'Jahre aus Seide' - Seiten 229 - 295

  • Hier werden die politischen Diskussionen um gehen oder bleiben schon ernsthafter. Ruth geht aufs Lyzeum und freundet sich wieder enger mit Rosi an. Man spürt hier schon den Druck auf die Familie. Trotzdem geht es wieder mit Aretzens in den Urlaub auch wenn Karl die Geldsorgen der Leute bei seinen Geschäften merkt. Ich fürchte, das Geld wird ihm fehlen, wenn er denn doch den Entschluss fast, ausreisen zu wollen.

    Man spürt den Riss, der durch die Gesellschaft geht.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

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  • Kindermädchen Leni und der Untermieter der Theissens Herrn Hilders bandeln miteinander an... na, abwarten... weiter erfahren wir, kein Untermieter hält es länger als ein paar Wochen bei Theissens aus.

    Das muss ich überlesen haben.

    S. 231 "Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht", sagt Herr Meyer = dies habe ich auch darauf bezogen, dass die Zahlungen vielleicht auch doch nicht ganz so zuverlässig kommen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

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  • hmmm, vielleicht im nachfolgenden Abschnitt? Aber da es jetzt zitiert ist lohnt das spoilern auch nicht mehr. Hatte mal wieder Probleme mit dem einschlafen und hab gelesen so lang es nötig war. Und so gegen 3 Uhr früh kann ich dann nicht mehr so genau sagen, wo was stand.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Es ziehen Wolken auf. Man merkt, dass die politische Situation immer angespannter wird und die Erwachsenen sich Sorgen machen.

    Für Ruth ist die größte Sorge, dass sie im Lyzeum keine neuen Freunde findet. Lustigerweise haben sich die Sorgen der 10 Jährigen in den letzten 80 Jahren nicht verändert, dass war auch die größte Sorge meiner Kinder. Und auch das „ich mag keine Veränderungen, alles soll so bleiben wie es ist“ kenne ich speziell von meiner einen Tochter auch.

    Manches ändert sich halt nicht :-)


    Durch die gemächliche Erzählweise merkt man mehr wie sich die dunkle Zeit langsam anschleicht. Und kann auch besser nachvollziehen, wieso viele dachten, dass es schon wieder werden wird und niemand den verrückten Hitler wirklich an die Macht kommen lassen wird.


    Ruth würde gerne in den BDM gehen, weil sie da gemeinsam Sport mit anderen machen kann. Als ihr dann erklärt wird, dass das nicht geht, weil sie Jüdin ist, fängt sie an sich mit der Politik zu beschäftigen. Ich finde es gut, dass die Eltern versuchen ihr zu erklären was da los ist und auch dass Leni mit ihr darüber spricht.

  • Ruth würde gerne in den BDM gehen, weil sie da gemeinsam Sport mit anderen machen kann. Als ihr dann erklärt wird, dass das nicht geht, weil sie Jüdin ist, fängt sie an sich mit der Politik zu beschäftigen. Ich finde es gut, dass die Eltern versuchen ihr zu erklären was da los ist und auch dass Leni mit ihr darüber spricht.

    Richtig, mir gefällt auch, wie Leni und auch Ruths Eltern mit ihr über die Situation sprechen, ihr vieles erklären. Leni gefällt mir auch sehr gut. Es wäre wirklich schön, wenn im dritten Band z.B. Ruth mit Leni sich noch Briefe schreiben würde und wir darüber dann erfahren, wie es Leni geht, was sie macht etc. Auch wenn Leni nicht den Untermieter von Theissen heiratet, wird sie ja die Familie Meyer in der nächsten Zeit verlassen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Es geht gemächlich weiter, aber dunkle Wolken ziehen auf. Es wird diskutiert, ob gehen vielleicht besser ist. Ernste Gespräche sind an der Tagesordnung. Ruth bekommt das natürlich mit und fragt. Ich finde gut, dass ihr das so altersgerecht wie möglich erklärt wird. Leni finde ich dabei großartig. Sehr süß wie Ruth ihrer Mutter erklärt, dass sie manches nur mit Leni besprechen kann.


    „Was ist so schlimm daran Jude zu sein?“ - Diese Frage macht traurig, richtig traurig.

  • In diesem Abschnitt ist die Stimmung schon sehr viel angespannter als noch im ersten Teil des Buches und das bekommen die Kinder, vor allem Ruth natürlich auch mit. Auch wenn ihre erste Sorge natürlich der neuen Schule und den neuen Freundinnen gilt, spürt Ruth doch schon ganz deutlich, wie es immer Judenfeindlicher schlimmer wird.


    Tja, und wie erklärt man einem Kind was genau ein "Volk" ist und warum manche Leute Juden hassen und was Juden jetzt von anderen Menschen unterscheidet?? Dieses Gespräch zwischen Ruth und Leni fand ich sehr gut geschildert und intensiv. Es ist schön, dass Ruth in Leni so eine Vertrauensperson gefunden hat. Leni macht da ihre Sache richtig gut und ich hoffe, sie bleibt noch lange bei der Familie. Aber ich denke, falls sie wirklich einen Mann gefunden hat, der sie heiratet, dann wird sie wohl nicht weiter bei den Meyers arbeiten.

    Durch die gemächliche Erzählweise merkt man mehr wie sich die dunkle Zeit langsam anschleicht. Und kann auch besser nachvollziehen, wieso viele dachten, dass es schon wieder werden wird und niemand den verrückten Hitler wirklich an die Macht kommen lassen wird.

    :writeDas empfinde ich auch so. Man merkt deutlich, wie sich die Angst immer mehr in den Alltag einschleicht. Das ist sehr bedrückend und traurig.


    Gucci : warum meinst Du das Leni die Familie bald verlassen wird, auch wenn sie nicht heiratet?

  • Tja, und wie erklärt man einem Kind was genau ein "Volk" ist und warum manche Leute Juden hassen und was Juden jetzt von anderen Menschen unterscheidet??

    Ich wundere mich, dass dergleichen nicht in der rein jüdischen Grundschule besprochen wird. Schließlich empfinden sich die Juden als "das von Gott auserwählte Volk" - ist also Grundlage ihrer Religion. Das müsste doch auch in der Synagoge und bei den jüdischen Festen in der Familie ein hervorgehobenes Thema sein - besonders beim Paschafest (Pessach). :gruebel Schade, dass dieses Fest nicht näher beschrieben wird.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Heinrich Mann: Der Untertan

  • Leni ist Arierin und arbeitet bei Juden. Dies wird sicher nicht mehr lange gebilligt werden.

    Ach so hast du das gemeint. Ja das kann natürlich leicht sein, dass Leni dann gehen muss. Ich hoffe trotzdem, dass sie in dem Buch noch eine Rolle spielt, ich mag sie nämlich sehr!

  • Die Kinder werden grösser und Ruth geht schon aufs Lyzeum. So langsam fangen auch Jungs an, im Leben der Mädchen eine Rolle zu spielen. Und eine Freundin von Ruth ist offenbar wirklich krank, mal schauen was da noch kommt. Bei Theissens hatte ich nie ein gutes Gefühl, trotzdem finde ich es gut von Martha das sie Ruth weiter mit dem Sohn von Theissens spielen lässt, auch wenn er in der Hitlerjugend ist. Natürlich muss man Ruth vernünftig erklären warum sie nicht in die BDM gehen darf. Und Ruth ist eben neugierig und will alles wissen.


    Leni ist verliebt, ich gönne ihr das von ganzem Herzen, natürlich wird sie die Familie irgendwann verlassen, entweder sie heiratet oder sie darf als Arierin nicht mehr bei den Juden arbeiten.


    Mich erinnert an dieses Buch ein wenig an "Nesthäkchen" von Else Ury, das spielt ja zur selben Zeit und da gibt es auch ein Kindermädchen was eben irgendwann heiratet, mit Juden hat das aber nichts zu tun

  • Mich erinnert an dieses Buch ein wenig an "Nesthäkchen" von Else Ury, das spielt ja zur selben Zeit und da gibt es auch ein Kindermädchen was eben irgendwann heiratet, mit Juden hat das aber nichts zu tun

    Nesthäkchen spielt vor dem ersten Weltkrieg. Die Autorin Else Ury war Jüdin, hat sich geweigert Dtl. zu verlassen und wurde 1943 im KZ Ausschwitz ermordet. Daher hätte sie Nesthäkchen ja später nicht schreiben können. Es gibt beim Kindermädchen die Namensähnlichkeit: Annemarie Brauns hieß Lena.


    Annemarie ist kurz nach der Jahrhundertwende geboren, zur Kaiserzeit. Der unbekanntere Band "Nesthäkchen im Weltkrieg" berichtet über ihre Erlebnisse 1914-1916, "Backfischzeit" setzt erzählerisch 1919 ein.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Ruth geht jetzt auf das Lyzeum. Sie bekommt schon viel von den Erwachsenen mit. Es ist schön zu sehen, daß die Erwachsenen versuchen, Ruths Fragen zu beantworten. Die Zeit wird schwieriger für die Juden. Man denkt an Auswanderung, nach Amerika, nach Palästina. Aber auf der anderen Seite hängt man an der Heimat, fürchtet sich vor einem wirtschaftlichen Neuanfang.

  • Jetzt wird es langsam traurig. Ich kann die Ängste tatsächlich spüren.

    Es ist einfach so schrecklich, dass so über lebendige Lebewesen gesprochen wird.

    Diese Hoffnung, dass die NSDAP nicht an die Macht kommt, ist ja in jedem Buch zu dem Thema verständlicherweise zu finden. All die Schönrederei kommt mir sehr bekannt vor, wenn ich die aktuelle Lage sehe.

    Ich wünschte, mehr Menschen würden Bücher wie dieses oder zumindest über dieses Thema lesen um zu begreifen wie schrecklich dieser Hass ist. Hass, der aus Angst entsteht.


    Trotz allem fühle ich mich im Buch immer noch wohl, einfach, weil ich die Familie mag.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Die Gespräche mit Ruth über das Erstarken der NSDAP und wofür sie stehen, sind wirklich schlimm. Sie versteht das nicht und wie will man das auch verstehen? Es ist ja nicht zu verstehen. Es gibt keine Menschenrassen, also wie soll das erklärt werden? Wo dann auch noch Nationalität und Religion in einem Topf geworfen werden... Hier in diesem Buch wird so deutlich, dass es bei der jüdischen Bevölkerung sich nicht um zugewanderte (fremde) Menschen ging, sondern um deutsche Personen, die seit ewigen Zeiten im deutschen Reich gelebt haben. (Mal davon abgesehen, dass auch zugewanderte Menschen anderer Kulturen nicht weniger wert sind oder gar eine ablehnde Haltung verdienen!)

    Ruth wird sicherlich immer mehr Probleme bekommen, weil sie sich nicht in reinen jüdischen Gemeinschaften aufhält, sondern bspw auch auf ein einfaches Lyzeum geht. Ich bin sehr gespannt, wie sich auch die Freundschaft mit Horst entwickelt.


    Dass Karl einen Fehler begangen hat und der Familie Geld geliehen hat, zeigt sich ein wenig. Es klingt nämlich gar nicht so, als ob er sein Spiel- und Geldproblem in dem Griff bekommen hätte...

  • Die Wolken am Horizont sind da. Man spürt förmlich wie die Situation sich verändert. Dies finde ich schriftstellerisch sehr gut umgesetzt, ein Kompliment an Ulrike Renk


    Leni gefällt mir auch sehr gut, ich bin gespannt wie sich die Konstellation von Familie und Freuden weiter verändert. Denn Veränderungen werden nicht ausbleiben, der Riss in der Gesellschaft wird noch tiefer werden.


    Ich bin weiterhin sehr gespannt, wie es weitergeht... :-)

  • Ich wusste gar nicht, das man früher schon im Frühjahr auf die weiterführende Schule gegangen ist..:gruebelwieder etwas dazu gelernt


    In der Geschichte tun sich nun tiefe Gräben zwischen den Menschen auf. Misstrauen schleicht sich ein und aus Nachbarn und Freunden werden langsam Feinde..


    Mein Vater ist früher durch seinen Beruf viel im Ausland gewesen und bei uns waren immer Menschen aus anderen Ländern zu Gast und als man mir als Kind erzählt hat, was im 2. Weltkrieg passiert ist, war ich total traurig und verstehe bis heute nicht, wie man Menschen so etwas antun kann, egal ob früher oder heute. Für mich ist und war das Kennenlernen anderer Kulturen immer sehr bereichernd!