis gar nicht mehr der Fall.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Wie ich irgendwo anders schon sagte: Ich habe das Gefühl, dass manche die LR mit gewonnenen Exepmlaren bloss "abarbeiten". Das ist meiner Meinung nach keine richtige Grundlage. Ich habe immer versucht was ordentliches beizutragen, aber wenn da zehn Inhaltsangaben ohne Beantwortung von Fragen, die ich im Thread gestellt habe (Wie seht ihr xy oder so) gepostet werden, habe ich auch keine Lust mehr mit eingehender mit der LR zu beschäftigen.

    Ich weiß nicht, ob man damit den Leuten nicht was unterstellt, also dieses abarbeiten. Ich habe schon Leserunden mit Buchgewinn mitgemacht die hatten alles. Engagement, Austausch und interessante Ansichten. Genauso gab es aber auch Runden auf die die Beschreibung "nur Inhaltsangaben" zutraf. Da verliere ich auch die Lust auf intensiven Austausch. Ich poste aber trotzdem meine Meinung, bin dann halt enttäuscht, wenn man keine Rückmeldung bekommt, wie andere das sehen.

    Trotzdem lasse ich mich dadurch nicht davon abbringen, mich auch an Leserunden zu freien Büchern mitzumachen, da ich da auch austesten kann was ich mag oder nicht. Bei Büchern die mich dann wirklich interessieren bin ich auch dabei, wenn ich nicht gewinne.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • ... Ich fand es früher (jajaja, früher war alles besser :S) immer schön, wenn man viele verschiedene Themen hatte und eine Leserunde auch mal ausartete in was weiss ich für Themen oder einfach in Albernheit. Das ist jetzt meiner Meinung nach sehr selten bis gar nicht mehr der Fall.

    Dass man sich im Zusammenhang mit dem Buch über Land und Leute und Werweißwas austauscht, wird uns ja hoffentlich erhalten bleiben!


    Es macht sich eben auch hier bemerkbar, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne allgemein gen Null entwickelt. Dass ein Buch 700 Seiten hat oder ein Jugendbuch für 14-Jährige ist, sollte nicht überraschen, wenn man vor dem "Hier"-Rufen einen kurzen Blick auf die Produktseite oder die Verlagsseite wirft - und damit ließe sich schon ein Teil des späteren Frusts vermeiden.

  • Ich habe neben einem Leserundenbuch immer ein Notizbuch liegen, mittlerweile ist es das fünfte. Darin mach ich mir immer gleich beim Lesen Notizen, sonst vergesse ich einfach zu viel wieder.

    Sehr gerne poste ich im entsprchenden Thread erst alle meine Gedanken und lese erst dann die Beiträge der anderen Teilnehmer. Erst danach beginne ich mit dem nächsten Abschnitt.

    So handhabe ich es auch.


    Ich habe keine Vorgaben für mich, wie schnell oder langsam ich ein Leserundenbuch lese. Das kommt aufs Buch und auf meine persönliche Lesezeit an. Manchmal schaffe ich ein Buch über ein Wochenende, manchmal lese ich aber auch über 2 Wochen dran.

  • Ich mag Leserunden, ob nun private, öffentliche, mit oder ohne Verlosung.

    Ich gebe aber auch zu, dass ich normal ein Schnellleser bin und bei den ersten bin, die fertig sind und dann nach 14 Tagen nur noch zögerlich in die Beiträge gucke. Aber ich gelobe Besserung.

  • Es würde mich mal interessieren, wie viel Zeit Ihr Euch selber für ein Leserundenbuch einräumt.

    Das wechselt und kommt auf das Buch an: zwischen einer Woche (für einen eher kurzen Roman, maximal 400 Seiten) und bis zu sechs Wochen oder gar mehr (über tausend oder gar 1.500 Seiten). Meistens liege ich mit der Schätzung richtig, manchmal auch daneben (wie momentan mit einer meiner Leserunden).


