(Kleinere) Inhaltliche Fehler in Büchern - lest Ihr weiter oder nicht?

  • Ich lese ein Buch weder tintenpisserig noch erbsenzählerisch.
    Insofern kann ich über kleine Fehler großzügig hinwegsehen. Und wer ohne Fehler ist, der werfe doch bitte den ersten Stein.
    Aber aufgrund der eigenen Unfehlbarkeit macht es natürlich Sinn, sich über kleine Fehler unendlich aufzuregen.


    Viel schlimmer ist es doch, wenn ein Buch plump, platt und plakativ versucht - bzw. die Autorin/der Autor - eine Message rüberzubringen. Das ärgert mich.
    Als Beispiel darf ich hier das grauenvolle Buch "Macht" der "Sie-kann-absolut-nix" Karen Duve anführen. Da werden abstruse Pseudovisionen mit dem Holzhammer präsentiert.


    Darüber sollte man sich erregen - aber nicht über kleine Fehlerchen.......

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Nein, bei kleinen Fehlern lege ich das Buch nicht weg, auch wenn sie sich häufen. Nur wenn es wirklich den Plot beeinflusst, oder schwer zu lesen wird würde ich dafür ein Buch abbrechen.


    Mir fällt sowas nämlich schnell auf, gerade Kleinigkeiten um Alter oder Abläufe bemerke ich oft, man könnte mich da pedantisch nennen. Aber ich möchte das niemandem vorwerfen, wenn es doch 99% der Leser eh nicht auffällt.


    Wenn es wirklich so viel ist, dass es mich nervt, wird der Autor halt fürs nächste mal von der To-Read Liste gestrichen.

    "I have to finish this report to the princess summarizing all my other reports to the princess."

  • Ich lese das Buch weiter, ich finde so etwas Menschlich, wem passieren nicht schon mal kleine Fehler.
    Ich hatte mal so ein Buch mit ein paar verdrehten Sätzen, Ich habe mir die Seiten notiert und den Verlag auf die Fehler aufmerksam gemacht.
    Man hat sich sogar bedankt, das war doch etwas :-)

  • Fehler sind in so vielen Büchern drinnen. Wenn ich die alle abbrechen würde, könnte ich ja kaum noch welche zu Ende lesen. Ich gucke dann eher auf die Anzahl der Auflage und wundere mich bei höherer Auflage darüber, dass die Fehler noch nicht korrigiert wurden.

  • Zitat

    Original von xexos
    Fehler sind in so vielen Büchern drinnen. Wenn ich die alle abbrechen würde, könnte ich ja kaum noch welche zu Ende lesen. Ich gucke dann eher auf die Anzahl der Auflage und wundere mich bei höherer Auflage darüber, dass die Fehler noch nicht korrigiert wurden.


    Das bringt mich zu einer Frage:
    Meldet ihr solche Fehler irgendwo? Schreibt ihr dem Verlag, dem Autor, auf der Fb-Seite? :gruebel


    Ich mach das bei Fachbüchern, wenn zum Beispiel eine Entscheidung falsch zitiert ist, wüsste aber nicht, ob ich das bei einem Roman auch tun würde. :gruebel

  • Zitat

    Original von Prombär


    Das bringt mich zu einer Frage:
    Meldet ihr solche Fehler irgendwo? Schreibt ihr dem Verlag, dem Autor, auf der Fb-Seite? :gruebel


    Ich mach das bei Fachbüchern, wenn zum Beispiel eine Entscheidung falsch zitiert ist, wüsste aber nicht, ob ich das bei einem Roman auch tun würde. :gruebel


    Interessante Frage. Bei einem Roman habe ich das noch nie gemacht. Nur bei einem Reiseführer habe ich mal an den Verlag geschrieben, dass in einem Ortsnamen ein Buchstabe gefehlt hat.

  • Danke für Eure bisherigen Antworten.


    Zu meinem Beispiel muss ich vielleicht erklärend hinzufügen, dass diese Tante vor Jahren gestorben ist und der Protagonist seiner Tochter von ihr erzählt. Daher beziehen sich beide Aussagen: "Ich weiß nicht, wovon sie gelebt hat." und "Sie arbeitete als Näherin." auf eine Zeit, in der der Protagonist so um die 14 war.


