Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus - Brigitte Riebe

  • ISBN:

    978-3805203371


    Über die Autorin (Amazon)

    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. "Jahre des Aufbaus" ist der Auftakt ihrer großen 50er-Jahre-Trilogie über drei Schwestern und ihr Kaufhaus am Ku'damm. Band 2, "Wunderbare Zeiten", erzählt die Geschichte der mittleren Schwester Silvie, der dritte Teil, "Tage der Hoffnung", widmet sich Nesthäkchen Florentine. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.


    Produktinformation (Amazon)

    Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

    Verlag: Wunderlich; Auflage: 1. (23. Oktober 2018)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 3805203373

    ISBN-13: 978-3805203371


    Eine sehr spannende Geschichte

    Im Prolog feiern wir die Wiedereröffnung des Kaufhauses Thalheim im Jahr 1932…

    Mai 1945. Rike versteckt sich, ihre Stiefmutter und ihre Schwestern in einem Keller… Bei ihnen ist noch eine Mutter mit Zwillingen… Obwohl sie selbst nicht viel haben…

    Und dann müssen sie raus…

    Doch zum Glück gibt es noch die Wohnung der Großmutter…. Viel können sie nicht mitnehmen. Aber sie nehmen die versteckten Nähmaschinen mit…

    Rikes Vater hatte vor dem Krieg noch ein noch ein Warenlager – Stoffe – versteckt… Und das hilft ihnen jetzt zu überleben….

    Doch die Stoffe sind zu kostbar, die Kleider zu teuer…. Daher kaufen sie Stoffe, aus Lumpen gemacht….

    Auch Rikes Freundin wohnt bei ihnen in Großmutters Haus…

    Eines Tages erhält Rike einen Brief von einem Schweizer Anwalt. Sie muss nach Zürich…

    Und dann gibt es da natürlich auch noch Silvie und Flori, Rikes Schwestern, die nicht immer auf das hören, was Rike ihnen sagt…

    Und Friedrich, Rikes Vater ist wegen etwas stocksauer…

    Haben die Talheims das Kaufhaus 1932 renoviert, weil Wiedereröffnung ist? Warum verstecken sich Rike und ihre Familie im Keller? Nur wegen der Bombardierung? Oder aus Angst vor den Besatzern? Wer hat die Mutter mit den Zwillingen dazugebeten? Rike? Sivlvie? Oder beide? Sie haben doch selbst nicht viel zu Essen? Warum müssen sie raus aus dem Haus? Wo gehen sie hin? IN Großmutters Haus? Warum können sie nur die beiden Nähmaschinen mitnehmen und sonst kaum noch was? Inwiefern hilft ihnen das versteckte Stofflager zu überleben? Warum sind die daraus gefertigten Kleidungsstücke zu teuer? Woher haben sie die Idee mit den Lumpen? Wer ist Rikes Freundin? Was hat Rike in Zürich zu tun? Weshalb hören Silvie und ´Flori nicht immer auf Rike? Warum ist Rikes Vater stocksauer? Alle diese Fragen - und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.


    Meine Meinung

    Im Prolog ist noch einigermaßen heile Welt, doch dann ist es zwölf Jahre später. Mai 1945, alle freuen sich auf die Befreiung durch die Alliierten, doch sie haben auch Angst vor dem was kommen mag. Diese Geschichte spielt in der Zeit von 1945 – 1951, 1932 war nur ein kurzer Abstecher. In einer Zeit, als mancher nicht wusste, wo er das Essen hernehmen sollte um nicht zu verhungern. In der Zeit der sowjetischen Blockade, als Westberlin einer Insel glich und die Westmächte die ‚Rosinenbomber‘ losschickten. Ich war schnell in der Geschichte drinnen und konnte mit den Protagonisten mitfühlen. Rike, die sich für ihre Geschwister und ihre Stiefmutter verantwortlich fühlte, da ihre Stiefmutter das nicht mehr konnte. In Silvie, die sich von Rike nichts vorschreiben lassen wollte. Ich fand es klasse, dass sie die Nähmaschinen mitnehmen konnten in Omas Haus und dort einen Aufbau wagten. Auch wenn er noch so klein war. Und dann der Brief aus Zürich. Ich habe mich schon gewundert, wieso Rike und nicht Friedrich? Aber ich denke, Rike hat das durchaus richtig gemacht, wie gewünscht. Der Schreibstil der Autorin ist, wie eigentlich immer, unkompliziert, denn es gab keine Fragen nach dem Sinn von Worten oder gar ganzen Sätzen. Das Buch hat mir gut gefallen, mich in seinen Bann gezogen und sehr gut unterhalten. Mit den Protagonisten habe ich mitgefiebert. Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch gelesen. Sehr gespannt bin ich auf die Fortsetzung! Von mir daher eine Lese-/Kaufempfehlung sowie volle Bewertungszahl.

  • Gestatten? Wir sind die Thalheims


    1932 eröffnet Friedrich Thalheim mit seinem jüdischen Partner Markus Weisgerber ein luxuriöses Kaufhaus in Berlin. Schon bei der Besichtigung kurz vor Eröffnung steht für die 12-jährige und älteste Tochter Rike fest, dass sie dieses einmal führen wird. Doch dann bricht der Krieg aus und nicht nur das Kaufhaus wird dem Erdboden gleich gemacht, sondern auch die Familie muss viele Schicksalsschläge hinnehmen. Während Mutter Alma bei einem Verkehrsunfall schon 1932 ums Leben kam, gerät Friedrich kriegsbedingt 1945 in Gefangenschaft, Sohn Oskar gilt als an der Front vermisst und die Töchter Rike, Silvie und Flori nebst Stiefmutter Claire sind auf sich gestellt, müssen beim Einmarsch der Russen sogar die Familienvilla verlassen und in die verwahrloste Charlottenburger Wohnung ihrer Großmutter einziehen. Doch Rike hält die Familie zusammen, arbeitet als Trümmerfrau, um den Lebensunterhalt zu verdienen und träumt weiter vom Wiederaufbau des Kaufhauses. Mit Freundin Miriam und Schwester Silvie schlägt sie sich tapfer durch die harte Nachkriegszeit und muss manche Durststrecke und Überraschung verdauen, bevor ihr Traum Wirklichkeit werden kann…


    Brigitte Riebe hat mit ihrem Buch „Die Schwestern vom Ku’damm: Jahre des Aufbaus“ den ersten Band ihrer Trilogie rund um die Thalheim-Schwestern vorgelegt, dass den Leser schon mit dem Prolog in den Bann zieht und unterschwellig einige Fragen aufwirft, bevor die Geschichte dann ab 1945 im ausgebombten Berlin weitergeht. Der Erzählstil ist flüssig, durchweg spannend und atmosphärisch dicht, die zerstörte Stadt Berlin nimmt vor dem inneren Auge des Lesers ebenso Gestalt an wie die Schutt wegräumenden Trümmerfrauen, die allesamt von der Hand in den Mund leben und durch die schwere Arbeit versuchen, sich und ihre Lieben irgendwie durchzubringen. Der historische Hintergrund wurde von der Autorin wunderbar und präzise recherchiert, so dass der Leser regelrecht bei den Anfängen des Wiederaufbaus hautnah mit dabei ist und gleichzeitig die Entbehrungen und die Sorgen der Menschen miterlebt. Neben der Lebensmittelknappheit fehlten auch warme Kleidung und Heizkohle. Dann kam die Abschottung der Stadt durch die Russen, die nur durch die Rosinenbomber und die Luftbrücke durchdrungen werden konnte und am Ende die Währungsreform einläutete. Die Autorin lässt neben ihrer Familiengeschichte um die Thalheims die Geschichte regelrecht Revue passieren, zauberhaft miteinander verwoben. Der Leser trifft aber nicht nur auf verzweifelte Menschen, sondern vor allem auf jene Hoffnungsvollen, die am Leben sind und jede Minute nutzen, um für eine bessere Zukunft zu kämpfen.


    Die Charaktere wurden liebevoll so individuell wie einzigartig ausgearbeitet und mit viel Herzblut zum Leben erweckt worden. Sie wirken authentisch und real, weshalb es dem Leser nicht schwer fällt, sich mit ihnen zu identifizieren und sich als Teil der Familie zu fühlen, um mit ihnen zu leiden, zu hoffen, zu bangen und zu lieben. Rike ist eine patente junge Frau, die schon früh weiß, was sie will. Unbeirrt, voller Energie und über jeden Stolperstein geht sie fokussiert ihren Weg und hält dabei noch die ganze Familie samt Freunden zusammen. Sie ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und sich so im Herzen des Lesers einschleicht und dort vor Anker geht. Silvie ist Rikes jüngere Schwester, die sich ihrer Attraktivität sehr wohl bewusst ist und dies auch in vollen Zügen ausnutzt. Sie gewinnt schnell jedes Männerherz und zieht auch einige Vorteile daraus. Mit ihrer rauchigen Stimme macht sie bald Karriere beim Radio, aber auch die englischen Offiziere können sich ihrem emotionalen Gesang nicht entziehen. Silvie tanzt auf vielen Hochzeiten, und obwohl sie oftmals oberflächlich wirkt, in ihren tiefsten Herzen liebt sie ihre Familie sehr. Florentine ist die jüngste Schwester, die ein Talent fürs Zeichnen hat und die Dinge anders sieht als andere. Sie ist rebellisch und sagt offen, was sie denkt, ein Freigeist, der sich erst noch entfalten muss. Vater Friedrich ist ein Kind seiner Zeit und denkt immer noch, Frauen gehörten an den Herd, obwohl er es seinen Töchtern verdankt, dass er überhaupt wieder mit der Familie vereint ist. Er ist ein Opportunist und oftmals auch ein Egoist, der die Wahrheit, dass sich die Zeiten geändert haben, nicht wahrhaben möchte. Miriam ist Rikes Freundin und gleichzeitig Jüdin. Sie hat sich selbst durch das Kriegsgeschehen geschlagen, ihr Talent, mit der Nähmaschine zu zaubern, dabei aber nicht verloren. Miriam träumt von der großen Liebe und ist herrlich emotional, man muss sie einfach lieben. Aber auch die anderen Charaktere wie z.B. Onkel Carl, Tante Lydia oder Ben verleihen der Handlung ihren Zauber und dürfen einfach nicht fehlen.


    „Die Schwestern vom Ku’damm: Jahre des Aufbaus“ ist ein großartiger, fesselnder und gefühlvoller Roman, der den Leser schon mit dem ersten Band verzaubert und Sehnsucht auf mehr macht! Wunderbar gelungen – Chapeau! Absolute Leseempfehlung für das Highlight 2018!

    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben"(Oscar Wilde) :)

    "Bücher sind wie Drogen, nur ohne die Gefahr einer Überdosierung" (Karl Lagerfeld)

  • Das Buch:

    Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist… Quelle Amazon


    Die Autorin:

    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. "Jahre des Aufbaus" ist der Auftakt ihrer großen 50er-Jahre-Trilogie über drei Schwestern und ihr Kaufhaus am Ku'damm. Band 2, "Wunderbare Zeiten", erzählt die Geschichte der mittleren Schwester Silvie, der dritte Teil, "Tage der Hoffnung", widmet sich Nesthäkchen Florentine. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München. Quelle Amazon


    Meine Meinung:

    Die fantastische Brigitte Riebe hat mir hier mit Teil 1 der großen 50er Jahre Trilogie wundervolle Stunden gezaubert. In diesem ersten Band geht es ja um die älteste der Thalheim Schwester. Ulrike, genannt Rike.


    Der Schreibstil von Brigitte ist einmalig, unglaublich gefühlvoll aber mit viel Kraft und Ausdruck. Man trifft hier auf wunderbare Protagonisten mit soviel Charakter, das man beinah glaubt, man würde sie persönlich kennen. Rike ist eine unglaublich willensstarke junge Frau, unglaublich mutig, die immer daran glaubt, das man das zerstörte Thalheim Kaufhaus wieder aufbauen kann, egal wie schwer das wird. Und der Neuanfang ist schwer, verdammt schwer, ganz klein mussten sie wieder anfangen, in einer kleinen Wohnung nähen sie die Kleider, damit die Damen nach dem Krieg wieder Kleider haben, die toll aussehen und glücklich machen.

    Das dieser Weg nicht immer leicht ist, beschreibt Brigitte auf eine ehrliche, aber spannend geschriebene Weise. Das es dunkle Familiengeheimnisse gibt, macht dieses Buch natürlich noch interessanter, ich liebe so etwas extrem. Und Rike ist in diesem band einfach auch die Große und Vernünftige, das kommt ganz klar rüber, an die Art von Silvie musste ich mich erst gewöhnen und Flori ist eben hier noch fast ein Kind. Das Rike auch Gefühle hat und noch sehr jung ist und noch alles vor sich hat geht dabei natürlich manchmal unter, aber das ist ja oft bei Ältesten so. Aber auch in ihrem Leben spielt die Liebe eine Rolle und auch das wird von Brigitte so wunderschön und warmherzig erzählt. Mir gefällt besonders gut, das jeder Charakter so wahnsinnig viele Facetten hat, mal gute, aber auch weniger schöne Seiten, wie bei jedem von uns. Und so mag man eben den einen mehr, den anderen vielleicht nicht ganz so sehr. Man kann mit jedem irgendwie so mitgehen, bei schönen Dingen und auch bei schwierigen Sachen so schön mitleiden. Kein Charakter ist oberflächlich oder schlecht beschrieben, man lernt alle richtig gut kennen. Wie gute Freunde. Man macht wirklich eine Zeitreise, denn auch das Berlin von damals ist unglaublich detailliert beschrieben.


    Das Buch endet dann mit einer Überraschung und sorgt somit dafür das man eigentlich sofort den nächsten Band lesen möchte...


    Ein abolutes Highlight in diesem Jahr, ein Buch das man gut eine Nacht gemütlich im Bett komplett durchlesen könnte


    Volle 10 Eulenpunkte von mir


    Ich möchte mich ganz herzlich beim Verlag für das wunderschöne Buch und bei Brigitte Riebe ganz herzlich für die schöne Leserunde bedanken<3<3:blume





  • Buchmeinung zu Brigitte Riebe – Jahre des Aufbaus

    „Jahre des Aufbaus“ ist ein Roman von Brigitte Riebe, der 2018 bei Wunderlich erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Trilogie „Die Schwestern vom Ku‘damm“.

    Zum Autor:

    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. "Jahre des Aufbaus" ist der Auftakt ihrer großen 50er-Jahre-Trilogie über drei Schwestern und ihr Kaufhaus am Ku'damm. Band 2, "Wunderbare Zeiten", erzählt die Geschichte der mittleren Schwester Silvie, der dritte Teil, "Tage der Hoffnung", widmet sich Nesthäkchen Florentine. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

    Klappentext:
    Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist…

    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich ins Berlin der frühen Nachkriegszeit geführt. Mit viel Sachverstand und historischen Wissen ist diese Geschichte gespickt, ohne aber dabei langweilig zu werden. Der Leser begleitet Ulrike Thalheim, genannt Rike, die mit ihren Schwestern Silvie und Florentine versucht, im Nachkriegsberlin Fuß zu fassen. Sie erweist sich als starke und durchsetzungsfähige junge Frau, der aber auch nicht alles gelingt. Sie muss auch den ein oder anderen Rückschlag verkraften, bleibt aber die Chefin unter den Geschwistern. Die zurückkehrenden Männer wollen später die Führungsrolle übernehmen, was zu einigen Komplikationen führt. Eingefügt in das Schicksal der Thalheim-Schwestern sind eine Vielfalt von Themen und Ereignissen, teils real und teils fiktiv. Ein wichtiges Thema des Buches ist die Frage der Schuld und der Mittäterschaft der deutschen Bevölkerung, welche die Autorin gerade an der Gründergeneration des Kaufhauses festmacht. Erfreulich ist, dass einige Figuren sind deutlich weiterentwickeln und teils einen überraschenden Weg einschlagen. Natürlich spielen auch Zufälle eine Rolle und Rike erfährt Unterstützung von vielen Seiten. Sehr gelungen sind die Beschreibungen der Lebenssituation der Menschen, die deutlich machen, wie schwer es die Menschen damals hatten. An manchen Stellen hat mich das Buch angeregt, mir weitere Informationen im Internet zu suchen, so z. B. zum ersten russischen Stadtkommandanten, der mir völlig unbekannt war, aber für die Stadt Berlin ein unglaublicher Glücksfall gewesen ist. Der Fokus liegt schon auf Rike, aber man erfährt auch viel von Personen aus ihrem Umfeld. Ein weiteres Highlight des Buches sind die Zeittafel und die Anmerkungen der Autorin.
    Auch der Schreibstil ist gelungen und ermöglicht eine flüssige Lektüre. Auch ein wenig Herzschmerz ist in die Geschichte eingearbeitet, auch weil sich nicht alle Wünsche und Hoffnungen der einzelnen Menschen erfüllen.

    Fazit:
    Mir hat die Lektüre des Buches viel Vergnügen bereitet. Gerade die vielen historischen Informationen sind das Salz in der Suppe. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    :Hörbuch Marlene Averbeck - Das Lichtenstein: Modehaus der Träume

    :lesend David Gordon - Tödlicher Coup

    :lesend Matthias Riedl - Mein Weg zur gesunden Ernährung

    :lesend Petra Durst-Benning - Die Fotografin: Die Stunde der Sehnsucht

  • Das Ende des Krieges bedeutet für die Bewohner in der Trümmerlandschaft Berlin keinesfalls ,dass der normale Alltag Einzug hält. Nun folgen Hungersnöte, kalte Winter, sowie die Unsicherheit der politischen Lage. Der Überlebenswille und die Hoffnung auf bessere Zeiten lassen sich gut nachempfinden.

    Durch die Familie Thalheim ist man mittendrin im Geschehen. Im Mittelpunkt steht Rike, die älteste Tochter, die ihren Traum, den Wiederaufbau des Modekaufhauses, nicht aufgibt. Für Rike ist es nicht leicht in der männlichen Geschäftswelt akzeptiert zu werden. Vorausschauend hat die Familie Besitztümer über den Krieg gerettet und versucht einen Wiederanfang.

    Es gibt die unterschiedlichsten Charaktere mit ihren Weltanschauungen in der Familie, dadurch kommt es zu lebhaften Diskussionen. Auch gibt es unverhoffte Überraschungen und Wendungen. Mit Rike erlebt man einen sehr vernünftigen Menschen, der manches hintenan stellt, aber auch Geheimnisse hat. Silvie kommt wesentlich unbeschwerter daher,versteht es aber gut zu feilschen und damit zum Unterhalt der Familie beizutragen. Flori kommt nun in ein Alter und beginnt die Vergangenheit zu hinterfragen.

    Miriam gehört mit zu den Figuren über die man gerne mehr gelesen hätte.


    Da dies der erste Teil einer Trilogie ist, bleiben noch einige Fragen offen. Vielleicht trifft man dann wieder auf liebgewordene Personen.


    Ein authentischer, lebendiger und unterhaltsamer Familienroman, der sich mit vielen Aspekten dieser Zeit befasst. Empfehlenswert!


    Vielen Dank an den Verlag für das Leseexemplar und der Autorin Brigitte Riebe für die Begleitung der Leserunde.

  • Titel: Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus

    Autor: Brigitte Riebe

    ISBN-10: 3805203373

    ISBN-13: 978-3805203371

    Erscheinungsdatum: 23.10.2018

    Verlag: Wunderlich

    Seiten: 432



    Zum Autor:

    Für promovierte Historikerinnen ist es nicht unbedingt typisch, dass sie historische Romane verfassen. Doch Brigitte Riebe, 1953 in München geboren, hat sich nach ihrer Tätigkeit als Lektorin genau dafür entschieden. Sie möchte, wie sie sagt, „Geschichte durch Geschichten erzählen.“ Ihr erster Roman, „Palast der blauen Delphine“, erschien 1994, zahlreiche weitere schriftstellerische Reisen in die Vergangenheit folgten. Inzwischen ist sie im 20. Jahrhundert angekommen mit "Marlenes Geheimnis" (Diana Verlag, 2017) und der Trilogie (Rowohlt/Wunderlich Verlag) über das Berlin der 50er Jahre: "Die Schwestern vom Ku'damm Band 1 - Jahre des Aufbaus". Die beiden weiteren Bände folgen.

    Zusammen mit Gesine Hirsch verfasst sie unter dem Pseudonym Felicitas Gruber die Regionalkrimis über die Giesinger Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth, bei Fans bekannt als "die kalte Sofie".

    Riebe lebt als freie Schriftstellerin in der bayerischen Landeshauptstadt.

    (Quelle: Brigitte Riebe-Seite bei Amazon)



    Kurzbeschreibung/Klappentext:

    Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist…




    Meine Eindrücke/Meinung:


    Im anfänglichen Prolog lernen wir gleich die Familie Thalheim kennen und dürfen deren großes Berliner Kaufhaus zu seinen goldenen Zeiten und in all seiner glitzernden Pracht und Herrlichkeit erleben. Der Besitzer, Friedrich Thalheim, platzt schier vor Stolz auf den großartigen Konsumtempel, den er erschaffen hat, auf seine Frau, seine wohlgeratenen Töchter und auf Oskar, seinen kleinen, verwöhnten Kronprinzen, der eines Tages sein Erbe antreten soll. In diesen Zeiten, im Jahr 1932, scheint die Welt noch völlig in Ordnung zu sein. 13 Jahre später jedoch liegt alles in Trümmern.


    Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte. Sie startet im Mai 1945, direkt nach Berlins dunkelsten Stunden, als die Frauen der Familie Thalheim sich in einem finsteren Keller zusammenkauern und auf die Schritte der russischen Soldaten lauschen, die draußen heran marschieren. Von einstigem Ruhm und Wohlstand ist ihnen kaum mehr als das nackte Leben geblieben, Vater Friedrich und Sohn Oskar sind in den Kriegswirren verlorengegangen, das Kaufhaus ist völlig zerbombt und mit ihm auch das Vermögen, das die Familie investiert hatte, so dass Claire Thalheim und ihre drei Töchter buchstäblich vor dem Nichts stehen.


    Aber mit diesem Nichts und ihrer Tatkraft wagen sie einen Neuanfang, und die Autorin versteht es, daraus eine fesselnde, bewegende Geschichte zu stricken. Als Leser war ich immer dabei, ich saß mit den Frauen im Keller und konnte ihre Furcht vor den nahenden Russen spüren, ihre Trauer um den Verlust ihres Zuhauses, ihre Sorge um den Verbleib ihrer Lieben, und später habe ich ihre aufkeimende Hoffnung gespürt, über ihren Überlebenswillen und über ihr beherztes Zupacken gestaunt, habe mit ihnen gehungert und gefroren und bin mit ihnen nach Lebensmittelmarken und Brennholz angestanden.


    Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und anschaulich und auch sehr lebendig, so dass ich mir die harten Nachkriegsjahre und das Elend, das sie mit sich brachten, wirklich gut vorstellen konnte. Dazu tragen auch die unglaublich vielen kleinen Details bei, welche die akribisch recherchierende Autorin geschickt und niemals zu aufdringlich in die Geschichte einflicht, sie lassen alles echt und authentisch wirken und den Leser das Erzählte hautnah miterleben. Gerade die Verknüpfung historischer Fakten mit einer fiktiven Geschichte finde ich hier sehr gelungen. Im Anhang des Buches findet sich außerdem noch eine kurzer Abriss über die Historie jener Jahre, so dass sich der Leser zeitlich gut zurechtfindet und einzelne geschichtliche Begebenheiten auch dort nachschlagen kann. (Ich Schnarchnase habe den Anhang leider erst hinterher entdeckt, aber auch da war er noch ziemlich hilfreich.)


    Viele Begebenheiten, welche die ehemalige Hauptstadt betreffen, waren mir als Nicht-Berliner gar nicht bekannt, wurden mir aber auf anschauliche und unterhaltsame Weise näher gebracht und haben meine Neugier geweckt. Der Leser erfährt viel über die Teilung Berlins, über die unterschiedlichen politischen Systeme, die hier aufeinanderprallen, über die Eigenheiten der vier Besatzungsmächte, über die Entstehung des Berliner Rundfunks, über die Trümmerfrauen, die Organisation von Lebensmitteln und Beschaffungsmaßnahmen auf dem Schwarzmarkt, über Berlinblockade und Rosinenbomber und über so vieles mehr, dass das Buch für mich nicht nur wunderbare Unterhaltung war, sondern auch eine interessante Chronologie des Berlins der unmittelbaren Nachkriegsjahre. Schöner und lebendiger kann man sich Geschichtsunterricht wirklich kaum vorstellen.


    Neben dem fundierten und amüsant vermittelten Fachwissen, das die Autorin einfließen lässt, haben mich vor allem auch die Figuren begeistert. Auf mich wirkten sie wie aus dem richtigen Leben gegriffen, es sind Menschen mit Fehlern und Schwächen, mit Ecken und Kanten und vielen Zwischentönen. Keiner von ihnen ist nur gut oder böse, nur schwarz oder weiß. Sie bleiben nicht statisch, sondern verändern und entwickeln sich und wachsen an ihren ungewohnten Aufgaben. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen, jeder hat sein eigenes Schicksal, seine eigenen Sorgen und Träume, und jeder kämpft auf seine Weise ums Überleben in diesen schrecklichen Zeiten.


    Gerade diese harten Nachkriegsjahre und der zermürbende Überlebenskampf in den Trümmern Berlins fordern jedes einzelne Familienmitglied bis aufs Äußerste und kehren die guten wie die schlechten Seiten der Figuren nach oben. Oft scheinen sie selbst ganz erstaunt über das, was in ihnen steckt, und das nicht immer nur im positiven Sinne. So wächst die bis dahin eher zurückhaltende Claire als Trümmerfrau über sich hinaus, die stets vernünftige Rike muss auf einmal große Verantwortung schultern und meistert das mit Bravour, die temperamentvolle Silvie entdeckt ihre Findigkeit und noch ganz andere verborgene Talente, und die Jüngste erprobt neben ihrem Maltalent auch ihre rebellische Seite. Auch Friedrich, der Patriarch und Familienvater, der nach Gefangenschaft und Gefängnisaufenthalt in den Kreis der Familie zurückkehrt, ist nicht mehr der Mann, der er vor dem Krieg war - selbst seine Lichtgestalt muss Federn lassen und zeigt Seiten, die man so nicht erwartet hätte.


    Im Lauf der Jahre bessert sich nach und nach die wirtschaftliche Situation der Familie und Ende der vierziger Jahre geht es dann auch flott wieder aufwärts. Gerade in diesem Teil ging mir einiges etwas zu schnell, das Erzähltempo ist hier sehr hoch und mir war es manchmal direkt ein bisschen zu rasant. Viele Ereignisse werden zwar angeschnitten, aber auch sehr schnell wieder abgehandelt, so dass da einiges recht oberflächlich bleibt. Das hätte ich mir stellenweise doch etwas ausführlicher gewünscht.


    Für mich persönlich waren es auch einige glückliche Zufälle zu viel, manchmal saß Fortunas Füllhorn schon recht locker und ließ überaus wohlwollend finanziellen Segen auf die Familie herabregnen, so dass gerade in wirtschaftlichen Belangen alles sehr glatt und reibungslos lief, für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr. Da hätten's gerne ein paar Schwierigkeiten und Hürden mehr sein dürfen, das hätte die Geschichte noch realistischer gemacht. Aber das ist auch alles, was ich zu meckern habe, und meine Lesefreude haben diese Dinge auch kaum trüben können.


    Den Weg von den Bombenkratern Berlins bis zum Wiederaufbau des Kaufhauses sechs Jahre nach Kriegsende geht man mit den Thalheims jedenfalls sehr gerne und schließt währenddessen die Familienmitglieder richtig ins Herz. So grundverschieden sie alle auch sind, zusammen schaffen sie das unmöglich geglaubte und erarbeiten sich wieder eine Zukunft. Jeder trägt auf seine Weise einen Teil dazu bei und auch wenn es bei den Thalheims desöfteren auch mal kracht und scheppert, halten sie zusammen und schaffen es schließlich auch mit Mut und Tatkraft, ihr Kaufhaus wieder zu eröffnen.


    Obendrein gibt es noch jede Menge zwischenmenschlicher Probleme und Konflikte, denn nicht jeder kommt mit jedem gleich gut aus, so dass die Beziehungen untereinander und somit auch die Geschichte immer spannend bleiben. Es entstehen Reibereien wegen der Machtverhältnisse in der Familie, es gibt falsche Beschuldigungen, Verrat, Streit und Geheimnisse genauso wie begrabene Träume, Freundschaften, Liebe, kleine Momente des Glücks und am Schluss einen großen Triumph.


    Mir hat diese spannende und fesselnde Familiengeschichte ausgesprochen gut gefallen und nun bleibt mir als Leser nur noch, sehnlichst auf Band 2 zu warten, was ich ganz sicher tun werde, denn ich brenne schon darauf, mehr über das weitere Schicksal der Familie Thalheim zu lesen.


    Bei der Autorin möchte ich mich herzlich für die nette Begleitung der Leserunde bedanken, vor allem auch für die unzähligen Hintergrundinfos und Einblicke in das Autorenleben, und natürlich auch für die Zeit, die sie uns gewidmet, und das Vergnügen, das sie uns bereitet hat. Beim Wunderlich-Verlag bedanke ich mich für das freundliche Bereitstellen eines Lese-Exemplares.

  • danke dir für diese schöne Rezi ! Hat Riesenspaß gemacht, hier mit dre im Forum zu kommunizieren<3

    Und was das "finanzielle Füllhorn" betrifft: ist die Geschichte einer Familie, die ein KAUFHAUS besaß - keine Würstelbude. Auch Opa Schubert war Fabrikant ...

    gefroren und gehungert haben sie trotzdem ...

  • Brigitte Riebe nimmt uns mit in das Berlin von 1945. Der Krieg ist gerade zu Ende, die Schwestern Thalheim harren im Keller der Familienvilla der Dinge, die da kommen. Der Vater beim Volkssturm, der Bruder an der Front im Osten vermisst.

    Als sie auch noch aus der Villa vertrieben werden, haben sie scheinbar alles verloren, wurde doch das Kaufhaus der Familie bereits im Krieg zerstört.

    Doch Rike hat einen Traum: Das Kaufhaus wiederaufbauen und dort wieder Kleider verkaufen, die Freude in das triste Nachkriegsleben bringen.

    Aus Rikes Sicht erleben wir das Kriegsende, die Währungsreform und die Berlin Blockade.


    Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, gerade über die Zeit so kurz nach dem Krieg, als sich in Berlin alles noch sortiert, gibt es ja noch nicht so viele Bücher.

    Was ich sehr interessant fand war, dass wir alles aus Rikes Blickwinkel sehen und damit auch nur ihre Einschätzung der anderen Personen mitbekommen. In den Folgebänden kommen dann ja ihre Schwestern Silvie und Florentine zu Wort, ich denke das wird dann spannend, wie die beiden ihre Familienmitglieder so sehen. Ich denke da wird sich das Bild des einen oder anderen sicher noch mal gewaltig ändern.


    Das Buch ließ sich super lesen, von der ersten Seite an lief das Kopfkino und man konnte sich gut vorstellen, welche Strapazen die Menschen damals auf sich nehmen mussten, um auch nur das Nötigste zum Leben heran zu schaffen.

    Auch das Rike ein Geheimnis für sich behalten musste und die Vergangenheit der Familie auf die eine oder andere Art die Gegenwart bestimmt, hat die Spannung nur erhöht.


    Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf die Folgebände, das wird bestimmt noch eine spannende Reise.

    Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!


    9 von 10 Punkte

  • Eine Geschichte, die mich von der ersten Seite an eingefangen hat.


    Schon der Prolog hat mir gefallen (was bei mir nicht so oft vorkommt :grin). Er wirft ein kurzes, aber bedeutsames Schlaglicht auf die Familie Thalheim im vorläufigen Zenit ihres Erfolges. Es ist der Tag der Wiedereröffnung des Kaufhauses Thalheim & Weisgerber im Juni 1932.


    Die eigentliche Geschichte setzt ein im Mai 1945. „Deutschland hat kapituliert. Hitler war tot und der mörderische Krieg endlich zu Ende“. Man spürt sehr schnell, dass in den vergangenen Kriegsjahren unglaublich viel passiert ist, was die Familie in ihren Beziehungen untereinander geprägt hat. Für mich ist es ein geschickter Schachzug, diese Dinge erst nach und nach ans Licht zu bringen. Das erhöht die sowieso schon bestehende Spannung auf eine besondere und subtile Weise.


    In diesem ersten Teil der Trilogie nimmt Rike, die älteste Thalheim-Tochter die Hauptrolle ein. Sie ist die starke Schwester, tatkräftig, vernünftig, die vieles mit sich selbst ausmacht, auch dann, wenn es Kraft kostet. Mit ihr als Dreh- und Angelpunkt erzählt Brigitte Riebe temporeich und kundig von den „Jahren des Aufbaus“ und verwebt dabei gekonnt die Geschicke der Familie mit dem Zeitkolorit. Sie lässt die Nöte der Menschen im geteilten Nachkriegsberlin lebendig werden, aber auch ihren zupackenden Pragmatismus mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der besondere Status der Stadt, die damit verbundenen Streitereien der Siegermächte, die Blockade und die alliierte Luftbrücke liefern einen spannenden Hintergrund, der den Roman besonders lesenswert macht.


    Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen trocken, ist es aber keineswegs, denn der Schwerpunkt liegt schon auf dem Unterhaltungsfaktor. Es geht auch um Stoffe, Kleider, Mode - das mag auf den ersten Blick ein bisschen oberflächlich erscheinen. Aber wie Rike, Silvie, Miri und all die anderen glaube auch ich daran, dass harte Zeiten voller Entbehrungen mit einem Hauch von Leichtigkeit erträglicher werden und ein neues Kleid zuversichtlicher in die Zukunft blicken lässt, selbst wenn es nur aus ehemaligen Lumpen hergestellt wurde.


    In der Familie geht es mitunter wenig harmonisch zu. In dieser Zeit des Aufbruchs strebt jeder in eine etwas andere Richtung, politisch, geschäftlich und in der Liebe - aber wenn es drauf ankommt stehen die Thalheims zusammen. Brigitte Riebes Figuren sind lebendig und glaubhaft, alle haben Stärken und Schwächen in unterschiedlicher Gewichtung, ganz wie im richtigen Leben. Und sie konnten mich auch mal überraschen, aus der Schublade herausspitzen, in die ich sie bereits einsortiert hatte :grin.


    Rike mochte ich sehr gern (und auch ihre Schwestern), aber mein besonderer Liebling ist ihre Freundin Miriam gewesen <3. Die kluge und einfühlsame Miri, die sich in den für sie besonders schweren Zeiten ihre Lebensfreude bewahren konnte, und über die Rike an einer Stelle sagt:“ Aus Nichts etwas Schönes erschaffen, das kann niemand so wie du“!


    Ich fand die Geschichte ausgewogen und eloquent erzählt, das Lesen hat mir viel Freude bereitet. Nun bin ich gespannt auf die Fortsetzungen, die zunächst aus der Perspektive von Silvie und im letzten Teil aus der von Florentine erzählt werden. Wie Streifi geschrieben hat, wird das ganz sicher interessant werden und so einiges in einem anderen Licht erscheinen lassen.


    Das Buch in einer so netten Runde lesen zu können, war ein besonderes Vergnügen. Ein herzliches Dankeschön an die aufmerksame Autorin und alle anderen, die das möglich gemacht haben :bluemchen.

  • Der Auftakt einer neuen Trilogie – Trilogien sind momentan in Mode und als Leserin bin ich im Vorfeld immer ein wenig gespalten. Einerseits mag ich Bücher, die aufeinander aufbauen, Protagonisten und Nebenfiguren erneut zu begegnen, andererseits bin ich auch ungeduldig auf eine Fortsetzung zu warten. Für Verlage und Autoren ist es auch ein Wagnis, kommt der erste Band nicht gleich bei der Leserschaft an, fallen Unzufriedene nach dem ersten Band der Serie als Anschlusskäufer weg.


    Brigitte Riebe erzählt meisterhaft und intensiv recherchiert die Geschichte der Familie Thalheim ab 1945. Die Trilogie spielt in Berlin. Auf dem Ku´Damm steht das Kaufhaus Thalheim, ehemals prachtvoll, doch 1943 zerstört. Vater Thalheim und sein Sohn sind nach dem Krieg noch nicht wieder heimgekehrt. Mutter und drei Töchter, davon zwei Erwachsene aus Thalheims erster Ehe, werden gezwungen den Besatzern ihre Villa zu überlassen. Die vier Frauen haben noch Glück, sie sind nicht obdachlos, denn sie besitzen noch die Schlüssel zur früheren Wohnung der Großmutter. Dort, auf wenig Raum richten sie sich ein. Die jüdische Tochter der großartigen Schneiderin , Miriam, hat während des 2. WK im Untergrund als gepflegte Blondine überlebt und wird kurzum auch noch mit in die 4-Mäderl-Wohnung aufgenommen. Die Mutter und ihre Stiefkinder werden zu Trümmerfrauen, während Miriam auf die jüngste Tochter aufpasst und mithilfe von Vorkriegsstoffen, die sicher versteckt waren, anfängt neue Kleider zu schneidern. Zwischen den Trümmern gibt es eine Modenschau von Thalheimkleidern. Dies ist der Beginn der Idee, irgendwann wieder einmal am Ku´Damm im früheren Haus Geschichte weiter zu schreiben und Frauen wieder schön anzuziehen.


    Das Buch setzt in 1945 mit Kriegsende ein, Berlin ist aufgeteilt in Sektoren, es gibt nur wenig auf Lebensmittelkarte, nur wenig Ware, harte Winter kommen zu den Entbehrungen hinzu. Die Ungewissheit, ob man die männlichen Familienangehörigen wiedersehen wird, belastet.


    Dieser erste Band lässt mich zufrieden zurück, ich kann mit dem Cliffhanger gut leben und empfinde die Wartezeit bis zum Erscheinen des zweiten Bandes im Sommer auch für in Ordnung. (bei der LR zum ersten Band der "Fotografin"/ Petra Durst-Benning, ich weiß, habe ich das gänzlich anders empfunden. Vielleicht auch deshalb, weil dort schon eine Leseprobe zum 2. Band abgedruckt war, der erzählerisch am nächsten Tag fortfährt) Der erste Band wurde in meinen Augen zu einem guten Ziel geführt. Die drei Schwestern empfinde ich als zwar unterschiedlich, aber jede auf ihre Art spannend und interessante Charaktere, jede für sich packt an und bringt ihre Talente zum Wohl der Familie ein. Ich bin neugierig, aus deren Augen als Protagonistinnen den Fortgang der Familie Thalheim zu erfahren. Brigitte Riebe hat eine Geschichte aufgeschrieben, die sich sehr gut lesen lässt.


    Das Buchcover hebt sich angenehm aus dem Üblichen, mehrfach kopiertem ab. Es ist passend zur Handlung.


    Ich bedanke mich sehr bei der Autorin für die sehr intensive Begleitung unserer Leserunde. Sehr engagiert und wortreich hat sie sich mit uns ausgetauscht und bereitwillig unsere Fragen beantwortet, einige Zusatzinformationen gegeben. Dies war eine meiner besten durch Autoren begleitete Leserunde. Es ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn man so ein tolles Buch lesen kann und während des Lesens alle Fragen los wird und Antworten erhält. Ich freu mich sehr auf die Fortsetzung und die nächste Leserunde.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

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  • Ich freu mich sooooooooooo sehr darüber. Aber ja, auch für mich ist diese Runde, wie schon gesagt, ein Highlight: Macht solchen Spaß mit euch!

    Frage: Bist du auch Kundin bei Amazon?

    Dann würde sich deine schöne Rezi dort auch sehr gut machen ...

    Ich weiß schon, viele haben Vorbehalte - zurecht -, aber es wird halt f. viele immer wichtiger als Orientierung.


    Für mich als Autorin mittlerweile unverzichtbar: so viele Fach- und Sachbücher sind nur noch über Amazon marketplace gebraucht erhältlich (aus dem Programmen verschwinden sie nach wenigen Monaten, oft gibt es kein Tb - und die Bibliotheken sparen!)

    So sieht es nämlich aus ...


    aber jetzt erst<3 einmal: Freude pur meinerseits - danke!

  • Dies ist der Auftakt einer Trilogie. Es handelt sich um die Familie Thalheim, die ein großes Kaufhaus am Ku`damm mit Erfolg eröffnet hatte. Nach dem Krieg waren nur noch Trümmer übrig. Die Familie lässt sich nicht unterkriegen und versucht nach der Währungsreform ein neues Kaufhaus aufzubauen...


    Von der ersten Seite an, war ich im Bann der Familie Thalheim. Ich habe mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefreut. Ein Familiengeheimnis machte das Buch noch interessanter. Nebenbei habe ich noch viel über die Nachkriegszeit in Berlin erfahren. Jetzt freue ich mich schon auf den zweiten Teil der Trilogie und vergebe 10 Punkte.

  • Das war das erste Mal, dass ich ein Buch gelesen habe, das direkt nach dem zweiten Weltkrieg beginnt. Ich habe sehr viel Respekt vor den Menschen, die es geschafft haben unser Land wieder aufzubauen und dabei nicht völlig zugrunde zu gehen. Die Menschen heute sollten sich davon mal mehr annehmen, heute herrscht ja größtenteils Jammern auf hohem Niveau.


    Das Buch ist so lebensnah geschrieben, dass ich jederzeit mit den Protagonisten mitgelitten habe, mich mitgefreut habe und überhaupt mit ihnen zusammen gelebt habe. Besonders Rike habe ich sehr in mein Herz geschlossen.


    Ich freue mich sehr, dass es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt. Ich treffe ja immer wieder gerne alte Bekannte wieder. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.