    Ich habe in den letzten Monaten nur wenige Leserunden mitgemacht, aber rein gefühlsmäßig scheint es mir im Vergleich zu "früher" auch so, als ob es sich verändert hätte (ich will mich da gar nicht unbedingt ausschließen). Diskussionen über Inhalte, Zusatzinformationen, die beigesteuert werden - in meiner Erinnerung war das "früher" deutlich mehr. Ob es eine gewisse Leserundenmüdigkeit gibt (das habe ich für mich auch schon mal angenommen), oder ob es daran hängt, daß man sich von einem gewonnenen Buch zum nächsten "durchliest" und dadurch weniger Zeit hat bzw. sich weniger Zeit nimmt? Ich weiß es nicht. Wenn aber vor allem inhaltliche Posts und nur wenig "drumrum" kommt, verliere ich auch meist die Lust.


    Übrigens ist auch das Selbstkaufen des Buches keine Garantie für eine gelungene Leserunde. Im Herbst habe ich an einer offiziellen teilgenommen, zu der man sich das (ziemlich dicke, knapp tausend Seiten) Buch selbst kaufen mußte. Diese Runde (mit Autorenbegleitung) ging schief, wie ich es selten erlebt habe.


    Möglicherweise gibt es aber heute auch zu viele Bücher, die an und für sich nicht so sehr leserundengeeignet sind? Ein Auto, dessen Karosserie sich nur nach dem CW-Wert richtet, bietet dem Wind kaum noch Angriffsfläche. Ein Buch, das nach den (angeblichen?) Lesegewohnheiten ausgerichtet und darauf zugeschnitten wird, demgemäß kaum noch "Angriffspunkte" für Diskussionen? Manchmal will es mir so scheinen.


    Ich denke, zeitgemäß sind Leserunden auf jeden Fall. Wesentlich fürs Gelingen sind mE die richtige Buchauswahl, ein leserundengeeignetes Buch und die dazu "passenden" Leser. Aber vielleicht ist die heutige Auswahl an Büchern so groß geworden, daß es eines Glücksfalles bedarf, daß alle drei Dinge gleichzeitig zutreffen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Leserunden finde ich toll, das kannte ich vor dem Eulenforum noch gar nicht und hatte auch noch nichts derartiges mitgemacht. So arg viele waren es bis jetzt noch nicht, 6 Runden über's letzte Jahr verteilt, dazu in diesem Jahr noch drei private LR, und das finde ich mengenmäßig genau richtig. Öfter wäre mir das zuviel, glaube ich. Dabei gewesen ist alles, offizielle Runden mit gekauftem Buch, offizielle Runden mit Gratis-Exemplar, Runden mit und ohne Autor, und gerade haben wir eine kleine private LR nur zu dritt.


    Einen Abbruch in einer offiziellen LR hatte ich auch schon, das war bei meiner allerersten. Da war ich sehr froh, dass ich keines dieser Gratisbücher hatte, sondern es mir selbst gekauft hatte, so musste ich kein schlechtes Gewissen wegen dem Abbruch haben und hatte auch nicht das Gefühl, ich hätte diese Vereinbarung "Gratisbuch gegen Beiträge und Rezension" nicht erfüllt.


    Ausgesucht habe ich mir nur Leserunden, bei denen mich das Buch wirklich richtig interessiert und angesprochen hat. Die habe ich auch mit Spaß und Freude mitgemacht und sie haben mir super gefallen, auch wenn die Bücher in der Qualität sehr unterschiedlich waren. Für Bücher, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie zeitmäßig unterbringe oder ob sie überhaupt etwas für mich sind, würde ich mich gar nicht erst anmelden, auch wenn es die Bücher kostenlos gäbe.


    Drei LR hatte ich mit einem zugelosten Gratis-Exemplar, und darüber hat sich ehrlicherweise mein Geldbeutel schon sehr gefreut. Vor allem bei dem letzten, das war ein gebundenes Buch für rund 20 Euro, und das merke ich mit meinem knappen Budget dann schon. Deswegen war es eine große Erleichterung für mich, dass ich mit einem Testexemplar teilnehmen konnte. Obwohl ich es auch kaufen würde, wenn es nicht genug Freiexemplare gäbe - ich will das Buch ja wegen des Inhalts lesen, nicht weil es nichts kostet.