    Voltaire : natürlich ist niemand fehlerfrei. Und ich suche gewiss nicht nach Fehlern in Büchern (ich wär sogar eher froh, wenn ich sowas gar nicht bemerken würde), aber mir fallen solche Dinge auf, ich werde stutzig. Und muss die entsprechende Passage dann nochmal lesen. In diesem Fall ziemlich unkompliziert, aber häufig kommt sowas nach zig Seiten vor, dann muss ich zurückblättern, um mich zu vergewissern, ob dem Autor da nun ein Fehler unterlaufen ist oder ich mich vielleicht falsch erinner. Das stört mich nunmal in meinem Lesefluss. Und bei einem Thriller weiß man ja nie. Vielleicht ist das irgendwann mal wichtig für die Handlung, ob Person XY als Schreiner gearbeitet hat oder doch als Koch oder arbeitslos war.


    Die Idee, solche Sachen dem Verlag zu melden, damit sowas für eine evtl. nächste Auflage korrigiert werden kann, finde ich gut. Vielleicht mach ich das.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Frettchen ()

  • Ich weiß jetzt nicht wieso man eine legitime Kritik an einem Text (logische Fehler) gegen eine andere legitime Kritik (zu Message-lastig) ausspielen muss.


    Was die inhaltlichen Fehler angeht: für mich ist das eine Vertrauensfrage. Hat der Autor die Geschichte im Griff? Vertraue ich dem Autor, dass er die Geschichte überhaupt erzählen kann?


    Ein einzelner, logischer Fehler, muss kein Showstopper sein. Kann mir vorstellen, dass sich gerade beim Überarbeiten eines Textes Fehler einschleichen (da werden vielleicht Namen oder Charaktereigenschaften geändert und eine Stelle übersehen, oder Schauplätze werden verlegt etc.). Wiederholt sich das aber, dann ist der Autor offensichtlich nicht in der Lage mir die Geschichte zu erzählen. Tritt dieser Zweifel schon früh ein, dann verliere ich das Vertrauen, dass es sich das ändern wird und ich breche ab...

  • Ich breche Bücher nur ab, wenn sie langweilig sind. Kleinere Fehler überlese ich meist. Inhaltliche hab ich auch schon öfter gefunden bei SP und auch bei Verlagsbüchern. Da lag z.B. plötzlich mal eine Leiche im Schuppen, die vorher im See entsorgt wurde...Hab dann schon dran gedacht den Autor/Verlag zu informieren, damit sies ändern können...

  • Zitat

    Original von xexos

    In einer Leserunde erwähne ich den gefundenen Fehler meistens, den Verlag schreibe ich dafür aber nicht extra an.


    Wobei die Verlage - meines Wissens nach - wirklich dankbar sind für jeden Hinweis auf irgendwelche Fehler!


    So ein grober Schnitzer wie die oben erwähnte Leiche, die ohne Hilfe vom See in einen Schuppen gelangt - so etwas ist für mich eine unentschuldbare Schlamperei seitens des Autors.


    Es gibt sicherlich viele Gründe -Voltaire hat da einen guten Punkt genannt - die Buchpublikationen auf Herz und Niere zu prüfen! Zu vieles wird hier schlampig rausgerotzt, zu vieles kann sich auch der oberflächlichen Prüfung des reinen Unterhaltungslesers nicht wirklich stellen.


    Die einzige Möglichkeit dem Abhilfe zu verschaffen ist der Leser; indem er den Verlagen schreibt und diese Fehler bemängelt.


    Auch die großen Verlage - die, von denen man annehmen könnte bei den Abverkaufszahlen kümmere sie das nicht - nehmen Kritik ihrer Kunden/ Leser sehr ernst!


    Niemand sollte hier Geld für mangelhafte Ware ausgeben!

  • Ja, das hast du recht, Bodo!


    Ach ja - was ich tatsächlich abbreche, sind ebooks von Möchtegern-Autoren, die grottenschlecht vom Sprachstil her sind und auch noch falsche Grammatik und Satzzeichen in Hülle und Fülle aufweisen. Das regt mich dann doch so auf, dass sich solche Leute tatsächlich für Schriftsteller halten, dass ich abbrechen muss. :rolleyes

  • Zitat

    Original von Frettchen
    Danke für Eure bisherigen Antworten.


    Zu meinem Beispiel muss ich vielleicht erklärend hinzufügen, dass diese Tante vor Jahren gestorben ist und der Protagonist seiner Tochter von ihr erzählt. Daher beziehen sich beide Aussagen: "Ich weiß nicht, wovon sie gelebt hat." und "Sie arbeitete als Näherin." auf eine Zeit, in der der Protagonist so um die 14 war.
    ...


    Spontan hätte ich das jetzt so interpretiert, dass die Tante zwar genäht hat, aber damit so wenig Geld verdient hat, dass der Erzähler nicht weiß, wovon sie tatsächlich gelebt hat. Das sind ja schon zwei Paar Schuhe.


    Mich ärgern nicht alle Fehler gleichermaßen. Rechtschreibung, Grammatik und ähnliche würden mich erst ab einer Häufung stören, mit der ich von einem Desinteresse des Autors ausgehen kann. Fehler macht jeder und wenn da mal was übersehen wurde, ist das eben so.


    Recherchefehler sind schon spaßhemmender, wenn ich denn über das Thema so weit informiert bin. Sonst würde ich es gar nicht merken. Aber auch da gestehe ich den Autoren ein gewisses Maß an dichterischer Freiheit zu, wenn es denn der Spannung dient.


    Was für mich gar nicht geht, sind eklige Handlungen bei denen mir der Mageninhalt wieder hochkommt. Ich habe vor Monaten einen Thriller abgebrochen, weil es einfach nicht zum Aushalten war. Da habe ich mich aber auch nicht beschwert, sondern das Genre einfach unter "nix für mich" abgehakt.


    Ich stimme euch in jeder Hinsicht zu, dass eine hingeschluderte Arbeit auch nicht lesenswert ist. Wer eine Leiche doch noch aus eigener Kraft den Ort wechseln lässt und es nicht als "Geisterroman" kennzeichnet, sollte auch wissen, dass die aufmerksamen Leser das nicht weiter lesen. Ich mag es auch nicht, wenn unplausibel aufs Ziel zugesteuert wird, es mit einem Zufall doch alles noch geht, auch wenn dafür beängstigend an den Haaren gezogen werden muss oder wenn sich die Nebensächlichkeiten ins Unermessliche türmen. Manchmal wundert man sich ja, dass der Schreiber selbst nicht eingeschlafen ist. Meist lese ich dann aber recht fix noch bis zum Schluss und verfasse lieber meine Bewertung weniger begeistert.

  • Zitat

    Original von Büchersally



    Mich ärgern nicht alle Fehler gleichermaßen. Rechtschreibung, Grammatik und ähnliche würden mich erst ab einer Häufung stören, mit der ich von einem Desinteresse des Autors ausgehen kann. Fehler macht jeder und wenn da mal was übersehen wurde, ist das eben so.


    So geht es mir auch. Wenn es so gehäuft ist, dass man das Gefühl hat, der Autor habe das Buch mal so eben nebenbei hingeschludert, dann breche ich auch mal ab.


    Was mich neben schweren inhaltlichen Fehlern nervt, sind Fehler oder Unsauberheiten des Übersetzers.
    Zuletzt hat mich das bei Dr. Sleep von Stephen King maßlos gestört und ich hätte fast das Buch in die Ecke geworfen. Der Übersetzer hat den Genitiv konsequent ignoriert. Da frage ich mich, ob ein so renomierter Verlag wie Heyne kein Lektorat einsetzt... und das bei einem Top-Titel... :bonk

  • Zitat

    Original von wirbelwind
    Kleinere Fehler nerven mich nicht. Richtige Logikfehler oder fallengelassene Handlungsstränge hingegen sehr.
    Was mich auf die Palme bringt sind gehäufte Rechtschreibfehler.


    :write
    So ist es bei mir auch.


    Je nachdem wie sich das Buch bisher liest, breche ich bei Logikfehlern eventuell auch ab.

  • Wenn das nur ein kleiner Fehler war, stört mich das schon.
    Ich lege das Buch zwar nicht gleich weg, aber irgendwo bleibt es haften und ich lese alles kritischer.


    Was mich wirklich stört ist, wenn ich z.B. in einem Buch zum so und soundsovielten Mal lesen muss, dass der Kommissar seinen Tee mit Pfefferminzblättern im Schwarztee bekommt, weil er das gerne mag. Einmal reicht oder hält der Autor seine Leser für ein bisschen blöde?

    Und richtig ärgerlich werde ich, wenn der Autor eines Buches den Kommissar oder irgendjemand anderen einen Krimi lesen lässt und dabei den Titel des Krimis und den Namen des Autoren sehr ausführlich angibt (eigentlich fehlt nur noch die ISBN-Nummer), wenn das überhaupt nichts mit der Handlung des Buches zu tun hat.

  • Kleinere logische Fehler bzw. grammatische Vergaloppierer können manchmal auch ganz amüsant sein. Ich muss zum Beispiel immer bei Zeitungsberichten schmunzeln, wenn die Polizisten zum Tatort kommen und dort als erstes gleich mal verhaftet werden (Von wem? Und was macht der noch vor Ort befindliche Täter?).


    Nein, ein Grund zum Abbruch sind kleinere logische Schnitzer und Rechtschreib-/Grammatikfehler für mich in Romanen (bei Sachbüchern bin ich pingeliger) nicht, solange sich die Geschichte insgesamt gut liest. Wenn der Text aber so vor Fehlern strotzt, dass ich nicht mehr erkennen kann, was der Autor mir eigentlich sagen will, dann ist der Ofen aus.

  • Bei einem oder zwei kleineren Fehlern lese ich weiter, vor allem, da ich dann wissen möchte, wie das Buch ausgeht, damit ich nicht immer nur an den/ die Fehler denke.


    Was mich schrecklich nervt, ist das Buch: LeYo!: Mein erstes Bildwörterbuch in 6 Sprachen (Pappenbuch)
    Gehört zur Serie: LeYo!
    von Sandra Ladwig, Ulla Bartl


    Es hat 30 Seiten, und im Buch heißen die Geschwister Lukas und Emma, aber hinten auf der letzten Seite plötzlich Lukas und Sophie - eine Verwechslung mit der Freundin von Lukas, die zweimal im Buch vorkommt. 30 Seiten, davon auf 7 Text, jeweils 3 oder 4 kurze Sätze. Ich hab's mittlerweile mit Edding korrigiert...

  • Laia : ich glaube, ich wär ausgeflippt :lache


    Auch wenn Voltaire ja meint, niemand sei fehlerfrei und manche wären eben tintenpisserig. Ein Autor hat einen Beruf wie andere auch. Beim Finanzbeamten sagt man ja auch nicht: och, da ist ihm ein Fehler unterlaufen, kein Problem, zahl ich halt was nach, obwohl mir eigentlich eine Rückzahlung zustünde.


    Und von einem Buch erwarte ich nunmal, dass alles logisch ist. Und orthographisch korrekt. Einen Fehler verzeih ich, zwei auch, vielleicht sogar drei. Aber dann hört es auch auf.


    Und ich merke, dass das stark davon abhängt, was man liest. Bei reiner Genreliteratur - Krimi, Thriller, Science-Fiction etc. - kommt mir sowas häufiger unter, als wenn ich als krasses Beispiel Dostojewski lese.


    Gibt man sich beim Lektorat solcher Klassiker mehr Mühe? Oder grundsätzlich bei Büchern, die als "höhere Literatur" gelten? Denn ich will nicht alle Fehler, die ich entdecke, immer dem Autor anlasten. Können ja auch teilweise z.B. einfach Druckfehler sein. Aber mich wundert schon dieser Unterschied. So arge Fehler finde ich immer nur in reiner "Unterhaltungsliteratur".


    Könnt Ihr das bestätigen? Oder habt Ihr auch schon mal bei Shakespeare, Dostojewski, Kafka etc. solche Fehler gefunden? Ich persönlich glaube ja, dass gerade bei so "In-Autoren" wie z.B. eben mein Robotham sicherlich auch einfach schlampig übersetzt wird. Das fehlende Lektorat tut dann sein übriges. Und zack. Wird aus einem vermutlich guten Buch ein ärgerliches.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor