Der Palast der Meere - Rebecca Gablé

  • Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Testleserunde lesen und möchte mich nocheinmal bei Wolke und dem Verlag bedanken!



    Inhalt:
    England 1560. Eigentlich soll der 15-jährige Isaac sich auf seine Rolle als zukünftiger Lord Waringham vorbereiten, doch nichts reizt den abenteuerlustigen Jungen weniger.
    Kurzerhand schleicht er sich als blinder Passagier auf ein Schiff, nicht ahnend, dass der skrupellose Freibeuter John Hawkins dessen Kapitän ist. Das Ziel der Reise ist Teneriffa, wo Isaac kurzerhand für mehrere Jahre in die Sklaverei verkauft wird und auf den Zuckerrohrfeldern schuften muss.
    In England ist Isaacs Schwester Eleonor derweil eine wichtige Vertraute der Königin Elisabeth I. Als ihr "Auge" ist sie stets mitten im politischen Geschehen um die Königin.


    Meine Meinung:
    Ich habe die ersten vier Bände um die Familie Waringham mit Begeisterung gelesen und war sehr gespannt auf die Fortsetzung.
    Auf fast 1000 Seiten wird über die Regierungszeit von Elisabeth I der Jahre 1560-1588 erzählt, darin eingebettete die Geschichte der Familie Waringham.
    Da es in diesem Roman mit Isaac und Eleonor zwei gleichwertige Protagonisten gibt, ist der Leser hautnah bei den wichtigsten historischen Ereignissen dieser Epoche dabei.
    Mit Isaac erlebt man die von der Königin gebilligte Freibeuterei und den beginnenden Sklavenhandel mit der neuen Welt sowie die Kämpfe der spanischen Armada, wohingegen Eleonor als Spionin der Königin Einblicke in das Leben und die Intrigen bei Hofe gewährt. Vor allem Königin Elisabeths Konkurrentin Maria Stuart nimmt hier natürlich eine große Rolle ein.
    Rund um die historischen Fakten hat Rebecca Gablé gekonnt warmherzig die Episoden um die Waringhams "gebastelt". Es wird wieder geliebt und gelitten, Abenteuer erlebt, Abschied genommen und sich wiedergefunden.
    Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, sind die häufigen Orts- und Zeitsprünge, die durch zwei Hauptfiguren und den langen Zeitrahmen von fast 30 Jahren aber wahrscheinlich unvermeidbar entstehen.
    Manchmal fehlte mir dadurch etwas der rote Faden vor allem in der Geschichte der Familie Waringham und es ergab sich zudem die ein oder andere Länge.
    Trotzdem habe ich das Buch gerne und mit Genuss gelesen, auch wenn es nicht mein Lieblingsband der Serie geworden ist.
    Erwähnen möchte ich noch die hochwertige und schöne Gestaltung des Buches, die mich sehr angesprochen hat.


    Ich bewerte dieses Buch mit acht Punkten!

  • Der mittlerweile fünfte Band der Waringham-Reihe Rebecca Gablés führt uns in die Regierungszeit Elisabeths I, betrachtet wird die Zeit von 1560 bis 1588.


    Zwei Waringhams stehen im Mittelpunkt der Geschehnisse: Eleanor, deren Mutter Elisabeths Amme war, und die Elisabeth daher von Kindheit an verbunden ist. Sie ist nicht nur Elisabeths Vertraute sondern auch ihr „Auge“. Mit Eleanor zusammen erlebt man die politischen Ereignisse mit und erfährt gleichzeitig viel über die Königin als Person.


    Isaac, Eleanors jüngerer Halbbruder, entzieht sich 15jährig der Verantwortung als Titelerbe dadurch, dass er sich als blinder Passagier auf ein Schiff begibt. Dieses bringt ihn weiter weg als zunächst gedacht, die Seereise entscheidet letzlich sein Schicksal. Mit Isaac zusammen erlebt man, wie England seine Macht auf die Weltmeere ausdehnt, vor allem die Karibik wird Ziel der englischen Schiffe, aber auch die dunklen Flecken, wie etwa der Sklavenhandel bleiben nicht unerwähnt.


    Wie gewohnt lässt einen der Roman eintauchen in die historische Zeit, die Autorin erzählt sehr bildhaft, Personen und Örtlichkeiten erscheinen vor dem inneren Auge, sogar Gerüche und Geschmäcker werden vermittelt. Mir gefällt es gut, dass wir England Richtung exotischerer Gefilde verlassen, auch wenn es zunächst etwas ungewohnt ist. Fehlen darf es sowieso nicht, will man die Zeit angemessen darstellen.


    Auch die Charaktere gefallen mir gut, der Familie Waringham fühlt man sich als Leser der Vorgängerbände nach wie vor verbunden und die neue Generation ist interessant. Eleanor fühle ich mich sehr verbunden, mit Isaac zittere ich und Lappidot, der schon zur nächsten Generation zählt, muss man einfach lieben. Auch die historischen Persönlichkeiten, angefangen von Elisabeth I über Robert Dudley, Francis Drake, Mary Stewart und vielen mehr, scheinen mir gut getroffen und wirken lebendig. Nicht jede ist so, wie man sie sich vielleicht vorstellt, mich hat es direkt wieder angeregt, selbst zu recherchieren – (nicht nur) in diesem Zusammenhang ist auch das Nachwort der Autorin interessant.


    Rebecca Gablés Romane sind durchweg gut recherchiert, auch hier merkt man das wieder. Erzählt wird abwechselnd aus Eleanors und Isaacs Perspektive, hin und wieder treffen die beiden auch aufeinander. Die Autorin versteht es, wie immer, wunderbar, die fiktiven Geschichten der Protagonisten mit den tatsächlichen historischen Begebenheiten zu verweben. Ich hatte mir sehr gewünscht, einen Waringham-Roman aus Elisabeths Zeit lesen zu können, dieser Wunsch wurde erfüllt, und jetzt bin in der Tat bereit, die Familie ziehen zu lassen.


    Insgesamt ein spannender, kenntnisreicher und interessanter historischer Roman, den man auch ohne die Vorgängerbände gut lesen kann, das Lesevergnügen ist aber sicher größer, wenn man diese kennt. Absolute Leseempfehlung.

  • „Der Palast der Meere“ von Rebecca Gablé ist ein historischer Roman der 1560 in London beginnt und ein vierteljahrhundert später endet. Elizabeth I. regiert zu dieser Zeit England. An ihrer Seite Eleanor of Waringham, die Beraterin der Königin, die zu Mary Stewart aufbrechen muss, um eine wichtige Mission zu erfüllen. Ihr Bruder Isaac zieht es vor, der festgelegten Rolle, als Nachfolger des Vaters zu entfliehen. Als blinder Passagier geht er an Bord eines Schiffes, das womöglich nach Afrika aufbricht. Doch schon bald gerät er in die Hände des Schiffkapitäns John Hawkins, der ihn auf Teneriffa, als Sklaven an die spanischen Großgrundbesitzer verkauft.


    Das ist die Anfangsphase dieses wahrlich voluminösen Romans, indem es nur so von berühmten Namen wimmelt. Mary Stuart und Elizabeth I. beharken einander, Shakespeare wird am Rande erwähnt. Francis Drake ist zusammen mit Isaac auf dem Meer unterwegs und begleitet dessen abenteuerlichen Lebensweg, bis in die Karibik, wo Gold, Ruhm und die Befreiung von Sklaven warten. Denn niemand hasst die Unfreiheit stärker, als ein ehemaliger Sklave. Isaac. Die Spanier sind sein Feind. Nein, eigentlich ist die heimische Langeweile Isaacs stärkster Gegner, dem er ab und zu den Kopf abschlagen muss, um sich lebendig zu fühlen. Hat der Kerl schwankende Planken unter den Füssen läuft Isaac zur Höchstform auf, was Eleanor, seines Schwester, mit einigem Unverständnis zur Kenntnis nimmt, wenn Isaac vernarbt und gut gelaunt aus der Hölle zurück auf die Insel zu schippert. Eleanor dagegen lebt ihre Abenteuerlust ausschließlich in der Liebe aus. Ansonsten ist sie Auge und Ohr der Königin. Stets zielorientiert und auf Ausgleich bedacht. Die typisch zupackende Frau, die hin und wieder von Selbstzweifeln und Schicksalsschlägen geplagt wird, wie in so vielen historischen Romanen. Der Leser mag das und die Autorin findet in Eleanors Heiratsunwilligkeit und Selbstbestimmungsdrang einen Weg eine außergewöhnliche Frau zu charakterisieren, bei dem es den geneigten Lesern gleichzeitig warm ums Herz werden kann. Was an sich schon einmal ein Kunststück ist.


    Rebecca Gablé erzählt in einer solch süffigen und glasklaren Sprache, dass sich selbst tausend Seiten mühelos lesen lassen. Ganz toll finde ich die Geschichte an sich, was da so mit leichter Hand geschrieben steht muss eine Heidenarbeit in der konzeptionellen Entwicklung und schriftstellerischen Umsetzung gewesen sein. Über mehrere Jahrzehnte spannt sich der Bogen und löst sich in einem geschichtlichen Großereignis auf. Ich für meinen Teil habe natürlich lieber die Seeräubergeschichten in der Karibik gelesen. Bisweilen fand ich die aristokratischen Untiefen der vordemokratischen Zeit ein bisschen fad und zahnlos, aber der Roman funktioniert über die ganze Strecke gesehen gut. Man spürt die Routine und Schreibfreude der Autorin gleichermaßen und so stellte sich bei mir eine Leselust aus reiner Gewohnheit ein. Mehr nicht. Weniger aber auch nicht.


    8 von 10 Punkten

  • Ich durfte den Palast der Meere auch in der Testleserunde lesen. Meinen Dank dafür noch einmal an Wolke und den Verlag.


    Der fünfte Band der Waringham-Saga entführt uns nun in die Regierungszeit Elizabeths I.
    Wie es sich ja schon im Vorgängerband angedeutet hat, steht Eleanor of Waringham Elizabeth als Michschwester sehr nahe und begleitet sie durch ihr Leben. Dadurch erhalten wir Einblick in den innersten Zirkel um Elizabeth mit Robin Dudley, William Cecil und Francis Walsingham.
    Und so wird auch klar, wie sehr Elizabeth immer wieder darum kämpfen musste, nicht zu heiraten und wir lernen ihre Beweggründe kennen. Natürlich kommt das Thema Mary Stuart hoch und der Kampf gegen die Spanier.
    Und hier tritt dann Isaac, der jüngere Bruder von Eleanor auf den Plan. Er schlägt ein wenig aus der Art, denn er fühlt sich auf See wohler als an Land und als ihm die Earls-Würde droht macht er sich vom Acker. Seine Erlebnisse auf See sind nicht immer ein Zuckerschlecken und so verbringt er zwei Jahre in der Sklaverrei auf Teneriffa.
    Aber mit der Zeit erwirbt er sein eigene Schiff und kann so als Freibeuter die Spanier piesacken und das sogar mit der Erlaubnis der Königin.


    Wie immer brauchte ich am Anfang ein wenig um mit den neuen Hauptdarstellern warm zu werden, Isaac war mir irgendwie zu unbedarft. Eleanor hat mir dagegen von Anfang an gefallen. Und gegen Ende fiel es mir schwer mich von allen zu verabschieden.


    Im Vergleich zu den anderen Bänden hatte ich diesmal das Gefühl, dass zu vieles in dieses eine Buch hinein musste und daher manche Handlungsstränge stark gerafft wurden. Bei der Länge der Regierungszeit Elizabeths hätte es wohl mindestens zwei Bände gebraucht um alles ausführlich genug zu schildern.


    Trotzdem war es wie immer ein tolles Buch, es lies sich flüssig lesen und man hatte das Gefühl direkt dabei zu sein. Es war, wie auch bei den Vorgängern, ein nach Hause kommen. Toll auch wieder die vielen, sehr liebevoll eingearbeiteten Nebenfiguren die einem alle miteinander ans Herz wachsen.


    Über die historische Genauigkeit muss man bei Gablé-Büchern eigentlich nichts sagen, ich hatte wie immer das Gefühl: So könnte es gewesen sein.


    Alles in allem ein toller Ausflug ins elisabethianische Zeitalter.

  • Wie seine Vorgänger auch, hat mich auch dieser Waringham-Roman von der ersten Seite an gefesselt.
    Eleanor als engste Vertraute Elisabeths ermöglicht einen sehr glaubwürdigen Blick in den innersten Kreis um die Königin und mit ihrem Bruder Isaac dringt ein waringham auch in die Welt der Seefahrt, die in dieseer Epoche ja immer wichtiger wird.
    Ich habe beide Handlungsstränge gleich gerne gelesen, einziges Manko ist, dass einige Handlungen ziemlich abgekürzt werden mussten, um die beiden gleichberechtigten Hauptpersonen über eine lange Zeitspanne in diesem einen Buch unterzubringen.


    Auch wenn mir die Mittelalterromane ein bisschen besser gefallen haben, war es wieder ein tolles Lesevergnügen


    10 Punkte

  • Auch ich möchte Wolke und dem Verlag für die Leserunde danken.


    Ein Waringham-Roman über das Zeitalter Elizabeths - das musste ich einfach lesen. Wie erwartet trat eine klare Schwierigkeit auf - in dieser Zeit passierte so viel, die Konzentration auf England war nicht mehr in dem Maße möglich wie bei den Vorgängern, in denen neben den Geschehnissen in England meist nur noch Frankreich als der direkte Nachbar/Konkurrent eine größere Rolle gespielt hat. Hier aber spielt die neue Welt, Seefahrten und -schlachten, der Konflikt mit Spanien eine bedeutende Rolle. Es passiert unglaublich viel, was in den Roman hineingepackt werden muss, um die Zeit und die Entscheidungen der Protagonisten zu verstehen - das geht nicht ohne Raffungen.


    Rebecca Gablé hat diese Schwierigkeiten gut bewältigen können, aber ich mag ihre Mittelalterromane deutlich lieber.

    Positiv zu vermerken sind die durchgängig interessanten Charaktere auf allen Seiten, wobei mir in vielen Fällen die Nebenfiguren mehr zugesagt haben als die Hauptcharaktere. Die Charakterzeichnung ist gelungen, die Charaktere haben in den meisten Fällen neben ihren Stärken auch klare Schwächen, gut und böse verschwimmt deutlich. Die Konflikte der Zeit, sei es der religiöse zwischen dem Katholizismus und den Protestanten oder die Frage, ob Piraten böse und Freibeuter gut sind und wo zwischen beiden die Grenze liegt, sind deutlich spürbar und beeinflussen auch das Handeln der Charaktere.


    Mir hat dieser Waringham-Roman etwas besser gefallen als sein direkter Vorgänger, allerdings kam er nicht ganz an die ersten Bände der Reihe heran. Alles in Allem wünsche ich mir doch eine Rückkehr von Rebecca Gablé in das von ihr immer wieder hervorragend dargestellte Mittelalter und freue mich auf den zweiten Band über Otto sowie hoffentlich in Zukunft erscheinende Romane über das englische Mittelalter.


    Von mir erhält dieses Buch acht Eulenpunkte.

  • Vielen Dank noch einmal an Wolke und den Verlag für das Rezensionsexemplar!


    Nachdem mir der Vorgänger "Der dunkle Thron" nicht ganz so gut gefallen hat, ist die Fortsetzung eine ganz klare Steigerung dazu.


    Sehr gut fand ich, dass die Geschichte abwechselnd aus Isaacs und Eleanors Perspektive erzählt wurde, wodurch man als Leser sowohl die politischen Ereignisse rund um Elizabeth, als auch die Abenteuer als Freibeuter der damaligen Zeit verfolgen kann.


    Etwas schade war allerdings, dass ich weder mit Isaac noch seiner Schwester so richtig 100%ig warm werden konnte. Beide waren sehr unkonventionell für ihre Zeit und lebten ein doch recht ungewöhnliches Leben. Sie konnten mich beide nicht so recht von sich überzeugen, da die negativen Eigenschaften für meinen Geschmack schwerer wogen als die positiven und dadurch mein Bild stark getrübt wurde.
    Und auch wenn viele der Nebenpersonen wieder einmal toll ausgearbeitet waren - eine der großen Stärken der Autorin -, so gab es auch andere, die ich dieses Mal wenig glaubwürdig fand. Beispielsweise sei hier Gabriel Durham genannt.
    Darüber hinaus war die Handlung teilweise schon sehr stark gerafft und man rennt sozusagen durch die Geschichte an manchen Stellen. Das ist insofern unglücklich, da dem Leser eine Bindung zu den Figuren somit noch etwas erschwert wird.


    Aber natürlich handelt es sich hier um Meckern auf hohem Niveau. Denn ein Gablé Buch ist und bleibt nun einmal ein hervorragendes. Selbst wenn die Protagonisten nicht so ganz überzeugen konnten.
    Für die Zukunft würde ich mehr sehr wünschen, dass Frau Gablé sich wieder mehr dem Mittelalter zuwendet, denn darin liegt meiner Meinung nach ihre allergrößte Stärke.


    "Der Palast der Meere" hat mir aber sehr gut gefallen, trotz der für mich nicht so ganz gelungenen Hauptpersonen.


    8 von 10 Punkten von mir.

  • Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Die Leserunde war sehr spannend.


    Dies war mein erster Band der Familensaga der Waringhams. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen, obwohl ich die Vorgänger- Bände nicht kenne.
    Aus zwei verschiedenen Sichtweisen erlebt man als Leser Abenteuer, eingebettet in historische Ereignisse, um die Regierungszeit Elisabeth der Ersten (16. Jahrhundert).
    Mit Eleanor, “dem Auge der Königin“ Regierungs –Intrigen und den Kampf der intelligenten, für ihre Zeit sehr fortschrittlichen starken Königin, gegen Verheiratungspläne ihrer Berater, religiöse Eiferer sowie ihre zwiegespaltene Beziehung zu ihrer Cousine Maria Stuart.
    Mit Isaac, Eleanors jüngerem Halbbruder, der sich als 15jähriger seiner Verantwortung für das Familienerbe der Waringhams entzieht, indem er sich als blinder Passagier auf ein Schiff schmuggelt und somit ausgerechnet in die Hände des Freibeuters John Hawkins fällt. Seine Abenteuer haben mich ganz besonders fasziniert. An manchen Stellen musste ich Eleanors Geschichte kurz überblättern, um zuerst zu lesen, wie es mit Isaac weitergeht.
    Sehr gefallen haben mir auch einige der Neben -Charaktere. Zb Lappidot, Tomas(Arafo), Francis Drake ...
    Fazit: Ein spannender, sehr gut recherchierter historischer Roman. Empfehlenswert für jeden der sich für historische Bücher, Elzabeth die Erste, Freibeuter, die Kolonisation Amerikas und christliche Religionskämpfe interessiert. Man kann das Buch lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Da mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefällt, werde ich das jedoch nachholen.


    Ich gebe 10 von 10 Eulenpunkten.

  • Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder ein neues Buch von Rebecca Gablè lesen darf. Einige ihrer Bücher gehören zu meinen Lieblings-Histos und die meisten sind wirklich aller erste Sahne im dichten Bücherwald.


    Zur zweiten Kategorie gehört "Palast der Meere" auf jeden Fall. Nicht nur opitsch ein Highlight, auch inhaltlich wieder so voller geschichtlichen Details und Hintergrundwissen, dass ich wunderbar in die Zeit eintauchen konnte und mit Interesse und Vergnügen belohnt wurde. Allerdings gebe ich zu, es war nicht mein Lieblingswerk von ihr. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird zwischen zwei Protagonisten gespalten und ich konnte mich nicht für beide Stränge gleichermaßen erwärmen. Während ich mit Isaak mitfieberte und mitlitt blieb mir Eleonor seltsam fremd und ihr spödes Wesen und das ständige intregieren und spionieren waren nicht ganz meins. Dies liegt vielleicht auch an mir, denn tatsächlich ist es so, dass mir einfach die männlichen Hauptdarsteller meist besser gefallen haben, auch schon in Rebeccas vorhergehenden Büchern. Vielleicht war es aber auch einfach, dass die wirklichen Abenteuer auf hoher See und in fernen Ländern passierten und im guten alten England Elizabeth I. und ihr Hofstaat zu sehr mit politischen Ränken beschäftigt waren und sich das für mich manchmal etwas gezogen hat. Auch wird das Gewicht des Romans am Ende sehr auf die geschichtlichen Fakten reduziert und unsere Helden und Heldinnen kommen nur noch am Rande zum Zuge, was ich etwas schade fand.


    Faszinierend war für mich, wie geschickt Rebecca Gablé alle Spannungsfäden immer wieder geschickt zusammenführen kann und dabei Gechichte mit Fiktion so harmonisch verbindet, dass man sich sicher ist, dass es die Waringhams tatsächlich gegeben hat und dass sie tatsächlich im Königshaus der Engländer kräftig mitgemischt haben. Auch die starken Nebendarsteller haben mich begeistert und bei fast 1000 Seiten konnte man richtig schwelgen in diesem Leseerlebnis.


    Also wie immer ein Mäkeln auf hohem Niveau denn alles in allem war es wieder ein Monatshighlight auch wenn es für mich nicht an das "Haupt der Welt" herangereicht hat. 9 Punkte von mir.

  • „Der Palast der Meere“ bescherte mir genau den perfekten Historienschmöker, auf den ich gehofft hatte. Rebecca Gablé versteht es wirklich meisterhaft, historische Fakten mit fiktiven Geschehnissen und Figuren zu einer großartigen Geschichte zu verknüpfen.


    Man begegnet einer Vielzahl schillernder Zeitgenossen und es kommt vor, dass man nach dem Lesen einen veränderten Eindruck von ihnen mitnimmt. Bei mir hat sich z. B. das Bild von Francis Drake sehr differenziert. Von dem strahlenden Freibeuter der Königin blieb ein herausragender Seefahrer, aber auch ein Mann mit einer dunklen Seite und charakterlichen Schwächen.


    Mir hat es ebenso viel Vergnügen bereitet Eleanor of Waringham an der Seite von Elizabeth durch die höfischen Intrigen und politischen Ränke zu begleiten, wie ihren charismatischen Bruder Isaac durch seine Abenteuer zur See.


    In den Haupt- wie den Nebenfiguren hervorragend besetzt und geschrieben in dem unnachahmlichen „Rebecca-Gablé-Stil“, den ich so sehr mag, war dieser Roman für mich wieder ein ungetrübtes Lesevergnügen, welches trotz der stattlichen Zahl von 960 Seiten viel zu schnell vorüber ging.


    Und da ich für mich keinen Kritikpunkt finden konnte, bleibt mir nur 10 Eulenpunkte zu vergeben.

  • Die Regierungszeit Elizabeth I. wird in diese´n Roman thematisiert mit Protagonisten aus dem Hause Waringham. Elinor als engste Freundin der Regentin immer an ihrer Seite ist und als „Das Auge der Königin“ (wird sehr oft erwähnt) betitelt wird. Isaac, der zur See fährt, an Kaperfahrten teilnimmt und damit den Beginn der Seemacht Englands einläutet.. Breiten Raum nimmt der Konflikt mit Mary Steward und die „Liaision“ zwischen Elizabeth und Robin Dudley ein. Man trifft auf die Zeitgenossen Francis Drake und Shakespeare hat auch seinen kleinen Auftritt.
    Für Gablé Fans ist der fünfte Band der Waringham-Saga ein Muß. Diesmal konnte mich dieser Roman im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht ganz überzeugen. Manche Handlungen waren nicht ganz nachvollziehbar, einige etwas überzogen. Es gab auch berührende Szenen und Isaac konnte überzeugen.



    7 von 10 Eulenpunkten

  • Über das Buch:
    London 1560: Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihre Nähe zur Königin schafft Neider, und als Eleanor sich in den geheimnisvollen König der Diebe verliebt, macht sie sich angreifbar. Unterdessen schleicht sich ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac in Plymouth als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf der Insel Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei – unter der Bedingung, dass er in den Dienst des Freibeuters John Hawkins tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt – und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt ... (Quelle: www.luebbe.de)


    Über die Autorin:
    Rebecca Gablé, Jahrgang 1964, in einer Kleinstadt am Niederrhein geboren, studierte nach mehrjähriger Berufstätigkeit Anglistik und Germanistik mit Schwerpunkt Mediävistik in Düsseldorf. Sie wirkte an einem Projekt zur Erforschung anglonormannischer Manuskripte mit. Diese Forschungsergebnisse flossen in ihre weitere literarische Arbeit mit ein. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin. Ihr erster Roman "Jagdfieber" wurde 1996 für den Glauser-Krimipreis nominiert. Wenn sie nicht gerade an einem Roman schreibt, reist sie gern und viel, vor allem in die USA und nach England, oft auch zu Recherchezwecken. Außerdem gehört sie dem Autorenkreis historischer Romane "Quo Vadis" an. Neben der Literatur gilt ihr Interesse der (mittelalterlichen) Geschichte, dem Theater und vor allem der Musik, in fast jeder Erscheinungsform. Rebecca Gablé spielt Klavier, Gitarre, Cello und singt seit vielen Jahren in einer Rockband. Mit ihrem Mann lebt sie unweit von Mönchengladbach auf dem Land. (Quelle: www.luebbe.de)


    Meine Meinung:
    Waringham bleibt Waringham, es ist eine eigene Welt die Rebecca Gablé erschaffen hat und zu der ich immer gerne heimkehre. Diese Bücher haben für mich ihren ganz eigenen Zauber.
    Vieles ist in diesem Band anders, als in den vergangen vier Waringham-Büchern, denn z.B. gibt es zwei Erzählstränge, die uns Leser durch die gut 950 Seiten des dicken Schmökers begleiten und dennoch ist es am Ende viel zu schnell vorbei.
    Die Geschwister Eleanor und Isaac könnten kaum unterschiedlicher sein, dennoch haben sie auf den zweiten Blick vieles was sie verbindet. Eleanor ist das Auge der Königin. Es geht um Elizabeth I, um die glorreiche und jungfräuliche Königin Englands, die Frau die ihrer Epoche den Namen gab. Wundervoll und äußerst raffiniert schafft es Rebecca Gable die historischen Fakten der Regentschaft Elizabeths mit derer von Waringham zu verweben.
    Isaac hat zunächst nicht so viel mit der Königin zu tun wie seine Schwester, er schmuggelt sich als blinder Passagier auf ein Schiff und muss viel Lehrgeld zahlen, bevor er nach England zurückkehren darf. Doch dann kreuzt auch sein Lebensweg den der Königin.
    Dieser Roman ist eine Hommage an den historischen Roman, aber er ist auch ein Piratenabenteuer und die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz. Politik und gesellschaftliche Zwänge, Verhandlungsgeschick und Spionage, für fast alle Leser ist etwas dabei.
    Wer schon mal ein Buch von Rebecca Gablé gelesen hat, weiß sicherlich wovon ich spreche, wenn ich sage, dieses Buch hat eine Sogwirkung wie ich sie nur bei Frau Gablé erleben darf. Der eine oder andere Cliffhanger ist natürlich auch wieder dabei und langweilig wird es eigentlich nie.
    Besonders herausheben möchte ich noch die Zeichnung der Nebenfiguren, sie sind es, die für mich diesen Roman zu einem Meisterwerk machen. Man ist es gewohnt, dass die Protagonisten von der Autorin mit Sorgfalt aufgebaut und eingeführt werden, diesmal ist dies natürlich auch so. Aber ans Herz gewachsen sind mir die Nebenfiguren wie Samuel, Marian oder auch Lappidot, ihre Geschichte ist nicht minder spannend, als die von Isaac und Eleanor. Ebenso schön ist das Wiedersehn mit „alten Bekannten“ die nochmal in diesem Roman einen kleinen „Auftritt“ bekommen. Danke, Rebecca Gablé für diesen wundervollen Roman!

  • Eleanor of Waringham ist das „Auge der Königin“ – als Vertraute und Spionin von Elisabeth I. ist sie eine der mächtigsten, aber auch einsamsten Frauen am Hof der Königin. Ihre Verpflichtung zu Elisabeth geht ihr über alles: zu ihrer Familie hat sie kein besonders enges Verhältnis und so scheint es sie auch nicht zu stören, dass ihr jüngerer Bruder Isaac verschwindet, nachdem er erfahren hat, dass er sein Erbe antreten soll, da der Sohn seines Bruders Francis aufgrund einer Krankheit erblindet ist. Es wird für Eleanor ein Konflikt zwischen der Treue zu Elisabeth und dem aufkeimende3n Wunsch, ihre eigenen Träume zu leben und nicht nur die der Königin, als sie sich in Gabriel Durham verliebt – den König der Londoner Unterwelt. Kann sie Elisabeth auch hier vertrauen oder stellt sich nun ein Mann zwischen die beiden Frauen und ihre enge Bindung?
    Gleichzeit beginnt für Isaac of Waringham das Abenteuer seines Lebens. Als sein Bruder Francis ihm eröffnet, er müsse das waringham´sche Erbe antreten, ergreift er ohne nachzudenken die Flucht und schleicht sich auf John Hawkins Schiff ein. Doch seine Entdeckung und seine Reise auf See verlaufen nicht ganz so problemlos, wie Isaac sich das erhofft hatte, denn das Matrosenleben ist keineswegs nur eitel Sonnenschein. An Bord ist auch Hawkins Cousin, der junge Francis Drake, der Isaac einiges beibringt. Als das Schiff auf Lanzarote ankommt, wendet sich Isaacs Glück, denn Hawkins lässt den jungen Adligen zunächst einfach als Faustpfand da und er muss als Sklave dienen. Doch man sieht sich immer zweimal im Leben…


    Ein weiteres Kapitel der Waringham-Saga wird hier von Rebecca Gablé eröffnet – im Zeitalter der mächtigsten Königin Englands wird geliebt, gehofft und gelitten. Eleanor und Isaac sind neben Elisabeth selbst sehr eigenwillige und sture Charaktere, die den typischen Dickkopf ihres Stammbaums vorweisen. Aber auch die Nebenfiguren sind bunt und zahlreich – ob nun Gabriel Durham,Francis Drake, Robert Dudley, Francis Walsingham, die weiteren Mitglieder der Waringham-Familie oder die Damen und Herren rund um den Königshof: sie alle nehmen im Buch wunderbar lebendig Gestalt an, und man hat ganz schnell wieder seine Lieblinge und die am meisten verabscheuten Figuren gefunden, mit denen man mitfiebert und mitfühlt. Mit Francis Drake und John Hawkins wird auch die Entwicklung der englischen Seefahrt im Buch angeschnitten, wenngleich der Einblick etwas oberflächlich bleibt.
    Einige Zeitsprünge findet man im Buch, die ich als Detail-Liebhaber sehr schade fand, aber durchaus nachvollziehen kann. Die letzten Kapitel kamen mir auch etwas gerafft vor und das Ende kam abrupter, als ich mir gewünscht hätte. Abgesehen davon natürlich, dass ein Ende eines Gablés immer ausgesprochen schade ist, weil auch dieses Buch trotz kleiner Kritikpunkte wieder viel zu schnell gelesen war und die Zeit bis zum nächsten Werk der Autorin eindeutig auch wieder viel zu lang scheint.

  • Palast der Meere schließt ziemlich nahtlos an den Vorgängerband an mit den Kindern der damaligen Waringham-Generation.
    Diesmal muss seine Aufmerksamkeit zwischen 2 Waringhams aufteilen, Isaac, der ganz untypisch und rebellisch zur See fährt und Eleanor, die das Auge von Königin Elisabeth I ist.
    Dieser Spagat ist für mich eins der Mankos dieses Buches. Mit Eleanor konnte ich nicht so richtig warm werden, so dass ich diese Passagen wohl auch kritischer gelesen habe. Ihre Affäre mit dem König der Diebe war an manchen Stellen leicht unglaubwürdig und schnulzenhaft angehaucht.
    Von Isaac dagegen hätte ich mir durchaus mehr zu lesen gewünscht. Es waren viele bekannte Persönlichkeiten in dieses Buch gepresst, wie Francis Drake und sogar Shakespeare. Mir drängt sich die Frage auf, ob Rebecca Gable in diesem Buch nicht zu viel gewollt hat?
    Allerdings muss ich dieser Rezension schnell die Spitze nehmen, da es doch Jammern auf hohem Niveau ist. Wie gewohnt ist die ganze Story durchaus gut recherchiert und lässt sich gut lesen. Nur fällt für mich dieses Buch im Vergleich zu den Vorgängern eben leicht ab.

    Ich lese grade:


    Der Herr des Turms - Anthony Ryan
    ________
    Save the earth - it's the only planet with chocolate!

  • Der Palast der Meere ist der fünfte Band der Waringham-Saga und spielt zeitlich während der langen Regentschaft von Queen Elizabeth in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
    Der Roman knüpft ausnahmsweise nahtlos an den Vorgänger an und die Protagonisten - Elizabeth und Isaac - sind schon gut bekannt.


    Mir hat die Zweiteilung gut gefallen, zum einen begleiten wir Isaac auf seinen Freibeuterfahrten in die Neue Welt, lernen John Hawkins und Francis Drake kennen und kämpfen gegen die spanische Armada, während wir zum anderen durch Eleanor einen engen Kontakt zu Elizabeth haben und gleichzeitig der Londoner Unterwelt näher kommen.


    Es ist ein typischer Gablé und ich habe mich beim Lesen direkt wieder zuhause gefühlt, auch wenn der Roman nicht viel in Waringham spielt. Mit Eleanor wurde ich direkt warm, was mich wunderte, denn im Dunklen Thron war das noch nicht der Fall. Dagegen habe ich etwas länger gebraucht, bis ich etwas mit Isaac anfangen konnte - dafür mochte ich ihn dann aber sehr gerne, er hat mich im Laufe des Buchs von sich überzeugt, gerade weil er nicht der perfekte Erbe ist, den alle von ihm erwartet haben. Außerdem haben mir seine Seereisen und Abenteuer auf den Kanaren und der Neuen Welt sehr gefallen, das war mal ein ganz anderes Setting.
    Die Nebenfiguren sind mal wieder das Salz in der Suppe, da gab es einige, von denen ich sehr gerne gelesen habe und die den Roman erst haben lebendig werden lassen. Gabriel Durham, Francis Walsingham, Marian Edmundson, die Andrew Zwillinge, Mahalath, um nur einige zu nennen.


    Immer wieder grinsen musste ich bei den endlosen Anspielungen auf bereits vergangene Bücher und die Erlebnisse von alten Waringham. Das hat einige Erinnerungen geweckt und ich wurde öfter ein wenig nostalgisch.


    Gestört haben mich zwei Dinge. Erstens, dass der Zusammenhalt der Waringhams erst im letzten Drittel wieder richtig zustande kommt und vorher durch die Distanziertheit der Geschwister sehr gelitten hat. Das war schade, weil in den vorherigen Bänden immer glasklar war, dass die Familie sich aufeinander verlassen kann, wenn sonst schon nichts läuft. Das passte nicht so recht zu den Waringham.
    Zweitens die extremen Zeitrsprünge zwischen den einzelnen Episoden. Ja, die gab es vorher auch schon, aber vielleicht sind sie diesmal mehr ins Gewicht gefallen, weil es zwei Protagonisten waren, von denen erzählt wurde. Ich hätte aus einigen Jahren gerne noch mehr gelesen.


    Nichtsdestotrotz hat mich der Roman ausgezeichnet unterhalten und gefiel mir auch besser als der Vorgänger. Daher gibt es 9 Punkte von mir und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Gablé.

  • Ich habe den 5. Band der Waringham-Saga in der LR gelesen.


    Im Gegensatz zu den anderen Bänden hatte ich einige Anlaufschwierigkeiten. Die Geschichte fand ich, wie von Rebecca Gablé gewohnt, gut geschrieben. Ihr Schreibstil lädt ein, immer dran zu bleiben, aber mir hat hier der Sog gefehlt. Erst nach einem Drittel etwa hatte es mich gepackt. Eleanor und ihren Teil fand ich zwar gut, aber richtig gefesselt hat mich Isaac und seine Geschichte auf See. Den König der Diebe fand ich nett zu lesen, aber teilweise überzogen und unglaubwürdig.


    Von mir 8 Eulenpunkte

  • Rebecca Gablé wollte ursprünglich nur eine Trilogie über die englischen Könige in der Zeit der Rosenkriege schreiben. Die Familie Waringham sollte stets am Hof vertreten sein und somit einen Bezug herstellen. Was habe ich mit Robin, Julian und John gelitten und mitgefiebert, wenn unzählige Abenteuer in Kriegen und vor allem bei den jeweiligen Meinungsäußerungen zu bestehen galten. Die Waringhams waren aus der englischen Geschichte nicht mehr wegzudenken und bei Sachbüchern wäre ich jetzt nicht mehr erstaunt, wenn sie tatsächlich auftauchen. Von daher war die Freude groß, als Nick im vierten Band die Historie der Tudors weiterleben lässt und sich sogar ein fünfter Band ankündigte.


    Dieser fünfte Teil gibt nun endlich einer weiblichen Waringham die Hauptrolle. Als Auge der Königin Elizabeth I. hat Eleonor eine wichtige Aufgabe als Spionin. Sie arbeitet eng mit Cecil und Walsingham zusammen und lässt damit die Leser in geheime politische Verstrickungen der damaligen Zeit blicken. Man erhält quasi Zutritt zu den Privatgemächern einer mächtigen Königin. Hier werden Entscheidungen getroffen, wer der geeignete Heiratskandidat und damit König von England wäre, was mit Mary Stewart weiter passiert und vor allem wie sich die spanische Armada in den Häfen der Niederlande formiert. Eleonor bekommt allerdings mit Gabriel Durham, dem König der Diebe, auch eine leidenschaftliche Seite.


    Die Seefahrt entwickelte sich in dieser Zeit und brachte vor allem Freibeuter hervor, die im Namen der jeweiligen Könige andere Schiffe kaperten. Für England sind damit unweigerlich Francis Drake und Walter Raleigh zu nennen. Die beiden waren begnadete Navigateure und eroberten vor allem in der Neuen Welt Land und Edelmetalle. Ihnen wird Eleonors Bruder Isaac zur Seite gestellt. Auch hier funktioniert die Erzählweise, dass der Leser nun ganz nah am Geschehen ist. Die belegte Historie kann beibehalten werden und erhält obendrein noch etwas Abenteuer durch Isaac. Dennoch wird auch auf die damals bestehenden Probleme des Sklavenhandels und eben der Lebensgefahr auf den Schiffen hingewiesen.


    Die Zeit zwischen 1560 und 1588 wird hier lebendig. Zwar belief sich die Regierungszeit von Elizabeth auf 45 Jahre, war aber nicht immer gleich spannend. Diese 28 Jahre brachten England ein Goldenes Zeitalter und bereiteten den Weg zum Imperium. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach der Thronfolge, da die jungfräuliche Königin es schaffte, ohne einen Mann an ihrer Seite zu herrschen. Elizabeth wird in diesem Roman sehr klug und umsichtig beschrieben, was sie vermutlich auch war. Am Beispiel ihrer Schwester Mary und ihrer Cousine Mary Steward konnte man alle möglichen Alternativen ablesen. Ein katholischer Ehemann wäre ebenso fatal für den Frieden im Land gewesen wie eine Königin mit den falschen Beratern. Von daher wurde die Beziehung zu Robin Dudley auch nicht unnötig ausgeschmückt. Die Autorin bleibt auch in diesem Buch ihrem Erzählstil treu und fasziniert mit der Deutlichkeit, wie sie Vergangenes lebendig werden lässt. Einziges Manko an dieser Reihe ist, dass die knapp 1000 Seiten irgendwann gelesen sind und es wohl diesmal wirklich das Ende der Reihe bedeutet, wobei es für mich noch einige Einsätze für einen Waringham am Hofe der Tudors und Stuarts geben könnte.

  • „Der Palast der Meere“ war mein dritter Roman von Rebecca Gablé und der zweite Waringham nach „Der dunkle Thron“. Nachdem mich dieser nicht so wirklich überzeugt hatte was die Figurenzeichnung betraf, hat mich der Palast diesbezüglich nicht im Stich gelassen. Sowohl Isaac als auch Eleanor haben mir mit ihren individuellen Stärken und Schwächen gut gefallen und meine Sympathien geweckt.


    Die Aufspaltung der Handlung auf die beiden wichtigsten Bereich der damaligen Zeit für England – das Leben am Hof und die aufstrebende Seemacht – hat sowohl für spannende Abenteuer als auch politische und höfische Intrigen gesorgt. Ich fand die Mischung der beiden Aspekte wirklich gelungen und habe mich immer gefreut, wenn ich das Buch zur Hand nehmen und weiterlesen konnte. Teilweise musste auch ich mich bremsen um nicht über den festgelegten Leserundenabschnitt hinaus zu lesen.


    Zu Anfang der Handlung hatte ich noch ein paar kleine Schwierigkeiten, da häufige und längere Zeitsprünge den Zugang zu den Personen noch etwas erschwert hatten, aber das legt sich zum Glück ungefähr ab dem Zeitpunkt, da Isaac erwachsen ist. Ab da gibt es wirklich große Zeitsprünge auch nur noch zwischen den einzelnen Teilen des Buches. Dies hat natürlich auch wiederum den Vorteil, dass man sowohl die Waringhams als auch die Regierungszeit Elizabeths I. über einen langen Zeitraum verfolgen kann. Den Punkt, den Rebecca Gablé für das Ende ihres Romans gewählt hat und vor allem die Begründung dafür im Anhang fand ich verständlich und interessant. In diesem Nachwort geht sie auch generell noch auf einige der weiteren Begebenheiten ein, die sich im weiteren Verlauf der Geschichte ereigneten.


    Rebecca Gablés Darstellung von Elizabeth hat mir gut gefallen. Erschien sie im letzten Buch und auch zu Beginn dieses Bandes noch als ein verwöhnter kleiner Fratz bzw. junge Königin die es liebt ihre Macht zu ihrem Vorteil zu gebrauchen, erlebt man auch die Entwicklung der jungen Frau mit. Eine intelligente, weitblickende Monarchin die ihre Prinzipien hat und es sich nicht erlaubt ihr Herz über ihren Verstand bzw. das Wohl ihres Landes zu stellen. Sie weiß was sie will, und sie weiß, dass fast jeder Mann auf der Welt es ihr wegnehmen will. Ihre lange Regierungszeit und auch ihr großes Ansehen hatten letzten Endes einen Preis, den sie aber wissentlich bereit war zu zahlen, auch wenn sie als Mensch immer wieder mit den Konsequenzen haderte.
    Der Konflikt um Mary Stewart wurde hier nachvollziehbar erzählt ohne eine der beiden Monarchinnen zu verteufeln oder auf ein Podest zu heben. Mir war nicht klar, wie lange Elizabeth versucht hat, ihre Cousine – immerhin ein gekröntes Haupt von Gottes Gnaden – zu schützen.


    Zur Gestaltung des Buches kann man nur sagen, dass es wieder sehr schön gelungen ist. In den Deckelinnenseiten befinden sich historisch anmutende Land- bzw. Seekarten der „Alten und Neuen Welt“ sowie „Britanniens und der Niederlande“. Es gibt ein Lesebändchen und vor den einzelnen großen Abschnitten des Buches gibt es wieder die schönen doppelseitigen Zeichnungen von Jürgen Speh mit Szenen aus dem jeweils bevorstehenden Teil. Außerdem ein Personenregister mit kurzer Umschreibung der Person und Zuordnung zum Handlungsort.


    Fazit: Wenn man von ein paar kleinen Unglaubwürdigkeiten absieht, die vielleicht auch bewusst gewählt wurden um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen (oft hat man auch die alten Freibeuter-Filme im Kopf), ist dies ein sehr spannender und toll erzählter historischer Roman über eine zukunftsentscheidende und wegweisende Zeit in Englands Geschichte und eine seiner größten Königinnen.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Auch ich durfte dieses Buch im Rahmen der Testleserunde lesen - ganz herzlichen Dank dafür nochmal!


    Ich mag die Waringhams einfach. Und hier bekommen wir sie sogar gleich im Doppelpack: Eleanor und Isaac. Während wir durch Eleanor Enblicke in das Leben am Hofe Elizabeths I. erhalten, gibt es dieses Mal auch noch Isaacs Welt auf See. Und ich muss sagen, dass mir diese sogar noch viel besser gefallen hat, als das frühere Schlachtengetümmel an Land. Hat mich inspiriert, mal ein paar Seefahrer-Bücher zu lesen :grin Wir lernen etliche bekannte Namen kennen wie Robin Dudley, Sir Francis Drake oder auch William Shakespeare, der ganz am Rande als Laiendarsteller auftaucht und sich so sehr über die Stücke ärgert, dass er sich überlegt, selbst welche zu schreiben :chen


    Lange Zeit konnte ich beim Lesen des Buches gar nicht sagen, welcher Handlungsstrang mir besser gefiel, die eher kühle, distanzierte Eleanor oder der impulsive, verantwortungslose Isaac. Gegen Ende schlug die Nadel bei mir aber eindeutig zu Isaacs Gunsten aus, zum einen sicher, weil mir einfach seine Partnerin besser gefällt als Eleanors Gabriel, mit dem ich nicht so ganz warm geworden bin. Zum anderen aber auch, weil seine Figur eine Entwicklung erlebt, die mir bei Eleanor ein bisschen fehlt. Er büchst als Jugendlicher zuhause aus, weil er sich der Verantwortung nicht stellen mag, wird in die Sklaverei verkauft, verpflichtet sich als Seemann und stellt damit schon die Weichen für sein späteres Freibeutertum. Eleanor ist bei Hofe, ist bei Hofe und ist bei Hofe. Dauernd muss sie schlechte Nachrichten überbringen und macht alles genauso falsch wie ihr Vater. Klar, hatte Rebecca Gablé bei Isaacs Charakter mehr Freiheit, Dinge zu erzählen als bei Eleanor, wo nun mal die Fakten aus Elizabeth' Zeit unumgänglich sind. Vielleicht habe ich auch einfach nur eine Schwäche für die Seefahrt ;-)


    Elizabeth selbst wird immer als sehr klug und gebildet geschildert, sie schafft es auch immer wieder, sich sämtlichen Avancen irgendwie zu entziehen und sich so ihre Macht zu erhalten. Auf persönlicher Ebene ist das natürlich hart und sie kann sich auch nicht immer beherrschen, wenn die Gefühle doch mal überhand nehmen: so wird Lettice vom Hof gejagt, als Robin sich erdreistet, sie mitzubringen. Dennoch erlaubt sie sich im Großen und Ganzen keine Gefühle, bzw. den Gefühlen nicht, ihr Handeln zu beeinflussen und stellt Englands Sache stets über die eigenen Interessen. Respekt :anbet


    Alles in allem war es ein toller Roman über den Beginn des goldenen elisabethanischen Zeitalters, in dem sicher viele Leser gerne verweilen werden!

    Liebe Grüße :wave


    Waldmeisterin


    Every day I give my family two choices for dinner: take it or leave it!


    Nulla unda tam profunda quam vis amoris furibunda

  • Vielen Dank an Wolke und den Verlag für das Buch :wave


    Die Bücher von Rebecca Gablé sind immer ein Muss für mich, ich freue mich stets wie ein Kind auf Weihnachten wenn wieder eines erscheint, mit ihren Büchern kann ich wunderbar eintauchen in eine andere Welt.


    Hier benutze ich wohl zum ersten Mal in einer Rezi von Rebecca Gablé das Wort aber...
    Mir hat die ganze Seefahrer-Geschichte sehr gut gefallen, mal was anderes, eigentlich eine gelungene Idee. Auch Elizabeth's Zeit ist super geschrieben, auch wenn ich davon schon viel gelesen habe. Mir fehlt nur einfach das "Waringham-Feeling", ich sag dem mal so, anders kann ich es nicht beschreiben. Und ja, es ist Jammern auf hohem Niveau, wie hier schon einige bemerkt haben. Aber es ist nun mal so. Ich mag das Mittelalter hat lieber. Eleanor und Isaac waren auch wunderbar beschrieben, aber einfach nicht typisch Waringham wie früher. Ist dies ein Abschluss der Waringham-Reihe? Für mich würde es so stimmen. Man soll hören wenn es am schönsten ist und nicht einer gewissen Gabaldon nacheifern.


    Abschliessend kann ich sagen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat, hervorragend geschrieben und sehr unterhaltsam ist.


    8 Punkte von 10 wegen dem aber...