    Ich suche also nicht gezielt nach Gratisbüchern bei Leserunden und schon gar nicht ist es ein Kriterium für eine Anmeldung, aber wenn ich an der Runde sowieso teilnehmen möchte, bin ich dann schon froh über die Chance, das Buch dazu kostenlos zu erhalten. Bei der Mitarbeit in der LR ist es dabei völlig egal, ob ich etwas für das Buch gezahlt habe oder nicht, ich gebe mir immer Mühe, etwas Sinnvolles zur Runde beizutragen und mitzudiskutieren. Und da ich ein Vielschreiber bin, fällt mir das auch nicht schwer.


    Bei Leserunden mit Autorenbegleitung bin ich mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll, da hatte ich auch erst zwei. Einerseits hat es schon Spaß gemacht und war auch sehr intensiv und informativ, andererseits empfand ich diese beiden LR doch irgendwie als "Lesen unter verschärfter Beobachtung", und das behagt mir nicht. Vielleicht muss man sich aber auch erst daran gewöhnen, dass der Verfasser des Textes dabei ist ... da zu kommentieren ist doch etwas anderes, als unter Nur-Lesern, so habe ich das jedenfalls empfunden.


    Ganz allgemein finde ich das Prinzip "Leserunde" klasse, für mich ist es eine tolle Bereicherung meines "Lese-Alltags" :love:


    Ich glaube auch nicht, dass Leserunden generell nicht zeitgemäß oder überholt sind, eher glaube ich, dass es gerade die Anpassung an den aktuellen Zeitgeist ist, die kritische Fragen und Unmut aufwirft, eben diese ganze Kommerzialisierung der Leserunden in ihrer "offiziellen" Form.


  • Möglicherweise gibt es aber heute auch zu viele Bücher, die an und für sich nicht so sehr leserundengeeignet sind? Ein Auto, dessen Karosserie sich nur nach dem CW-Wert richtet, bietet dem Wind kaum noch Angriffsfläche. Ein Buch, das nach den (angeblichen?) Lesegewohnheiten ausgerichtet und darauf zugeschnitten wird, demgemäß kaum noch "Angriffspunkte" für Diskussionen? Manchmal will es mir so scheinen.

    Da kann ich dir nur zustimmen!

    Der Markt wird überschwemmt mit Massen von anspruchslosen, glatt gelutschten, weich gespülten Büchern ohne Ecken und Kanten. Natürlich gibt´s dafür ein Publikum, keine Frage, sonst würde dieses Zeug sich ja nicht verkaufen, aber für lebendige Leserunden ist solcherlei oberflächliche Primitivliteratur nicht geeignet. Was sollte man denn auch Erhellendes, Konstruktives oder gar Tiefsinniges darüber austauschen? Da bleibt eben nur die Flucht in "finde die Protagonistin sehr nett", "der Sowieso ist mir aber unsympathisch" oder ähnlich belangloses Geschwafel.

  • Bei Leserunden mit Autorenbegleitung bin ich mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll, da hatte ich auch erst zwei. Einerseits hat es schon Spaß gemacht und war auch sehr intensiv und informativ, andererseits empfand ich diese beiden LR doch irgendwie als "Lesen unter verschärfter Beobachtung", und das behagt mir nicht. Vielleicht muss man sich aber auch erst daran gewöhnen, dass der Verfasser des Textes dabei ist ... da zu kommentieren ist doch etwas anderes, als unter Nur-Lesern, so habe ich das jedenfalls empfunden.

    Deine Bedenken sind verständlich, aber du macht dir da unnötige Gedanken, finde ich. Denk einfach mal daran, dass Autoren ja ständig mit Kritiken leben müssen (zumindest, wenn sich ihre Bücher einigermaßen verkaufen), und die kommen aus allen möglichen Ecken: von Kritikern, von geschulten oder weniger geschulten Rezensenten, von kenntnisreichen oder eingebildeten Journalisten, von Bloggern - und auch von LeserInnen. Da ist es - und das habe ich oben in meinem Beitrag zu erläutern versucht - geradezu eine Erholung, sich einmal in kuscheliger Forumsrunde mit seinen LeserInnen austauschen zu können.


    Autoren sind doch keine Zensoren, die über Gut oder Schlecht eines Leserbeitrags zu befinden hätten! Autoren schreiben Bücher - that´s it -, und die einzige Instanz, die für sie wirklich von Bedeutung ist, sind die LeserInnen. Umso schöner, hin und wieder die Gelegenheit zu bekommen, in einer Leserunde mit VertreterInnen dieser höchsten Instanz in engen Kontakt zu treten und ihre WIRKLICHE Meinung zum Buch zu erfahren.

    Natürlich freut man sich über begeisterte Reaktionen, das ist doch sonnenklar, aber wenn´s nicht gefällt, wäre falsche Rücksichtnahme völlig fehl am Platze, denn der Autor begibt sich freiwillig in eine solche Leserunde. Und bei den Eulen weiß er, dass hier nicht alles weichgespült wird. Was gut ist.

  • Natürlich gibt´s dafür ein Publikum, keine Frage, sonst würde dieses Zeug sich ja nicht verkaufen, aber für lebendige Leserunden ist solcherlei oberflächliche Primitivliteratur nicht geeignet.

    DAS finde ich nun einen sehr gewagten Ausspruch.... und sehr arrogant !

    Manch einer hat auch einen Krimi/Thriller schon als Trivialliteratur betitelt, weil da auch IMMER jemand mordet und die Charaktere sehr eindeutig mit Gut und Böse verteilt sind.

    Auch bei einem eher leichten Roman finden sich genügend Punkte, um darüber zu diskutieren, wenn man denn möchte.

  • Zum Thema Leserunde mit Weichspülerbuch fallen mir spontan "Ohne ein einziges Wort" vom letzten Jahr und aktuell "Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende" ein. Bei beiden hatte ich ein Leseexemplar und war froh drum, weil ich vor allem bei ersterem sonst quergelesen hatte. Zu beiden gab es Pro und Kontra Stimmen und ich fand die Diskussion durchaus interessant ... Diskutieren lässt sich über jedes Buch, wenn man aufmerksam liest und auch Lust auf Diskussionen hat.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Natürlich gibt´s dafür ein Publikum, keine Frage, sonst würde dieses Zeug sich ja nicht verkaufen, aber für lebendige Leserunden ist solcherlei oberflächliche Primitivliteratur nicht geeignet.

    DAS finde ich nun einen sehr gewagten Ausspruch.... und sehr arrogant !


    Manch einer hat auch einen Krimi/Thriller schon als Trivialliteratur betitelt, weil da auch IMMER jemand mordet und die Charaktere sehr eindeutig mit Gut und Böse verteilt sind.


    Auch bei einem eher leichten Roman finden sich genügend Punkte, um darüber zu diskutieren, wenn man denn möchte.

    Danke Mariion , ich kann mich deinem Beitrag nur anschließen!

  • Ich weiß nicht, ob man damit den Leuten nicht was unterstellt, also dieses abarbeiten. Ich habe schon Leserunden mit Buchgewinn mitgemacht die hatten alles. Engagement, Austausch und interessante Ansichten. Genauso gab es aber auch Runden auf die die Beschreibung "nur Inhaltsangaben" zutraf. Da verliere ich auch die Lust auf intensiven Austausch. Ich poste aber trotzdem meine Meinung, bin dann halt enttäuscht, wenn man keine Rückmeldung bekommt, wie andere das sehen.

    Trotzdem lasse ich mich dadurch nicht davon abbringen, mich auch an Leserunden zu freien Büchern mitzumachen, da ich da auch austesten kann was ich mag oder nicht. Bei Büchern die mich dann wirklich interessieren bin ich auch dabei, wenn ich nicht gewinne.

    Deswegen schrieb ich ja manche und nicht alle ;)

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Deine Bedenken sind verständlich, aber du macht dir da unnötige Gedanken, finde ich. Denk einfach mal daran, dass Autoren ja ständig mit Kritiken leben müssen (zumindest, wenn sich ihre Bücher einigermaßen verkaufen), und die kommen aus allen möglichen Ecken: von Kritikern, von geschulten oder weniger geschulten Rezensenten, von kenntnisreichen oder eingebildeten Journalisten, von Bloggern - und auch von LeserInnen. Da ist es - und das habe ich oben in meinem Beitrag zu erläutern versucht - geradezu eine Erholung, sich einmal in kuscheliger Forumsrunde mit seinen LeserInnen austauschen zu können.


    Autoren sind doch keine Zensoren, die über Gut oder Schlecht eines Leserbeitrags zu befinden hätten! Autoren schreiben Bücher - that´s it -, und die einzige Instanz, die für sie wirklich von Bedeutung ist, sind die LeserInnen. Umso schöner, hin und wieder die Gelegenheit zu bekommen, in einer Leserunde mit VertreterInnen dieser höchsten Instanz in engen Kontakt zu treten und ihre WIRKLICHE Meinung zum Buch zu erfahren.

    Natürlich freut man sich über begeisterte Reaktionen, das ist doch sonnenklar, aber wenn´s nicht gefällt, wäre falsche Rücksichtnahme völlig fehl am Platze, denn der Autor begibt sich freiwillig in eine solche Leserunde. Und bei den Eulen weiß er, dass hier nicht alles weichgespült wird. Was gut ist.

    Falsche Rücksichtnahme wäre sicher fehl am Platze, und wenn mir ein Buch nicht gefällt, möchte ich das auch ohne Maulkorb sagen dürfen. Aber Rücksichtnahme an sich finde ich im Umgang mit anderen nie verkehrt, deswegen bin ich da schon bestrebt, Kritik oder Anmerkungen so anzubringen, dass sich der Autor nicht beleidigt oder gar angegriffen fühlt. An den Kritikpunkten ändert sich dabei ja nichts, aber möglicherweise an der Wortwahl. Ich kenne mein Gegenüber nicht, und so lange ich nicht einschätzen kann, wie es auf meine Worte reagiert, bin ich eben lieber ein wenig zurückhaltender in den Formulierungen.


    Natürlich ist es ein rein subjektives Empfinden, aber ich hatte in meinen bisherigen Runden schon ein wenig das Gefühl, dass ich ohne Beisein des Autors etwas freier kommentieren kann, weil ich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Wenn ich weiß, dass der Autor mitliest und dass ich mit meinem Geschriebenen ja auch eine Reaktion bei ihm auslöse, überlege ich einfach genauer, was ich schreiben will. Aber das dauert natürlich länger und ist für jemanden, der sonst immer redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, manchmal echt anstrengend ^^


    Aber ich denke, wenn man einige solcher Runden mitgemacht hat, hat man mit der Zeit sicher den Bogen raus und findet da eine gute Balance zwischen zu viel Rücksicht und zu direkten Worten :)

  • Danke Mariion , ich kann mich deinem Beitrag nur anschließen!

    Ihr Lieben, ihr wollt das doch wohl nicht ernsthaft bestreiten:

    Der Markt wird überschwemmt mit Massen von anspruchslosen, glatt gelutschten, weich gespülten Büchern ohne Ecken und Kanten,

    oder?

    Und je weniger ein Buch zu Interpretationen herausfordert, desto weniger ist es eben für Leserunden geeignet, finde ich. DAS habe ich gesagt, und daran ist m. E. nichts auszusetzen.

  • Na ja, aber Interpretationsspielraum lassen diese Bücher nicht wirklich, da muss ich Dieter Neumann schon Recht geben. Ich lese ja selber zur Entspannung gerne Urban Fantasy oder Romantikschmöker, in einer Leserunde sind mir dennoch Bücher lieber, zu denen man spekulieren, miträtseln oder über die man auch mal streiten kann. Natürlich kann man das bei Liros auch, aber es gibt einfach weniger Ansätze für Diskussionen.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis